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21. Oktober 2011, Uraufführung am Freien Werkstatt Theater Köln

ORLANDO

nach Virginia Woolf - dramatisiert von Diana Anders


Barbara Katz spielt alle Rollen in Virginia Woolfs ORLANDO, von Diana Anders fürs FWT Köln dramatisiert, gleich selbst - Foto: © MEYER ORIGINALS


Die vielen Gesichter der Frau Kratz

Wie soll man Virginia Woolfs epochemachenden Roman Orlando, der Jahrhunderte überspringt und dessen Hauptfigur das Geschlecht wechselt und sich auch ansonsten ziemlich viele Freiheiten nimmt, bloß auf die Bühne übertragen? Und dann mit nur einer Schauspielerin? Selbst für Schauspielerin Barbara Kratz und Regisseurin Diana Anders, ihres Zeichens Spezialistinnen für personalintensive Stücke, die mit nur einer Schauspielerin (Barbara Kratz selbst) bestritten werden, wird dies eine echte Herausforderung gewesen sein. Die Lösung der beiden: Reduktion und ein raffinierter dramaturgischer Rahmen in Form einer Reportage, in der Zeitzeugen von Woolfs Protagonisten Orlando zu Worte kommen und die von Frau Kratz gewissermaßen Conférencier-mäßig präsentiert wird. Auf diese Weise entgeht das Produktionsteam der Gefahr, die faszinierende Figur Orlando selbst auf die Bühne bringen zu müssen, und es entsteht zudem die Möglichkeit, Figuren aus dem jeweiligen Zeitkontext als Zeitzeugen erscheinen zu lassen, die über Orlando berichten, und das Publikum in die elisabethanische Zeit, in die Zeit der Restauration oder in das 19. Jahrhundert eintauchen zu lassen.

Barbara Kratz präsentiert dabei nicht nur den Abend, sondern spielt zugleich alle Zeitzeugen. Dass sie schnell von einer Rolle in die andere springen kann, hat sie am Freien Werkstatt Theater in Köln bereits in verschiedenen Soloabenden gezeigt, etwa bei ihrer Sicht der Nibelungen-Saga, erzählt von Brünhild. In wenigen Augenblicken wird so mit ein wenig Make-up, Perücken und Kostümversatzteilen aus der Erzählerin eine in ihrer Ehre gekränkte Queen Elisabeth I., die ihren Liebhaber Orlando bei Flirtereien mit einer jungen Frau erwischt hat, eine abgelebte russische Prinzessin, der Orlando in ihrer Jugend verfallen war, ein ungestümter, ungehobelter und versoffener Dichter oder Orlandos ältlich-schüchterne Haushälterin. Das ist virtuos und überaus komisch.

Kongenial und ausgesprochen witzig ist auch das Bühnenbild, eine Faltkonstruktion wie eine Art überdimensionaler Paravent, allerdings aus Metall. Das dient zwei Zwecken: zum einen zur schnellen Etablierung von Schauplätzen, zum anderen kann Frau Kratz sich dahinter in eine andere Figur verwandeln. An der Metallkonstruktion lassen sich Klappen öffnen, die ein Fenster markieren oder die Silhouette von London offenbaren. Wenn Orlando als Botschafter in die Türkei geht, erscheinen Metallmond und Metallminarett über dem Paravent, ist von einem wunderschönen Sternenhimmel die Rede, blinken die Lichtlein im Bühnenbild.

ORLANDO am FWT Köln ist ein kurzweiliger Abend, der ernste Themen aufgreift (beispielsweise die Rolle der Frau in den verschiedenen Jahrhunderten), aber zugleich sehr humorvoll und liebevoll die fantastische Geschichte des elisabethanischen Edelmannes erzählt, der 350 Jahre lebt und die englische Geschichte zuerst als Mann, dann als Frau durchstreift.


Barbara Katz ist ORLANDO am FWT Köln - Foto: © MEYER ORIGINALS


Karoline Bendig - red. 22. Oktober 2011
ID 00000005445
ORLANDO (Freies Werkstatt Theater Köln, 21.10.2011)
Mit Barbara Kratz
Regie: Diana Anders
Ausstattung: Barbara Kratz und Diana Anders
Kostümanfertigung: Christiane von Gizycki/Hedi Kratz
Maske: Heidemarie Furmanek
Bühnenbauten: Franz Joseph Völlmecke
Uraufführung war am 21. Oktober 2011
Weitere Termine: 22., 23., 26., 28. 10. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.fwt-koeln.de


Post an die Rezensentin Karoline Bendig



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