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Feuilleton


27. November 2010, Uraufführung am Staatstheater Cottbus

FÜRST PÜCKLERS UTOPIA

Ein Stück von Christoph Klimke

Regie: Johann Kresnik

FÜRST PÜCKLERS UTOPIA am Staatstheater Cottbus - Foto (C) Marlies Kross


PÜCKLER als Bühnenskandal? Wie?? Wann??? Wo???? Warum?????


"Als Staatstheater-Intendant Martin Schüler und der Geschäftsführende Direktor der Brandenburgischen Kulturstiftung, René Serge Mund, vor dem Ausschuss für Bildung, Schule, Sport und Kultur erschienen, sah sich dessen Vorsitzender zu einer Klarstellung genötigt: Es handele sich um eine „Einladung“, nicht um eine „Vorladung“, betonte Wolfgang Neubert (parteilos). Er drücke damit die Auffassung des gesamten Gremiums aus." - So lesen wir es heute [28.11.2010] in der LAUSITZER RUNDSCHAU. [http://lr-online.de]

Gestern [27.11.2010] waren wir im Staatstheater Cottbus - und da waren wir noch nie.

Ein wunderschönes Haus, nettes Ambiente: außen sowie innen.

Nach der Vorstellung von FÜRST PÜCKLERS UTOPIA - und wir waren eigentlich nur da, weil wir von dem "vernichtenden" Skandal-Geschrei um diese allerliebste, um nicht gar zu sagen liebenswürdig-niedliche Theaterproduktion (Regiestar Johann Kresnik schuf das sehenswerte Chaos) in den Feuilletons und Funkkanälen eine Kunde kriegten und uns also selbst ein Bildchen übern Pseudostein des Anstoßes jetzt machen wollten - gab es einhelliges Freuen aller Anwesenden in dem ausverkauften Haus; rhythmischen Klatschen gar am Schluss - - und viele Viele, und vielleicht sogar die meisten der zu FÜRST PÜCKLERS UTOPIA exklusiv Erschienenen waren (natürlich!) außerordentlich erquickt, dass sie an diesem leichten Abend so viel Nacktes sahen; wer erfreute sich schon nicht an herzhaft-jungem Menschenfleisch - nicht nur den Greisen tropfte da der Zahn...

Also, du Cottbuser Kulturausschuss: Was willst du eigentlich, hä? Bist du wirklich so frigid - jetzt reißt euch aber mal zusammen, Mann & Frau!!




Es geht natürlich auch ums Pückler-Eis im Stückchen zu FÜRST PÜCKLERS UTOPIA am Staatstheater Cottbus - Foto (C) Marlies Kross

* * *


Vielleicht noch ein paar Worte zu dem (übersexuellen) Anliegen an sich:

Schriftsteller Christoph Klimke und Theatermacher Johann Kresnik (wie gesagt) hatten sich - auftragshalber - über den Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871), der so etwas wie eine lokale Größe in/um Cottbus ist (Stichworte: Park Bad Muskau oder/und Schloss Branitz), her gemacht; und dabei rausgekommen ist so eine Art von biographischer Revue über den Lebemann und Schürzenjäger... denn viel anders wird er uns hier nicht vermittelt; und das Beste (und Verständlichste) an Allem im Gesamtkontext ist dann das von dem Klimke höchstpersönlich beigefügte 16seitige Programmheftlein, in dem ganz kurz und übersichtlich über Leben/Wirken Pücklers informiert wird.

Alles andere dann: pure Unterhaltung, mehr wohl nicht...



PÜCKLERS UROPIA wird in Zeitzonen verhandelt, recht neben dem Trabi (unverkennbar) beispielsweise so was Ähnliches wie der Karl Marx... - Foto (C) Marlies Kross


Das Staatstheater Cottbus hat bei dieser Mega-Produktion aus dem Vollen geschöpft.

Roland Renner (als Fürst Pückler) hat am Anfang und am Ende von dem Lustspiel so ein kleines Äffchen auf der Schulter; das gefiel uns mit am besten!

Die für den historischen Pückler wichtigen Frauen - haben wir so in der mehr als dürftig zusammengestoppelten Handlung mitgekriegt - waren das sog. Schnuckelchen (entweder Sigrun Fischer oder Hanna Petkoff oder Marlen Ulonska), aber hauptsächlich jene von Pückler auf dem Sklavenmarkt günstig erstandene Machbuba (hieß die auch wirklich so?), gespielt von Eileen Osei...

Auch der hübsch aussehende Jan Hasenfuß gefiel uns; er war gleichsam 8mal (8 diverse Rollen) auf der Bühne.

Viel Statisterie.

Das Schlussbild (Ausstattung von Marion Eiselé) fanden wir schon bemerkenswert: Die schönen alten Bäume (in den Pückler-Parks) fallen in sich zusammen, und sie werden auch noch, apokalyptisch, mit tonnenweise herabregnendem Zivilisationsmüll zugeschissen. Na dann "Gute Nacht"!!


Andre Sokolowski - 28. November 2010
ID 00000004954
FÜRST PÜCKLERS UTOPIA. Ein Stück von Christoph Klimke (Staatstheater Cottbus, 27.11.2010)
Regie: Johann Kresnik
Buch und Dramaturgie: Christoph Klimke
Ausstattung: Marion Eisele
Komposition: James Reynolds
Musikalische Leitung: Marc Niemann
Besetzung:
Fürst Pückler ... Roland Renner
Lucie, Bettina, Dulcinea, Geliebte, Wilhelmine Reichard ... Sigrun Fischer
Lenormand, Mutter, Ada, Köchin ... Hanna Petkoff
Vincenza, Brundel, Konditorin, Ida, Helmine ... Marlen Ulonska
Leopold Schefer, Vater, Mehmed Ali, Don Quijote ... Berndt Stichler
Schäfer, Bernd, Transvestit, Geliebter, Napoleon, Goethe, Herwegh, Sancho Panza ... Jan Hasenfuß
Sopran ... Sarah Behrendt
Tenor ... Jens Klaus Wilde
Bühnenmusiker ... Bardo Henning
Machbuba ... Eileen Osei
Damen und Herren des Ballettensembles
Damen und Herren des Opernchores
Damen und Herren der Statisterie
Kammerorchester des Philharmonischen Orchesters Cottbus

Uraufführung / Premiere: 30. Oktober 2010
Weitere Vorstellungen: 21.12.2010 sowie 07./13./23.01.2011

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatstheater-cottbus.de


http://www.andre-sokolowski.de



 

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