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Premierenkritik

"...waren uns

hold, ich und

das Gold"



Manuela Uhl als Danae in der gleichlautenden Strauss-Oper -Photo: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN


Völlig zu Recht fristet bis heute - und (wir hoffen es) auch weiterhin - DIE LIEBE DER DANAE von Richard Strauss ein kümmerliches Schattendasein. Und wenn man der aufschlussreichen Chronologie, die das Programmheft der Deutschen Oper Berlin jetzt zu ihrer jüngsten Produktion zusammenstellte, Glauben schenkt, hat diese vorletzte der Dutzend oder Dutzenden von Strauss-Opern zuletzt im Jahre 1952 in der deutschen Hauptstadt szenisch Fuß gefasst; nicht einmal Strauss-Experte Christian Thielemann, der immerhin paar Jahre hier am Hause war, konnte und wollte sich über Gebühr mit ihr befassen; nein!! DIE LIEBE DER DANAE ist ein merkwürdiges Mischding; ihr Libretto schuf ein Mann, der, ganz im Gegensatz zu Straussens Haus- und Lieblingslibrettist Hugo von Hofmannsthal (von dem der DANAE-Entwurf, wenigstens, stammte), wahrlich keine Ahnung und geschweige denn Talent zum Dichten hatte; dieser Text ist eine Katastrophe! Musikalisch lässt "sie" sich zudem nicht festmachen; ein bisschen ARABELLA, ein bisschen FRAU OHNE SCHATTEN, ein bisschen ARIADNE, ein bisschen Alpensinfonie etc. pp.

Strauss fertigte das Ding um 1940 rum; da hatte er schon mächtig Ärger mit den NSDAP-Bonzen, die ihm, als Beispiel nur, die offizielle Mitnennung von Stefan Zweig, der ja erklärter Maßen Jude war, auf dem Plakat zur Dresdner Uraufführung DIE SCHWEIGSAME FRAU nachträglich übel nahmen; Strauss hatte auch selbst Verwandte/Anverwandte jüdischer Abstammung, und die Gefahr für Leib und Seele dieser Menschen war und blieb akut - - auch hier, also zu diesem Thema, ist der Michael H. Kater-Beitrag (Strauss im Dritten Reich) aus dem Programmheft äußerst aufschlussreich und sehr, sehr lesenswert!

Man hält es eigentlich ja nicht für möglich, womit Strauss sich daher - und in dieser kreuzgefährlich-unmenschlichen Ära des faschistischen Regimes - in seinem Wolkenkuckucksheim bei Garmisch so beschäftigte: DIE LIEBE DER DANAE ist wohl auch ein Zeugnis inneren Verfalls und absolutem Leergelaufenseins des Komponisten; und sowohl beim Hören wie beim Lesen dieses schlimmen Schmarrns teilt sich das (also mir zum Wenigsten!!) erdrückend mit.


Mark Delavan als Jupiter versucht verzweifelt, seine alten Liebschaften (Semele, Europa, Alkmene, Leda) abzuwimmeln; sie bedrängen ihn zu nervig mit Erinnerungen an die guten alten Zeiten oder so... - Photo: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN


Noch-Intendantin Kirsten Harms hat jetzt DIE LIEBE DER DANAE - und nachdem sie "sie" bereits vor Jahren schon in Kiel mal zeigte - in der Deutschen Oper in der Bismarckstraße vorgestellt; und wieder hat sie "sie" - wie schon in Kiel - mit Manuela Uhl als Danae sehr konsequent und kongenial besetzt.

Sie lässt die ersten beiden Aufzüge in der enttapezierten Haupthalle einer Gemäldegalerie, so einem heruntergekommenen und von den Gläubigern jetzt peu à peu entkernten Ex-Besitztum König Pollux' (Burkhard Ulrich), spielen. Dort erwartet man, quasi in letzter Not, den göttlichsten der Goldscheißer mit Namen König Midas (Matthias Klink), dass er das schicksalhafte Blatt fürs König-Pollux-Volk dann wenden würde, also Gold nach Hülle und nach Fülle scheißt oder so ähnlich... Viel, viel, viel an mythologischen Verzwickungen; denn eigentlich wollte sich Jupiter (Mark Delavan) an Danae, die er ja früher schon einmal goldstaubartig begattet hatte, ran machen, ja und so will er selbst als Midas kommen, und er schickt jedoch den wahren Midas just als seinen Boten vor, ja und so weiter und so fort...

Die Harms (und inklusive ihrer beiden Ausstatter Damovsky / Katzer) lässt die saudoof-müde Story schlussfolgernd fürs Heute und im Heute spielen; und der Dritte Aufzug ist so auch das wie ein Kartenhaus in sich gekrachte (Gemäldegalerie-)Reich König Pollux', und ganz oben schwebt so ein Konzertflügel, der ganz am Anfang noch in der Gemäldegalerie, also ganz unten, aufgestellt gewesen war...

So weit, so gut.


Der Chor der Deutschen Oper Berlin hat wieder einmal voll zu tun; man hält es nich für möglich, dass die DANAE auch eine Choroper von Strauss ist... - Photo: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN


Andrew Litton leitet ein so wie eh und je vorzüglich (Strauss) spielendes Hausorchester.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin (Choreinstudierung: William Spaulding) wird seinem schon zur Routine gewordenen Jahres-Best-Ruf voll gerecht; und in der Tat - die Leute haben jede Menge, und sehr stimmgewaltig obendrein, zu tun.

Fürs Repertoire (= Strauss-Liste) scheint die Produktion, so als Ergänzung, ehrgeizig gelungen - - völlig unerklärlich bleibt selbstredend, warum Kirsten Harms für "sie" so enthusiastisch vom Charlottenburger Publikum umjubelt worden war; ich habe hierfür keinerlei Erklärung.

Andre Sokolowski - 24. Januar 2011
ID 5020
DIE LIEBE DER DANAE (Deutsche Oper Berlin, 23.01.2011)
Musikalische Leitung: ANDREW LITTON
Inszenierung: KIRSTEN HARMS
Bühne: BERND DAMOVSKY
Kostüme: DOROTHEA KATZER
Dramaturgie: ANDREAS K. W. MEYER
Licht: MANFRED VOSS
Chöre: WILLIAM SPAULDING
Besetzung:
Jupiter ... MARK DELAVAN
Merkur ... THOMAS BLONDELLE
Pollux ... BURKHARD ULRICH
Danae ... MANUELA UHL
Xanthe ... HULKAR SABIROVA
Midas ... MATTHIAS KLINK
Vier Könige ... PAUL KAUFMANN, CLEMENS BIEBER, NATHAN DE’SHON MYERS und HYUNG-WOOK LEE
Semele ... HILA FAHIMA
Europa ... MARTINA WELSCHENBACH
Alkmene ... JULIA BENZINGER
Leda ... KATARINA BRADIC
CHOR DER DEUTSCHEN OPER BERLIN
ORCHESTER DER DEUTSCHEN OPER BERLIN
Premiere war am 23. Januar 2011
Weitere Vorstellungen:
23., 27. 1. / 5., 13. 2. / 19. 3. / 7. 4. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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