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Rezension


Uraufführungs-Nachlese v. 28. Februar 2011 / Horizont Theater Köln

EIN ZULU IN KÖLN (UA)

von Aziz Weineck


Xolani Mdluli in EIN ZULU IN KÖLN - Foto (C) Wolfgang Weimer


Einmal Köln und zurück

„Jabulani“, das heißt Glücklichsein auf Zulu. Dass ihm dieses in Deutschland nicht beschieden sein soll, weiß Sphiwe Gwala spätestens, seit er in Köln in Abschiebehaft sitzt und die allzu dünnen Wände anstarrt. Xolani Mdluli spielt in Aziz Weinecks Stücks EIN ZULU IN KÖLN, das am 28.02. im Horizont Theater Premiere hatte, jenen jungen Südafrikaner, dessen Hoffnung auf ein besseres Leben viel zu früh zu Grabe getragen wird. Keine Freunde, kein Job, der Pass unauffindbar - als die Abschiebung droht, bekommt Herr Gwala Besuch in Gestalt von und Karen, einem Anwalt und einer Aktivistin, ebenso übereifrig wie hartgesotten (der eine) und befangen (die andere). Jürgen Clemens inszeniert mit Klarsicht ein Eindringen in die Privatsphäre eines Fremden, das beinahe Fremdscham hervorruft und sich in Variationen wie ein roter Faden durch das Stück zieht. Erst als sich so etwas wie Freundschaft zwischen den Beteiligten anbahnt, verliert sich das Unbehagen.

Beschönigt wird nichts. Clemens überträgt die politisch brisante Thematik des Stücks in ein beklemmend lebensechtes Setting. Doch im Stück gewinnen weder Willkür noch düsterer Pessimismus die Oberhand – vielmehr sind es Neugier und der gute Wille, die das so ungleiche Trio zusammenschweißen.

Herr Gwalas leuchtend orangener Pullover scheint zunächst das einzig Lebhafte in einer doch sehr tristen Umgebung zu sein. Doch unter der grauen Montur der Deutschen – der Vergleich mit den Grauen Herren aus MOMO drängt sich auf – spitzen ebenfalls bunte Shirts hervor: Der Zulu scheint also nicht der einzige „Farbige“ zu sein. Die Inneneinrichtung ist spartanisch: Mittig ein schwarzes Bett bzw. Sitzmöbel, nur ein jeweils unterschiedlich farbiges Kissen markiert den Ortswechsel. Der spröde Kommentar des Anwalts „Na, sieht ja hier schon gleich ganz anders aus!“ erscheint dabei richtiggehend zynisch.

Vorhersehbar ist das allzu plakative Gutmenschentum von Karen, die in dem Stück leider einen Deut zu viel weibliches Klischee erfüllen muss. Anne Schröder aber gibt eine Karen mit beispiellosem Pragmatismus und macht damit ihren Charakter einem Publikum sympathisch, das womöglich seinerseits den Überkorrekten gegenüber vorgefertigte Meinungen hat. Abbau von Vorurteilen kann also auch so herum funktionieren.

Dass das Mäandern durch den zähen Alltag der Bürokratie durchaus auch seine komischen, absurden Seiten hat, weiß Regisseur Clemens gekonnt herauszustreichen. Das Kopfkino der drei Figuren setzt sich vom realen Geschehen durch Abdunklung der Bühne und schwaches, mehrfarbiges Scheinwerferlicht ab. Ob in diesen lakonischen Episoden aber nun kriegerisch anmutende Stammestänze aufgeführt oder erotische Fantasien angedeutet werden – meist sind sie nur gewollt satirisch und aufschlussreich. Das Spiel mit Klischees bleibt eher kalauerig und uninspiriert; mit Ausnahme der ins Absurde ausufernden Fantasie-Quizeinlage gegen Ende des Stückes, in welcher sich ein sich völlig verausgabender Gideon (Sunga Weineck) an dem Fragenkatalog eines Integrationstest abarbeitet. Wer in Köln leben will, muss wissen, wie oft der FC Deutscher Meister wurde! Einen besseren Quizmaster hätte auch Jauch nicht geben können.

Der eigentliche Clou des Hin und Her zwischen tatsächlicher und imaginierter Handlung tritt jedoch erst in den mehrdeutigen Schlussszenen zutage, wenn sich Traum und Wirklichkeit scheinbar ineinander auflösen. Meint Jabulani also ein Happy End? Das engagierte Stück legt gleich mehrere Möglichkeiten nahe.

Sicher, bei einer derart ambitionierten Produktion muss versucht werden, Tiefgang und Komik auszubalancieren. Nur: Während die Tragik in Worten und Gesten eines überzeugend agierenden Mdluli sehr greifbar wird, wirkt der zu dick aufgetragene Humor und das Gemenschele eher wie ein linkisches Eigentor.

Trotz mancher Schwächen vermag die Inszenierung zu überraschen, auch weil es sich hier um Integration fernab von Sarrazins „Problemkindern“ dreht. Die künstlerische Leitung aber hat nicht zuletzt mit der Auswahl der gut gelaunten, unverbrauchten Darsteller eine glückliche Hand bewiesen.


Jaleh Ojan - red. 4. April 2011
ID 5134
EIN ZULU IN KÖLN (Horizont Theater Köln, 28.02.2011)
Regie: Jürgen Clemens
Dramaturgie: Jürgen Clemens und Ensemble
Mit: Sunga Weineck, Anne Schröder und Xolani Mdluli
Premiere war am 28. Februar 2011
Weitere Vorstellungen: 27. 4. und 2., 5. 5. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.horizont-theater.de


E-Mail an die Rezensentin: jaleh.ojan@kultura-extra.de



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