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Berliner Erstaufführung


24. Februar 2013, Premiere an der Komischen Oper Berlin

MAZEPPA

Oper von Tschaikowski / Libretto vom Komponisten nach Wiktor P. Burenin nach dem Poem POLTOWA Aleksandr S. Puschkin


Mazeppa von Tschaikowski als Berliner Erstaufführung an der Komischen Oper - Foto (C) Monika Rittershaus



Tschaikowskis Männer-Oper über den Mazeppa sollte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Repertoire-Muss an den Opernhäusern sein - sie zeigt uns, wie die Welt (der Männer) heute äußerlich wie innerlich beschaffen ist

Warum gab es erst jetzt die Erstaufführung des Mazeppa von Tschaikowski (5 Jahre nach dem Onegin / 7 Jahre vor Pique Dame vollendet) in Berlin? Nicht nachvollziehbar!

Es gibt hierin einen ganz banal-privaten und einen ganz aufgeblasenen gesellschaftlichen Plot:

Plot 1: Maria Kotschubeja, Tochter eines reichen Gutsherrn in der Ukraine, ist mit einem veritablen Vater-Komplex, der sich justament auf einen zufällig im Gutshof aufschlagenden "prominenten" Gast, den ukrainischen Kosakenanführer Mazeppa, zielrichtet, geschlagen; sie steht also unbedingt auf alte Männer, ja und unbedingt soll es jetzt der Mazeppa sein, welchem sie hoffnungslos verfallen ist. / Dieses gefällt dann der Familie überhaupt nicht; und das fadenscheinige Hauptargument der Sippe ist, dass der Mazeppa (als in Frage stehender Befruchter von Maria) viel zu alt für diese Rolle wäre - dennoch wird und wurde das Maria-Kind von dem Mazeppa-Übervater letzten Endes schwanger und/oder verliert die Frucht...

Plot 2: Weil jene ukrainische Gutsherren-Sippe ihr bis da so goldkäfig-behütetes Gutsherren-Lieblingskind nicht freiwillig diesem Mazeppa - der sie freilich auch dann liebt (oder vielmehr: begehrt) - veräußern will, kommt es zum offnen Kampf - - Mazeppa soll zunächst durch eine Gutsherren-Intrige überlistet werden, dass er dann von ganz alleine von Maria ablässt; als sich allerdings der Spieß dann rumdreht und die Gutsherren-Gemeindemitglieder den Kürzer'n ziehen, nimmt die in der Maskulinhistorie übliche Gewaltspirale ihren wüsten Lauf: Marias Vater wird enthauptet, und Mazeppa muss letztendlich (als die Schlachten-Läufe wiederum dann "kippen") selber fliehen. Die Zurückgebliebene singt mitten in den Trümmern eine Art von Wiegenlied für Einen, den es schließlich nicht mehr gibt; Maria knallte zwischenzeitlich halt dann völlig durch....


* * *


Der Dirigent Henrik Nánási und der Regisseur Ivo van Hove haben sich der unglaublichen Oper von Tschaikowski musikalisch/szenisch angenommen. Und sie haben ihre Arbeit für- und zueinander akkurat-pennibel abgestimmt. Denn musikalisch als wie szenisch schwankt das durchweg kulminante Unternehmen zwischen einem "ausdifferenzierten" um nicht gar zu sagen "ausgebremsten" Rangehen sowie der zügellosen Offenbarungs-Orgie (= absichtliche Übertreibung) insgesamt:

Es sind vorzügliche Protagonisten für das Werk gewonnen worden - Robert Hayward spielt und singt sich derart obsessiv in seine Rolle des Mazeppa ein, dass er an manchen Stellen regelrecht dann (stimmlich) überschnappt. Asmik Grigorian (als Maria) kommt als Hochdramatische herüber, doch die Stimme von ihr hört sich mehr und mehr dann lyrisch und zumeist "zurückgenommen" an. Der Kotschubej von Alexey Antonov muss als bassbaritonale überragende Konstante dieser Aufführung bejubelt werden. Agnes Zwierko (als Marias Mutter) schöpft in Tieflagen, die man so souverän und kräftig selten in der Art zu hören kriegt. Aber das absolute Faustpfand im Mazeppa ist der Chor der Komischen Oper Berlin! (Gänsehaut pur!!!)

Das was an Szene zwischen den Akteuren auf der Bühne scheinbar viel zu wenig ausgestaltet wirkt, treiben die Videobilder (in der Video-Schnittfolge Tal Yardens), die dann insbesondere bei den sinfonisch-ausschließlichen Opern-Zwischenspielen aufs Brachialste und Verstörendste zum Einsatz kommen, auf die Spitze; und so werden all die durch TV und Internet sattsam bekannten Kriegsberichterstattungsdokumente großformatig vorgeführt: Männer, die andern Männern Böses oder Schreckliches antun; Gewaltszenen mit Folter und der Lust am Foltern usw. usf.

Sehr harter Tobak, wie gesagt.

Haben's verstanden.




Robert Hayward (mit der Knarre in der Mitte) ist Mazeppa an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus


Andre Sokolowski - 25. Februar 2013
ID 6592
MAZEPPA (Komische Oper Berlin, 24.02.2013)
Musikalische Leitung: Henrik Nánási
Inszenierung: Ivo van Hove
Bühnenbild & Licht: Jan Versweyveld
Kostüme: Wojciech Dziedzic
Dramaturgie: Janine Brogt und Johanna Wall
Chöre: David Cavelius
Video: Tal Yarden
Besetzung:
Mazeppa, Hauptmann der ukrainischen Kosaken ... Robert Hayward
Kotschubej, ein reicher Gutsherr ... Alexey Antonov
Ljubow, Kotschubejs Frau ... Agnes Zwierko
Maria, Kotschubejs Tochter ... Asmik Grigorian
Andrej, Marias Jugendfreund ... Aleš Briscein
Orlik, Vertrauter und Geheimagent Mazeppas ... Philipp Meierhöfer
Iskra, Oberster von Poltawa und Kotschubejs Freund ... Christoph Späth
Ein betrunkener Kosak ... Máté Gál
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 24. Februar 2013
Weitere Termine: 2., 8., 17., 30. 3. 2013


Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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