8. September 2011, Berliner Premiere in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
±0 EIN SUBPOLARES BASISLAGER
Von Christoph Marthaler
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Christoph Marthaler auf Grönland - Foto (C) Anna Viebrock
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Die kalkulierte Vollabschmelzung eines Stückchen Gletschers (s. Pavillon ostseits der Volksbühne)
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Christoph Marthaler hatte vor ein paar Jahren Lust auf Grönland, wo er nie zuvor gewesen war. Nach den Berichten, die er gab, entstand diese Idee bei einem Dänemark-Gastspiel seines Ensembles. Und aus der Idee wurde die Tat: Mit seiner Leib-und-Magen-Ausstatterin Anna Viebrock (immer noch eine der besten Bühnenbildnerinnen dieser Welt!) fühlte er also schon mal Schnee und Kälte vor; dann holte er die/seine Leib-und-Magen-Truppe nach... und sie verbrachten eine unvergesslich-schöne Zeit auf Grönland bei den Gletschern - ja, fast wollte man sie nachträglich hierum beneiden.
Was als kreatives oder fotoalbumeskes (Nach-)Produkt zu dieser kreativen Urlaubsreise (nach)entstand, nennt sich ±0 EIN SUBPOLARES BASISLAGER; und es wurde eine Art von multinationaler Produktion, also mit vielen Fördergeldern oder Spenden aus dem In- und Ausland angereichert, deren Uraufführung im April des letzten Jahres - und im grönländischen Nuuk - war. Jetzt tourt das schöne Stück überall dorthin, wo man's sehen oder hören will und/oder wo es Ko-Partner in irgendeiner Form gehabt hat, also auch in Christoph Marthalers früherer Nebenwirkungsstätte, in die Volksbühne Berlin...
[Ostseits des Riesenbaus ist übrigens ein Mitbringsel der Wahlgrönländer zu betrachten; vor der Fensterscheibe eines Pavillons sollte man live verfolgen, wie ein Stück von einem Grönlandgletscher Stück um Stück zu einem Stückchen und letzthin zu warmem Gletscherwasser abschmilzt... und, o ja, man macht sich freilich so Gedanken über Welterwärmung & Weltuntergang.]
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Der Abend läuft wie alle Abende beim Marthaler. Es wird absurd gespielt und außerordentlich genial gesungen, musiziert... Das ist ja dann das absolute Markenzeichen jenes Marthaler-Theaters, dass seine Akteure derart fulminante Alleskönner sind, und dass sie diesen satten (schweizerischen?!) Erzhumor besitzen und zu uns herübertransportieren; und das sorgt dann, wie sooft, bei uns für einhelligste Brüller; Beispiel:
Rosemary Hardy (diese British Queen der AlleskönnerInnen!!) kriecht mit einem Mal auf allen Viern zu einer transportablen Tierbox, wie man sie vielleicht für Katzen oder Hunde nimmt, legt sich in sie hinein und singt mit ihrer divenhaften Opernstimme "Nipi saamangaarttoq maanna" o. s. ä., jedenfalls was Nordländisches, und nachdem sie es gesungen hat, kriecht sie dann aus der transportablen Tierbox wieder raus... / Die Szene ist dann allerdings der Hammer!
Und so geht es weiter, und so geht es fort.
Vielleicht zieht sich der Abend diesmal etwas mehr als üblich in die Länge, die man nicht gerade mit dem Wörtchen Kurzweil wegkaschieren könnte; und das liegt wohl eineindeutig an der Auswahl der (zu vielen!) Texte, die zumeist nicht viel zu der "Erklärung" einer allgemeingültigen Eis-und-Tau-Zeit beitragen. Aber egal.
Wir sind - wie eh und je bei Marthaler's - verblüfft und gut gelaunt gewesen.
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So sieht es aus in einem subpolaren Basislager frei nach Marthaler - Foto (C) Bo Kleffel
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Andre Sokolowski - 9. September 2011 ID 00000005374
±0 EIN SUBPOLARES BASISLAGER (Volksbühne Berlin, 08.09.2011)
Regie: Christoph Marthaler
Bühne und Kostüme: Anna Viebrock
Musikalische Leitung: Rosemary Hardy
Licht: Phoenix (Andreas Hofer)
Regie Mitarbeit: Gerhard Alt
Dramaturgie: Stefanie Carp, Malte Ubenauf
Mit: Marc Bodnar, Bendix Dethleffsen, Rosemary Hardy, Ueli Jäggi, Gazzaalung Qaavigaq, Sasha Rau, Bettina Stucky, Nukaka Coster Waldau, Jürg Kienberger und Raphael Clamer
Berliner Premiere war am 8. September 2011
Weitere Termine: 9., 10., 11. 9. 2011
Eine Produktion von Unlimited Performing Arts in Koproduktion mit Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Katuaq, Nuuk, Wiener Festwochen, Festspillene i Bergen, Det Kongelige Teater, Kopenhagen, Théâtre de la Ville, Paris, Stadsteatern Stockholm, London Festival 2012, Edinburgh International Festival und Kampnagel, Hamburg. Unterstützt durch das Goethe-Institut.
Weitere Infos siehe auch: http://www.volksbuehne-berlin.de
http://www.andre-sokolowski.de
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