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Rezension


12. Juni 2010, Wuppertaler Bühnen (Opernhaus)

PROSERPINA

Musik von Wolfgang Rihm
Text von Johann Wolfgang Goethe


Elena Fink als PROSERPINA an den Wuppertaler Bühnen - Foto (C) Uwe Stratmann

Der Hans, der kann’s


Von Rhein-Neckar nach Rhein-Ruhr:

Wurde Wolfgang Rihms neue Oper im Mai letzten Jahres im Schwetzinger Schlosstheater uraufgeführt, so hat es die inzwischen mit allerlei Lorbeeren behängte „Proserpina“ (Opernwelt: Uraufführung des Jahres 2009) nun auf die Wuppertaler Bühne geschafft.

Falls Sie es noch nicht wussten: Proserpina hört auch auf den Namen Persephone. Die Herren Rihm und Neuenfels wildern, werkeln und ferkeln also in der Welt der römischen bzw. griechischen Mythologie.



PROSERPINA, in der Inszenierung von Hans Neuenfels, am Opernhaus der Wuppertaler Bühnen - Foto (C) Uwe Stratmann


Der Abend beginnt mit dem Hilfeschrei der Proserpina. Sie wurde von Onkel Hades / Pluto verschleppt, was Papa Zeus - im Gegensatz zu Mama Demeter / Ceres - so ziemlich egal ist. Proserpina könne aber zurückkehren, wenn sie in der Unterwelt nichts gegessen habe. Sind vier poplige Kerne eines Granatapfels Nahrung? Stolpert auch eine Göttin über die verbotene Frucht? Nach zähen Verhandlungen hat man eine gute und eine schlechte Nachricht: Proserpina darf wieder in den Olymp - aber nur für acht Monate im Jahr. Die übrigen vier muss sie im Schattenreich verbringen. Der Mythos besagt, dass dadurch Sommer und Winter entstanden sind.

Rihm nahm das Monodrama Goethes, würzte den Text mit ein paar orgiastischen Lauten und komponierte eine wunderbar mondäne wie zugleich zugängliche Musik. Da umschmeicheln Streicherkantilenen ebenso das Ohr wie fetzige Vibraphonklänge oder dissonante Blechblasattacken.

Florian Frannek lotst das achtbar aufspielende Wuppertaler Sinfonieorchester sicher durch alle Partiturturbulenzen.



Bei Neuenfels gibt es auch immer schöne nackte Männer zu sehen, wie zum Beispiel hier die beiden Eskortierenden von PROSERPINA-Star Elena Fink, am Opernhaus der Wuppertaler Bühnen - Foto (C) Uwe Stratmann


Neuenfels entwirft dazu ein choreographisches Bild sexueller Gewalt und stellt der Göttin vier stumme Rollen zur Seite: Pluto (eh, den kennen wir doch als Violettas „Zuhälter“ aus Berlin: sexy Christian Natter) sowie die Parzen Klotho, Lachesis (die Brüder Andreas und Sascha Jähnert) und Atropos (wieder Natter).

Man(n) leckt sich gegenseitig Füße, küsst und rubbelt Genitalien, schnallt Proserpina auf einen Gynäkologenstuhl (Bühne: Gisbert Jäkel), krönt sie im Nuttenoutfit (Kostüme: Elina Schnizler) zur neuen Königin der Unterwelt. Mal wird ein Popo entblößt oder zünftig beklatscht: es geht (sehr zum Schrecken einiger ondulierter Damen im Parkett) recht derb zur Sache.

Ein bösartiger, bizarrer und streckenweise auch lustiger Abend mit erstklassiger Proserpina. Ob Koloratur (schöner Seitenhieb auf Mozart) oder stöhnendes Ah!, ob Intonation, Präzision oder Textverständlichkeit: Elena Fink kniet sich mit Verve in die Titelrolle.



Heiko Schon - red. 18. Juni 2010
ID 00000004671
PROSERPINA (Wuppertaler Bühnen, 12.06.2010)
Musikalische Leitung: Florian Frannek
Inszenierung: Hans Neuenfels
Bühne: Gisbert Jäckel
Kostüme: Elina Schnizler
Besetzung:
Proserpina ... Elena Fink
Atropos, Pluto ... Christian Natter
Klotho ... Andreas Jähnert
Lachesis ... Sascha Jähnert
Damen des Opernchores der Wuppertaler Bühnen
(Choreinstudierung: Jens Bingert)
Sinfonieorchester Wuppertal
Eine Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen
Premiere war am 11. April 2010
Nächste Vorstellung: 30. 6. 2010

Weitere Infos siehe auch: http://www.wuppertaler-buehnen.de





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