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Feuilleton

Karge Kost mit Aischylos' PERSER (Gastspiel des DT Berlin) am Erholungshaus Leverkusen





Bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit ist das Deutsche Theater Berlin im Erholungshaus Leverkusen (s. Foto) zu Gast. Nach HERZ DER FINSTERNIS dieses Mal mit der schon einige Jahre alten Inszenierung der PERSER von Dimiter Gotscheff.

Der Anfang ist vielversprechend: Da steht eine mehrere Meter breite und mehrere Meter hohe Wand in der Mitte der Bühne, mit der schmalen Seite zum Publikum gedreht. Zwei Männer im Anzug (Wolfram Koch & Samuel Finzi) verschieben diese Wand, zunächst ein bisschen und nur, um den anderen zu korrigieren, schlussendlich aber setzen sie alle Kräfte ein und stemmen sich gegen die Wand, die durch die Körperkraft der beiden ins Drehen kommt. Zwischen den beiden bricht ein stummer Kampf aus. Zwei Jungs, die Grenzen verschieben und dabei ins Extrem gehen, die zunächst übertrieben freundlich miteinander umgehen und dann verbissen. So, das ist die Conclusio, bringen sie viel Leid auf die Welt, wenn sie noch andere mit in den Streit um Grenzen hineinziehen.

Was dann kommt, ist DIE PERSER pur, das älteste überlieferte Theaterstück, das der Grieche Aischylos im 5. Jahrhundert vor Christus über die Niederlage der Perser bei Salamis geschrieben hat. Mit vier hervorragenden Darstellern (neben Finzi und Koch noch Almut Zilcher als Atossa, die Mutter des Perserkönigs Xerxes und Margit Bendokat als Chor) und in einer Übersetzung von Heiner Müller, die an vielen Stellen sehr poetisch ist, aber alles andere als leicht zugänglich.

Regisseur Dimiter Gotscheff bleibt konsequent in seiner Herangehensweise, die Schauspieler in einem sehr reduzierten Bühnenbild – das nur aus der oben erwähnten Wand besteht – die Texte sprechen zu lassen. Kleine Momente der Entspannung sind lediglich erlaubt, wenn Margit Bendokat eine Chorpassage mit dem Seufzer „nee nee“ abschließt oder Finzi und Koch als Boten auftreten, die von der Niederlage der Perser berichten. Wobei auch dieser Auftritt – eine sprachliche Höchstleistung der beiden, da sie den Text chorisch sprechen – höchste Konzentration erfordert.

Ein hartes Stück Brot sind diese PERSER, an dem man ordentlich zu kauen hat. Wahrlich keine leichte Kost, vielmehr ein intellektuelles Spiel, in dem so mancher die Momente zum Durchpusten, Entspannen, Lockerlassen vermissen mag. Und dennoch: Wenn Wolfram Koch als Erscheinung des früheren Perserkönigs Dareios seinen Sohn Xerxes und dessen Hochmut anklagt und Samuel Finzi als heimgekehrter und besiegter Perserkönig Xerxes nicht ein Wort der Entschuldigung oder der Reue findet, sondern nur über das Elend spricht, das ihm widerfahren ist, überbrücken Darsteller und Text mühelos die Zeitspanne zwischen der Entstehung des Stücks und heute.


Karoline Bendig - red. 3. April 2011
ID 00000005131
DIE PERSER (Erholungshaus Leverkusen, 27.03.2011)
Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Mark Lammert
Kostüme: Mark Lammert
Mit: Margit Bendokat (Chor), Almut Zilcher (Atossa), Samuel Finzi (Xerxes, Bote) und Wolfram Koch (Schatten des Dareios, Bote )



Siehe auch:
http://www.deutschestheater.de


http://www.kultur.bayer.de/de/erholungshaus.aspx



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