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Feuilleton


29. September 2010, Premiere am Berliner Ensemble

FREEDOM AND DEMOCRACY I HATE YOU

11 Kurzstücke von Mark Ravenhill / Regie: Claus Peymann


(C) http://www.berliner-ensemble.de


Herrenmenschengeschwätz


Mark Ravenhill ist mit SHOPPEN UND FICKEN weltberühmt geworden. Das ist ein Stück über den Untergang der abendländischen Zivilisation. Nur wer es je gesehen hat, kann diesen Flaggsatz irgendwie oder vielleicht dann nachvollziehen; es gab eine legendäre Inszenierung dieses Textes am DT (Baracke) - Ostermeiers beste Arbeit aller Zeiten; er "entführte" sie zur Schaubühne, wo sie noch ein paar Jahre weiter schockte...

Peymann, der bislang noch keine für sich zwingende Beziehung zu den Stücktexten von Ravenhill bekam, entschloss sich jetzt und kurzerhand, SHOOT / GET TREASURE / REPEAT - ein vor ca. drei Jahren für das Edinburgh Festival gewerktes Dramolettprojekt, ursprünglich bestehend aus 17 Shortplays (sein Autor überträgt die autonome Hoheit über Anzahl sowie Auswahl der "zu machenden" Stücke an die Theater) - mit 11 Stücken dem BE zu überantworten:

Und das gelang ihm ziemlich gut!

Er lässt sie (die 11 Stücke), und auf dichterisches Zutun, unter dem sehr eindeutigen Titel FREEDOM AND DEMOCRACY I HATE YOU auf der Einheitsbühne von Johannes Schütz fast reigenmäßig, wie bei Schnitzler, nacheinander abspulen; fast immer, und nach jedem Schnitt, wird leitmotivisch greifbar, was bei mindestens dann einer von den handelnden Personen aus dem jeweiligen Vorstück in das Nachgeschehen übertragen worden ist und sozusagen aufhebbar (für Nachfolgendes) scheint; so eine Art von Wechselspiel Ursache/Wirkung oder so...

Die "Grundhandlung" sind die Irakkriege der Amerikaner und ihrer Alliierten. Der "Grundeinfall" ist, was man fälschlich auch als einen Kampf der Kulturen meint. Das "Grundgefühl" verkürzt sich (hier!!!) in elffach demonstrierter Abgeklärt-, Herzlosigkeit.

Signifikant und über Allem schwebend ist die große Angst. Die Furcht vor selbstmordattentäterischen "Dattelfressern", wie es stellenweise heißt.

Es gibt vielleicht drei, vier so richtig gut gemachte Texte dieses denkwürdigen Stückkonglomerats. Das sind dann die, wo auch der Zuschauer emotional dabei sein kann; der "Rest" ist gut geschriebenes Geschwätz über Befindlichkeiten irgendwelcher Mittelständler und den ganzen allbekannten Zivilisationskram in uns selbst und in uns drin.

Nur PARADISE LOST, VERBRECHEN UND STRAFE und DIE MUTTER fallen da vielleicht, und wie gesagt, etwas heraus: Beim Ersten weiß man nicht, ob man den Saal sofort verlassen soll; zwei Sadotypen hauen einer Wahnsinniggewordenen (Larissa Fuchs) mit einem Hammer ihre Beinknochen zu Brei... Beim Zweiten erschreit und erzwingt sich ein US-amerikanischer Kadett (Felix Tittel) die Liebe einer von ihm aufgegriffenen irakischen Gefangenen (Ursula Höpfner-Tabori); nachdem er sie nicht freiwilliger Weise kriegt, tötet er sie "natürlich" im Affekt... Beim Letzten wird der Mutter eines im Irak gefallenen GI's (Swetlana Schönfeld) dessen Tod durch zwei Gesandte von der Truppe mitgeteilt, und vor der Glotze bricht sie dann, die Fernbedienung haltend, ganz und gar in sich zusammen...

KRIEG UND FRIEDEN brachte Alles noch einmal, und als Metapher, auf den Punkt: Ein kopfloser Soldat (Veit Schubert) steigt dem Kindchen Alex (Anna Graenzer) alptraumhaft, wie bei den Märchen der Gebrüder Grimm, durch das Gemüt. Die Statue stapft, stampft gespenstisch. Dieses Abendland ist brüchig.






Szene aus dem ersten der 11 Kurzstücke Mark Ravenhills (DIE TROERINNEN) unter der Regie Claus Peymanns am BE - Foto (C) Monika Rittershaus




Andre Sokolowski - 30. September 2010
ID 4851
FREEDOM AND DEMOCRACY I HATE YOU (Berliner Ensemble, 29.09.2010)
SHOOT / GET TREASURE / REPEAT von Mark Ravenhill
Inszenierung: Claus Peymann
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks, Johannes Schütz
Es spielen Larissa Fuchs, Anna Graenzer, Ursula Höpfner-Tabori, Friederike Kammer, Corinna Kirchhoff, Swetlana Schönfeld, Katharina Susewind, Christian Grashof, Boris Jacoby, Veit Schubert, Martin Seifert, Felix Tittel, Georgios Tsivanoglou, Harald Windisch und Thomas Wittmann

Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-ensemble.de


http://www.andre-sokolowski.de



 

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