Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Feuilleton


16. März 2012, Premiere im Bode Museum (Berlin)

FIGAROS HOCHZEIT

Inszeniert und dirigiert von Christoph Hagel


Christophe Villa als Cherubino in Figaros Hochzeit im Bode-Museum - Foto © Dirk Mathesius


Cherubino endlich mal als Mann!

Seit über einem Dutzend Jahren sehen wir den Tausendsassa Christoph Hagel aufsehenerregende Crossover-Produktionen dirigieren: Don Giovanni im E-Werk, Die Entführung aus dem Serail in Synagoge, Gedächtniskirche und muslemischem Gemeindezentrum, Die Zauberflöte in der U-Bahn usf. In letzter Zeit befleißigte er sich zudem noch mit den Inszenierungen von seinen Hypes: Titus im Bode, Haydns Schöpfung im Berliner Dom. Und meistens macht er das mit dem schon lange von dem Land Berlin aus Geldnöten "entfördert" wordenen Orchester der Berliner Symphoniker, das sich inzwischen "selbstständig" gemacht hat und auf wachsender Erfolgswelle zu surfen scheint. Diese Events sind mittlerweile so berüchtigt und begehrt, dass in- und ausländische Gastspiele mit ihnen abgehalten werden können; ja und sicher rechnen sie sich auch - Ende des Jahres ist mit Flying Bach, dem wohl erfolgreichsten der Unterfangen dieser Art, gar eine Welttournee geplant...

Nun hat uns Hagel seinen Mozart-Zyklus um den Figaro bereichert - und der läuft jetzt bis zum Mai im Bode, wo auch schon der Titus unlängst zu erleben war.

Die Liste der Gesangssolisten speist sich gottlob aus noch ziemlich jungem und vor allem unverbrauchtem Personal; auch ein paar Namen, die wir schon bei früherer Gegelegenheit zu lesen meinten, sind darunter: Bernhard Hansky (Figaro), Christophe Villa (Cherubino), Cristiane Roncaglio (Susanna) oder Joseph Schnurr (Basilio).

Die Kanadierin Alexis Barthelemy hinterlässt als Gräfin einen imposanten Eindruck; außer dass sie stil- und höhensicher ist, verleiht sie dieser Rolle durch den unterkühlten Liebreiz ihrer selbst einen besonders aufreizenden Touch. Ihr männliches Pendant verkörpert Bariton Tobias Oliver Hagge; er singt leidenschaftlich gut und laut.

Und wieder lässt - wie schon im Titus - Christoph Hagel seine Darsteller auf einem großdimensionalen Laufsteg hin und her, manchmal mit Marabu-, manchmal mit Murmeltierbewegungen agieren, mehr als ein paar Kleinmöbel und Requisiten braucht es dazu nicht. Sie stecken in historischen und heutigen Kostümen, die ihnen das Trio Marie Gerstenberger, Malena Modeer und Carola Schulz kreierte oder schneiderte.

Es gibt erheiternde als wie berückende Momente dieser Inszenierung. Die Entkleidung des vom Countertenor Villa süß und forsch gespielten und gesung'nen Cherubino (endlich mal als Mann!) durch Gräfin & Susanna zählen scherlich dazu - aber auch die bestaunenswerten Videoprojektionen zum Finale (das in herkömmlichen Opernhäusern - meistens im Stockdunkeln absolviert - verstärkten Anlass zu betrachtender Betrübnis liefert) bieten Grund zur allgemeinsten Freude für das Auge; Tina Zimmermann und Uwe Lockner sorgten sich um dieses visuelle Wohlbefinden.

Die Beurteilung der musikalischen Verlautbarungen in der Gänze macht an dieser Stelle keinen Sinn - allein der in dem Bode-Bau durchecholoteten Akustik wegen. Dass dann meistens Sänger/Dirigent Rücken an Rücken "aufgestellt" gewesen sind, erschwert natürlich nicht allein das optische Zusammenhaltsgefühl; man hört dann selbstverständlich alle Koordinationsprobleme überhaupt nicht unbrutal heraus...

Dennoch: Ein schönes und auf gute Laune ausgerichtetes Crossover!

Und der gute Hagel lässt uns wieder einmal ehrlich-offenherzig Ohrenzeuge seiner Bauchmusiken sein.




Historische Tanzbewegungen im Berliner Bode Museum: Figaros Hochzeit in der Inszenierung Christoph Hagels - Foto (C) Dirk Mathesius


Andre Sokolowski - 17. März 2012
ID 00000005810
FIGAROS HOCHZEIT (Bode Museum, 16.03.2012)
Musikalische Leitung und Inszenierung: Christoph Hagel
Kostüme: Marie Gerstenberger, Malena Modeer und Carola Schulz
Bewegungschoreografie: Oliver Pollak
Historische Tänze: Ingo S. Günther
Projektionen: Tina Zimmermann
Technische Leitung / Licht: Uwe Lockner
Besetzung:
Graf Almaviva ... Tobias Oliver Hagge
Gräfin Almaviva ... Alexis Barthelemy
Figaro ... Bernhard Hansky
Susanna ... Cristiane Roncaglio
Cherubino ... Christophe Villa
Marcellina ... Tersia Potgieter
Bartolo ... Florian Hille
Basilio ... Joseph Schnurr
Barbarina ... Sarah Behrendt
Berliner Symphoniker
Premiere war am 16. März 2012
Weitere Termine: bis 27. 5. 2012 (s. HP)


Weitere Infos siehe auch: http://www.figaro-im-bode.de/


Auch auf starkritiker.jimdo.com !



  Anzeigen:











THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ARCHIV
Bühne

CASTORFOPERN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal



Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de