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Feuilleton


30. August 2012, Premiere am Maxim Gorki Theater (Berlin)

DIE RÄUBER




FREI nach, durch und außer Schiller

Sollte es nach dem Gesamteindruck dieser von uns besuchten zweieinhalbstündigen (pausenlosen) Erstpremiere der begonnenen Saison 2012/2013 - mit den Schiller-Räubern - , was das Atmosphärische (Regie: Antú Romero Nunes / Ausstattung: Matthias Koch) betraf, gegangen sein, so stünde uns sodann, wenn man das hochrechnen also orakeln müsste, eine lauwarme und halbherzige Spielzeit am Berliner Maxim Gorki Theater bevor. Es wird und ist die allerletzte Spielzeit unter der Ägide des hier wahrlich Neuland aufgezeigt und jenes kleine schmucke Haus der ehemaligen Berliner Singakademie mit reichlich Frischluft durchgepustet habenden Künstlerintendanten Armin Petras, der ja (leider) nun, und für uns immer noch und immer wieder völlig unerklärlich, seinen Weg nach Stuttgart nimmt...

Das aufmüpfige Sturm-und-Drang-Stück von dem jungen Friedrich Schiller also! Und mit lauter jungen, schönen und nicht minder aufmüpfigen Menschen, die es uns, dem Publikum (wir werden übrigens im dritten Teil der Inszenierung justament als "Edi" wahrgenommen und bezeichnet; ach wie witzig!) in einer ambitionierten Quer-Lese servierten:

Nichts, nein überhaupt nichts gegen die Zertrümmerungsabsichten oder Vergewaltigungsattacken gegen vorliegende Stücktexte - kein Stücktext ist es wert, dass er im törichten Verhältnis 1:1 die Bühnenbretter knarren lassen müsste; Stück ist Stück / Theater ist Theater. Allerdings: Gewusst hätten wir schon, aus welchem sonst noch vorliegenden Material (außer dem Schillerstück Die Räuber) durch die drei Akteure nebst ihrem 27köpfigen ElevInnengeschwader intensivst und wiederholerisch, didaktisch und (vor allem:) ganz und gar ermüdend vor- und nachgeschwadroniert wurde; so etwas dürfte wohl die Aufgabe einer ihr Tätigkeitsfeld ernst nehmenden Dramaturgin sein - aber vielleicht ist Carmen Wolfram alles Dieses unbewusst oder bewusst-vergessenswert erschienen, dass sie uns (dem "Edi") diese kleinen Infos nicht mit auf den Beipackzettel setzen ließ.

Egal.

Die Inszenierung nervte jedenfalls, und wie!!




Paul Schröder (vor allem) als Franz in Schillers Die Räuber am Maxim Gorki Theater Berlin - Foto (C) Bettina Stöß

Aenne Schwarz (vor allem) als Amalia in Schillers Die Räuber am Maxim Gorki Theater Berlin - Foto (C) Bettina Stöß

Michael Klammer (vor allem als er selbst und teilweise auch) als Karl Moor in Schillers Die Räuber am Maxim Gorki Theater Berlin - Foto (C) Bettina Stöß



Am unschuldigsten an dieser missglückten Räuber-oder-so-Aktion waren die Hauptdarsteller Paul Schröder, Aenne Schwarz und Michael Klammer. Sie taten sicher das, was (meistens) alle Schauspieler zu tun sich mühen - der Ideenvielfalt ihres jeweiligen Regisseurs versuchshalber sich einzufühlen und das Jeweilige (an so vorgeschlagenen bzw. vorgeschriebenen Aktionen) adäquatest umzusetzen; dass sie da mit ihrem aktuellen Partner Antú, der bereits von seinem äußeren Erscheinungsbild den Prototyp eines die Schauspieler für sich von vorn herein einnehmenden Gutmenschen (Sympathieträgers!) manifestiert, unkontroversest klargekommen sein müssten, lag irgendwie (gefühlsmäßig) schon auf der Hand...

Der überlange Abend hatte, wie schon angedeutet, eine Dreierteilung. Schröder, Schwarz und Klammer deklamierten oder spielten hauptsächlich zwar "ihre" jeweiligen (Haupt-)Rollen als Franz, Amalia und Karl Moor; doch selbstverständlich schlüpften sie dann auch in eine oder andere der 16 weiteren Personen in dem Schillerstück. Das nutzte sich nach spätestens schon einer halben Stunde peu à peu dann ab. Als inszeniererischer Clou muss dennoch die Idee für den Teil 3 bezeichnet sein: Nachdem der Regisseur einen schier ohrenbetäubenden Theaterdonner bei angehendem Saallicht auf uns "Edi's" prasseln ließ, tat Klammer weit über eine halbe Stunde lang sein Außerdem-Talent als Entertainer ausleben; das war als Spiel von Mir zu Dir gedacht, ja und es ging hierin auch darum, ob wir "Edi's" eigentlich dann wirklich diese Räuber heutzutage überhaupt noch sehen wollen würden usw. usf.

Und schließlich sprangen dann die bis dahin sich noch nicht allzu sehr verdächtig gemacht habenden Chor-Darsteller (27 an der Zahl) im Saale - "heimtückisch" hatte man sie ins Publikum gestreut - wie ein Mann auf und brüllten Stücktextteile, die der Klammer steilvorlägig herzitierte, Richtung Bühne; und dann machten sie sich auch schon auf den Weg dorthin und mimten Schleef-Chor-Sprechende...

So war das also.

Eine radikale Stückbehandlung sieht was anders aus; aber der Antú kommt schon noch dahinter.

Selten so gelangweilt.


Andre Sokolowski - 31. August 2012
ID 6176
DIE RÄUBER (Maxim Gorki Theater, 30.08.2012)
Regie: Antú Romero Nunes
Bühne und Kostüme: Matthias Koch
Musik: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Mit: Paul Schröder, Aenne Schwarz und Michael Klammer
Premiere war am 30. August 2012
Weitere Termine: 2., 8., 19., 25. 9. / 9., 11. 10. 2012


Weitere Infos siehe auch: http://www.gorki.de


http://www.andre-sokolowski.de



 
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