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Feuilleton


24. März 2012, Premiere im 3. Stock der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz

STRASSENECKE

von Hans Henny Jahnn



Neune ab P 14 suchten einen Autor

P 14 heißt das Jugendtheater in der Volksbühne Berlin (s. u.) und hat jetzt die völlig unspielbare Straßenecke von Hans Henny Jahnn, dem größten und exotischsten der literarischen Außenseiter aller Zeiten, ausprobiererischer Weise auf den Plan gesetzt. Mit ihren 70 Buchseiten ist sie (besagte Straßenecke) so was wie ein mittelgroßes "Kurzstück"; und mit über 50 Rollen, freilich mehr und weniger in Haupt- und Neben- oder Doppelrollen aufgeteilt, erfüllt sie schon an sich den absoluten Ungespieltseinsanspruch. Es wird vielzu viel sowie unsäglich-umständlich gesprochen (und gesungen) lt. der Textvorlage - von dem dürren Plot her geht es lediglich ums Lynchenwollen und letztendlich Lynchen und Gelynchtsein eines "Negers" mit dem schlichten Namen James... Jahnn schrieb das Stück im Jahre 1931. Alle seine Themen - Mensch und Tier und Blut und Sperma - sind, wie selbstredend in allen seinen Werken, auch in Straßenecke nachprüfbar präsent; der immer wiederkehrende und allwissende Grundsatz seines Oevres ("Es ist wie es ist.") obsiegt natürlich nicht nur innerhalb des über 2000seitigen Opus Magnus mit dem schönen Titel Fluss ohne Ufer - nein, es steckt ganz selbstverständlich auch und leitmotivisch in der Straßenecke drin; also der Mensch ist schlecht und kann am Ende nichts dafür, dass er so schlecht ist oder so... [Ich gebe eindeutig zu Protokoll, dass ich die Grundsatzthese(n) Jahnns grundsätzlich teile.]

Und es grenzte schon an eine Tollkühnheit der Regisseurin Silvia Rieger, ihre neun P 14-Leute mit der textlastigen Angelegenheit zu konfrontieren. Jahnn ist wohl - noch auf Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinaus - der deutsche Sprachmagier par excellence; von daher sicherlich eine Verführung sondergleichen, denn: Schauspieler wollen gute Sprechtexte, mit denen sie sich sowohl logopädisch als auch intellektuell ein bisschen mehr als üblich auseinandersetzen könn(t)en - - und das taten dann die Jugendlichen auch, und zwar nicht schlecht und überhaupt nicht übel!!

Es wird also unterschiedlich gut bis sehr gut Text gesprochen. Und es wird auch viel (vielleicht etwas zu viel) herumgeschrien und herumgebrüllt. Das kippt auch stellenweise in ganz plötzliches Vergnügen: Judith Gailer, beispielsweise, kann ihr urgesundes Heiterkeitsbewusstsein während ihrer Schrei- und Brüllattacken nicht mehr länger leugnen und bricht so (statt fortzuschreien oder fortzubrüllen) selbstironisch in betörendes Gelächter aus; sehr hübsch, o ja!!

Also die Jugendlichen wissen/wussten sich dann schon zu helfen, wenn sie mit dem Unleicht-Unhumorigen der Straßenecke doch letztendlich nicht so ganz zurande kommen wollten oder kamen.

Fazit: Schwere, allzu schwere Kost für jugendliche Mägen.

"Kinder" muss man Shakespeare spielen lassen.



Das sind die Kids vom Jugendtheater P 14 (an der Berliner Volksbühne), die sich tollkühn jetzt an Hans Henny Jahnns Stück von der Straßenecke abbemühten - Foto (C) Thomas Aurin


Andre Sokolowski - 25. März 2012
ID 00000005823
P 14 - STRASSENECKE (3. Stock, 24.03.2012)
Regie: Silvia Rieger
Bühne: Bert Neumann
Licht: Torsten König
Dramaturgie: Elena Sinanina
Regieassistenz: Olga Hohmann
Die Kostüme wurden vom gesamten Team gestaltet.
Mit: Anton Andreew, Nico Ehrenteit, Judith Gailer, Johannes Gäde, Olga Hohmann, Sten Jackolis, Luis Krawen, Davide Scarano und Rose Lohmann
Leitung P14: Vanessa Unzalu-Troya
Premiere im 3. Stock war am 24. März 2012
Weitere Termine: 25., 27., 30. 3. / 18., 19., 23., 24. 4. 2012


"P14 ist das Jugendtheater der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und bietet Jugendlichen ab 14 Jahren die Möglichkeit, sich auf vielfältige Art und Weise dem Theater zu widmen. P14 ist ein autarkes Jugendtheaterprojekt, Impulse aus der Gruppe werden aufgenommen und umgesetzt, jeder einzelne kann seine Ideen von Theater und Kunst einbringen. P14 ist offen für alle, die im Hintergrund arbeiten wollen, wie z.B. in der Technik, im Ton, oder in den Bereichen Video, Dramaturgie und Kostüm. Unter der Leitung von Vanessa Unzalu-Troya erhalten die verschiedenen P14 Gruppen die Möglichkeit, ihre ganz eigene Vorstellung von Theater in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Doch eines ist auch völlig klar: Scheitern ist erlaubt! Denn das Scheitern gehört zum Prozess des Lernens dazu und ist eingeplant! Aber wenn bei P14 gescheitert wird, dann mit Glanz und Gloria, statt Trauerflor und vor allem bonbonfarbend und niemals grau in grau. P14 bedeutet, Lust darauf zu haben, sein eigenes Theater zu machen, egal wo, egal wie, und egal um welchen Preis. Neben der Projektplanung, den Proben, der Erstellung von Texten beobachtet P14 die Profis an der Volksbühne, die Aufführungen und die Beteiligten schleichen durchs Haus und sehen zu, wie die Gewerke ihre Theatertricks und ihre Zauberwelten vorbereiten. An vielen Projekten der Volksbühne ist P14 beteiligt: Oft sieht man Mitglieder des Jugendtheaters Seite an Seite mit den Profis arbeiten. Sei es auf der Bühne, oder hinter den Kulissen."

Vanessa Unzalu-Troya
E-Mail: P14@volksbuehne-berlin.de
Tel.: 030-240 65 688


Weitere Infos siehe auch: http://www.volksbuehne-berlin.de/deutsch/volksbuehne/p14/


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