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5. Mai 2011, Premiere am Maxim Gorki Theater Berlin

ROCCO UND SEINE BRÜDER

Nach dem Film von Luchino Visconti


Schöne Schwarzweiß-Fotografie, ein gleichnishafter Eindruck (wie im Film)... ROCCO UND SEINE BRÜDER (nach Visconti) am Maxim Gorki Theater Berlin - Foto (C) Bettina Stöß


Beginnt als Stummfilm, steigert sich als "Blutbad", endet mit 'nem Liedchen

Robert Kuchenbuch ist unser Held des Abends! Er spielt Rocco, und er wird dann plötzlich von Michael Klammer, der Simone (Rocco's Bruder) spielt, in einem enthusiastisch-körperlichen Akt herunter von der Bühne und nach rechts zur Wand geschleudert und gestoßen - derart enthusiastisch, dass der Körper, insbesondere der Kopf vom Kuchenbuch, an eine etwas vorstehende glaskristall'ne Wandbeleuchtung knallt, die sofort und in lauter Scherben dann zerschellt; und man vermutete zunächst doch "nur" einen nicht ernst zu nehmenden und also lächerlichen Materialschaden - - auch als dann Robert plötzlich wieder aufrecht stand und auf die Bühne rück- und abzugehen quasi sich ermutigte, vermeinte man eine sehr neorealistische Regieidee erkannt zu haben, weil der Kopf des Robert Kuchenbuch doch ziemlich blutete - - - also Erstaunen und Verwirrung beim Betrachter, denn es hätte gut und gern auch eine Kraftladung Theaterblut sein können, die dem Helden unauffällig-nachträglich dann zugefügt war/wäre; aber nein:

Das Blut des Robert Kuchenbuch war echt!

Es war ein unvorherzusehender und unglücklicher Unfall, "mehr wohl nicht".

Auf jeden Fall: Die Handlung kam dann irgendwie ins Stocken, und Michael Klammer, der sich wunderte, dass Robert Kuchenbuch dann nicht auf ein bestimmtes Zeichen (seines Einsatzes) zurückgekommen war, wandte sich etwas hilflos und verzweifelt an das Publikum: "An dieser Stelle", sagte er dann sinngemäß, "hätte jetzt Robert auf die Bühne kommen müssen, da er jetzt nicht kommt, vermuten wir, dass die Verletzung doch dann schlimmer ist, also wir sehen jetzt erst mal nach ihm..."

Gesagt, getan.

Ja und dann kam er doch zurück - mit einem dicken Pflaster auf der Stirn - und spielte heldisch seine Rolle weiter bis zum Schluss; ja und wir sahen, dass er so ein halbes Dutzend Schnittverletzungen am Kopf davon getragen hatte - - und da feierten wir ihn natürlich umso mehr und umso doller!

Danke, Robert Kuchenbuch, dass du die Vorstellung am Ende doch gerettet hattest!!!



Robert Kuchenbuch als Rocco - der Dritte von rechts

Robert Kuchenbuch - rechts (boxend)

Robert Kuchenbuch - links



ROCCO UND SEINE BRÜDER, nach dem schönen Film Visconti's aus dem Jahre 1960, läuft seit heute also am Berliner Maxim Gorki Theater. Und man fragt sich freilich schon, warum das unbedingt dann sein muss - und wir (insbesondere der Autor dieser Zeilen) sind seit eh und je ein "Gegner" von Roman- und Filmbearbeitungen auf der Bühne; ein zur Inflation gewordenes Modedesaster, wie wir finden - wegen eines Mangels "echter" guter Stücke?? Keine Ahnung; es ist wie es ist und also völlig wurscht.

Und unabhängig dieses prinzipiellen Einwands registrierten wir trotzdes eine sehr schöne und sehr gut gemachte Produktion: Antú Romero Nunes hatte seinen abgehalfterten Extrakt des überlangen Filmes (177 min Laufzeit) auf nicht ganz 2 Stunden (ohne Pause!) kurz und bündig inszeniert. Die schmucklos-schwarze Bühne Florian Lösche's existiert aus runter oder rauf fahrenden Leuchtstoffröhren und herumstehenden Lautsprechern, aus denen's hie und da Musik oder Geräusche gibt.

Albrecht Abraham Schuch (Vincenzo), Matti Krause (Ciro) und der schließlich noch ein Lied auf Englisch singende Alp Erdener Ergovan (Luca) sind die anderen drei Brüder Rocco's; Anne Müller spielt die Nadia; und Andreas Leupold ist sowohl als Mutter oder Wäschereibesitzerin wie auch als Giulio zu erleben.

Die Geschichte von der armen kleinen Familie aus dem ländlichen Süden Italiens, die nach Norden in das industrialisierte Mailand zieht, um dort ihr Glück zu machen, hat natürlich eine zeitlos-aktuelle Komponente - und ich stieß beim Assoziieren merkwürdiger Weise auf die Flüchtlinge aus Afrika, die "ihr Italien" erst einmal auf Lampedusa kennen lernen müssen...


Andre Sokolowski - 5. Mai 2011
ID 00000005190
ROCCO UND SEINE BRÜDER (Maxim Gorki Theater, 05.05.2011)
Nach dem Film von Luchino Visconti
Regie: Antú Romero Nunes
Musik: Johannes Hofmann
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Judith Hepting
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Besetzung:
Vincenzo ... Albrecht Abraham Schuch
Simone ... Michael Klammer
Rocco ... Robert Kuchenbuch
Ciro ... Matti Krause
Luca ... Alp Erdener Ergovan
Rosaria/Chefin/Giulio ... Andreas Leupold
Nadia ... Anne Müller
Premiere war am 5. Mai 2011
Weitere Termine: 9., 27. 5. / 3., 9., 16., 30. 6. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.gorki.de





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