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Besprechung

"Hänsel und Gretel" von Humperdinck - Wiederaufnahme am Nationaltheater Mannheim





Komm mit mir!

Kennen Sie den Song Abenteuerland von Pur? Ja, logisch, wer kennt den nicht? Also mich hat der kleine Junge (nämlich der in mir drin) auch an die Hand genommen. Gezogen hat er mich allerdings zur Wiederaufnahme von Hänsel und Gretel ins Nationaltheater Mannheim. Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren feierte diese Produktion Premiere. Stellen Sie sich das mal vor: Da gehen Eltern mit ihren Kindern in eine Vorstellung, die sie selbst zum ersten Mal gesehen haben, als sie noch Kind waren. Wenn das keine Reise wert ist…

Für Regisseur Wolfgang Blum war 1970 die Märchenwelt natürlich noch in Ordnung. Ein Mädchen hatte geflochtene Zöpfe und wusste sich singend und tanzend mit ihrem Bruder zu beschäftigen. Wohnen die Geschwister auch in einer ärmlichen Hütte im Wald: Bei solch einer Ausstattung (Herbert Stahl) fangen nicht nur Kinderaugen an zu leuchten. Katrin Wagner gibt ihr Debüt als Gretel, und sie benötigt ein paar Minuten, bis sich die stimmliche Nervosität legt. Dann aber hört man einen klaren, unaffektierten, warm timbrierten Sopran, der lediglich in der Höhe klitzekleine Mängel aufweist. Der Hänsel von Niina Keitel entzückt auf ganzer Linie. Was für ein gewandter, griffiger, unverbrauchter Mezzo.

Die Mutter kommt nach Haus und scheint keinen guten Tag hinter sich zu haben. Mal ehrlich: Die meckernde und jammernde Gertrud ist die undankbarste Rolle in dieser Oper, aber Heike Wessel singt und spielt tapfer dagegen an und zeigt, dass diese Partie ohne hässliche Keiftöne auskommt. Dagegen fliegen dem Vater sofort die Herzen zu: Jaco Venter hat nicht nur ein imposantes Organ, sondern auch ordentlich Spaß auf der Bühne.

Mit großer Freude agiert ebenfalls das Orchester des Nationaltheaters unter Alois Seidlmeier, was die Ohren etwa beim saftig-sonoren Hexenritt registrieren. Selbst wenn sich mal ein winziger Blechkiekser dazwischen mogelt: Der Klangkörper spielt ausdrucksstark und serviert spätromantische, köstliche Leckerbissen.

Das Sandmännchen (funkelnd: Katharina Göres) schwebt durch Nebelschwaden, nach dem Abendsegen steigen die 14 Englein herab, das Taumännchen (vibratolastig: Candace Zaiden) tropft vom Baum und dann tritt sie endlich auf: Rosine Leckermaul. In ihrem opulenten, roten Kostüm und den Federn auf dem Kopf sieht sie nicht unbedingt wie eine Knusperhexe aus. Eher wie ein alter Theatergaul oder eine ausrangierte Operndiva. Vielleicht hatte sie ihr Dasein als „Komische Alte“ in der Casa Verdi satt und ist in den Märchenwald geflogen. Für Benedikt Nawrath, auch Rollendebütant, steht das Tenorspiel vor dem Spieltenor, was heißen soll, dass wir es hier mit einer vortrefflich charakterisierten, textdeutlichen Hexe zu tun haben, die bei vereinzelten Stellen im Sprechgesang landet, selbst da, wo es Humperdinck eigentlich nicht vorsieht. Der von Anke-Christine Kober einstudierte Kinderchor ist bestens präpariert. Hier gibt es nun wirklich gar nichts zu mosern.

Fazit: Hier bieten Hänsel und Gretel einen wie aus dem Märchenbuch gefallenen, erfrischend unmodernen Theaterabend. Und so ist festzustellen, dass ein bisschen Kitsch eben doch sein darf. Gerade zu dieser kalten Jahreszeit…

Heiko Schon - red. 9. November 2010
ID 00000004917
Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Wolfgang Blum
Bühne und Kostüme: Herbert Stahl
Premiere war am 28. November 1970
Weitere Aufführungen: 4., 22. und 27. 12. 2010

Siehe auch:
http://www.nationaltheater-mannheim.de





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