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23. März 2011, Premiere an der Oper Köln

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Inszenierung: Katharina Thalbach


AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY an der Oper Köln - Foto (C) Paul Leclaire


Nichts los in Mahagonny

Jim Mahoney möchte irgendwann im Laufe des Abends fort aus der verheißungsvollen Stadt Mahagonny und zurück nach Alaska, wo er bisher hart geschuftet hat. Und irgendwie klingt es in diesem Moment ganz verlockend, woanders zu sein, denn in Mahagonny, in der Kölner Oper in Szene gesetzt von Katharina Thalbach (Regie), Momme Röhrbein (Bühne) und Angelika Rieck (Kostüme), ist es ganz fürchterlich langweilig. Selbst der Hurrikan, der die Stadt bedroht, ist nur ein laues Lüftchen. Dafür werden auf die etwas westernmäßig angestaubten Videoleinwände links und rechts der Bühne eifrig Bilder von Naturkatastrophen projiziert. Nicht sehr passend angesichts der Ereignisse in Japan.

Überhaupt die Projektionen. Was Frau Thalbach und ihrem Team auf der Bühne nicht gelingt, nämlich irgendeine Art von Spannung oder Relevanz zu erzeugen, will man durch die Projektionen wieder hereinholen. Und zeigt bei einem Abschnitt über das hemmungslose Fressen als eine der Freuden in Mahagonny ein Rind in einer Blutlache kurz vor der Schlachtung. Später dann gar Atompilze und Bomben werfende Flugzeuge bei gleichzeitiger Projektion von Parolen wie „Freiheit für die Reichen“ oder „Für den Fortbestand des goldenen Zeitalters“.

Das ist alles zu viel und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf der Bühne völlig unklar bleibt, worum es geht, welches Interesse die Figuren haben etc. Diese Unklarheit liegt sicherlich auch darin begründet, dass der Text im hinteren Parkett kaum noch zu verstehen ist, obwohl die Sänger gerne an der Rampe stehen und singen. Die Personenregie ist bieder und tendenziell aktionistisch. Ein Beispiel: Wenn Regina Richter als Jenny ihren großen Solosong singt, darf sie recht unmotiviert eine Mutter von ihrem Baby wegstoßen, dieses an ihre Brust drücken und es gleich wieder zur Seite legen. Aha.

Musikalisch gewinnt der Abend nach der Pause deutlich an Profil. Das liegt unter anderem an den Chorpassagen, denn der Chor der Kölner Oper ist hörbar gut disponiert (Chorleitung Andrew Ollivant). Überzeugend nach der Pause auch Matthias Klink (Jim Mahoney) und Regina Richter (Jenny) in ihren Solosongs. Klink blieb im ersten Teil sehr blass, was es sehr schwierig macht, sich für seine wichtige Figur des Jim Mahoney zu interessieren.

Alles in allem wird die Aufführung in den nächsten Wochen sicherlich musikalisch noch dazugewinnen, die Inszenierung jedenfalls ist leider einfach nur langweilig, ob Mahagonny nun ein Zeltlager in einer Endzeitlandschaft ist (wie im ersten Teil) oder ein Querschnitt durch einen Schiffsrumpf (wie im zweiten Teil). Da hilft nicht einmal gelegentliche Komik weiter (etwa durch die dramatisch fallenden Preise in Mahagonny, die mittels Rotstift über die Videoleinwände angezeigt werden). Schade um die verpassten Möglichkeiten.



AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY an der Oper Köln - Foto (C) Paul Leclaire


Karoline Bendig - red. 25. März 2011
ID 00000005120
AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONY (Oper Köln, 23.03.2011)
Musikalische Leitung: Lothar Koenigs
Inszenierung: Katharina Thalbach
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Angelika Rieck
Dramaturgie: Wenka von Mikulicz
Licht: Nicol Hungsberg
Choreografie: Danny Costello
Besetzung:
Leokadja Begbick ... Dalia Schaechter
Fatty, der „Prokurist“ ... Martin Koch
Dreieinigkeitsmoses ... Dennis Wilgenhof
Jenny ... Regina Richter
Jim Mahoney ... Matthias Klink
Jack O´Brien ... John Heuzenroeder
Bill ... Miljenko Turk
Joe ... Wolf Matthias Friedrich
Tobby Higgins ... Alexander Fedin
6 Mädchen ... Aikaterini Koufochristou & Carla Hussong & Mine Yücel & Delphine Guévar & Ruth Volpert & Caterina Maier
Das schwangere Mädchen ... Anne Simmering
Chor der Oper Köln
(Choreinstudierung: Andrew Ollivant)
Gürzenich-Orchester
Premiere war am 23. März 2011
Weitere Termine: 25., 27., 29., 31. 3. sowie 1., 3., 6., 8. 4. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.operkoeln.com


E-Mail an die Rezensentin: karoline.bendig@kultura-extra.de



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