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Premierenkritik

24. Juni 2011 - Staatsoper im Schiller Theater

CANDIDE



Candide in der Staatsoper im Schillertheater - Foto (C) Clärchen und Matthias Baus


Ambitioniertes Kunstgewerbe -

musikalisch wenigstens o. k.

Leonard Bernstein, den wir alle lieb(t)en, hatte einst die West Side Story komponiert. Die kriegt man nur noch hin und wieder in so erbgemeinschaftlich "erlaubten" (meistens schlechten) Produktionen durch gastierende Tournee-Theater (meistens aus den USA) serviert. Das ist ein tolles Musical, mit einer tollen Story; Romeo & Julia auf Amerikanisch... Dann hat Bernstein auch noch den Candide verkomponiert. Auch der ein tolles Musical, aber mit einer nicht so tollen Story; diese Story sprich der Plot erschließt sich nämlich einzig und allein durch Zwischen- und/oder Regietexte in diesem Script Hugh Wheeler's; und Candide ist sowieso nicht mehr als ein Stationen-Stück, d. h. dass über einen lebenslangen Zeitraum alle handelnden Personen so von Ort zu Ort herum oder herüber springen, und dazwischen singen sie halt irgendwelchen (sehr bewusst und mit sehr großem Witz gesetzten) Schwachsinn, und so ist und bleibt es also ganz am Schluss ein turbulentes und sehr lieb gemeintes "Schwachsinns-Stück" (s. Website Staatsoper, Candide, dann Handlung anklicken)...

Ja und das nervt dann schon - von dieser Handlung aus betrachtet - ungemein und ziemlich stark.

Und vorliegende Produktion zum Spielzeit-Ende (Inszenierung: Boussard / Bühnenbild: Lemaire / Kostüme: Lacroix) ist diesem allerliebsten Schwachsinn mickymouseverwinzigendst auf seinen Leim gegangen, hat ihn also ungebrochen und humorlosest bedient, und zwar mittels einer ambitionierten Kunstgewerbevorführung in Spiegelaffenart, als gelte es, bei der Biennale in Venedig durch erteilte Flüsterpropaganda, also nachgerade, irgendwann mal Fuß fassen zu wollen oder so; na ja...

Sinnlose Kunstpausen im Übrigen, um viel Bewegungen "in Kunst" auszuprobieren.

Nervt noch viel, viel mehr.

Und diese überflüssig vielen Scheißklamotten.

Nervig also ist und bleibt die übergroße Eitelkeit von Schöpfern und Geschöpfen!!!



Foto (C) Clärchen und Matthias Baus

Foto (C) Clärchen und Matthias Baus

Foto (C) Clärchen und Matthias Baus


Gesungen / musiziert wird grundsolide:

Capalbo (Candide) sollte am Haus demnächst ruhig auch mal mit 'ner schönen Mozartrolle augestattet werden, ja, das Zeug dazu ist bei ihm da.

Die Bengtsson zwitschert wie 'ne Zerbinetta.

Silja sowie Valentine sind in für sie typischen "Charakterrollen" zu erleben.

Und die Staatskapelle macht unter dem Dirigat von Marshall einen guten Dienst.

Weiter gibt's diesmal nichts zu sagen - oder doch:

Spielt mal zum Spielzeitschluss Lincke's FRAU LUNA (ging mir so den ganzen Abend durch den Kopf).


Andre Sokolowski - 25. Juni 2011
ID 5264
CANDIDE (Staatsoper im Schiller Theater, 24.06.11)
Musikalische Leitung: Wayne Marshall
Inszenierung: Vincent Boussard
Bühnenbild: Vincent Lemaire
Kostüme: Christian Lacroix
Licht: Guido Levi
Video: Isabel Robson
Chöre: Eberhard Friedrich
Choreographie: Helge Letonja
Dramaturgie: Katharina Winkler
Besetzung:
Candide ... Leonardo Capalbo
Pangloss | Martin | Señor II ... Graham F. Valentine
Maximilian | Inquisitor II | Judge II | Captain | (Maximilian as Jesuit) | Hermann Augustus ... Stephan Loges
Cunegonde ... Maria Bengtsson
Paquette ... Stephanie Atanasov
The Old Lady ... Anja Silja
Governor | Señor I | Vanderdendur | Sultan Achmet | Crook ... Stephan Rügamer
Inquisitor I | Judge I | Charles Edward ... Michael Smallwood
Inquisitor III | Judge III | Tsar Ivan ... Bernd Zettisch
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin
Premiere war am 24. Juni 2011
Weitere Termine: 26., 28., 30. 6. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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