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Besprechung


9. Januar 2013, Premiere im Ballhaus Ost

BRENNE! MEN DON’T PROTECT YOU ANYMORE

ANNE SCHNEIDER / GINA HENKEL


Das ist Gina Henkel im schwarzem Kleid mit weißem Krägelchen - Foto (C) Anna Bergemann


Verballhornte Johanna(s)

In der Deutschen Oper Berlin war unlängst die Reprise des von Christof Schlingensief für dieses Haus gigantomanisierten Braunfels'schen Musiktheaters Jeanne D'Arc - Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna zu bestaunen. Wenn man aus der vielstündigen Vorstellung entwich (wie wir das seiner Zeit bereits nach der Premiere taten), war man nicht viel klüger als vorher, weil nicht so recht begreifbar wurde, was dann eigentlich diese schon seit Jahrhunderten andauernde "Begeisterung" für dieses merkwürdige anglikanisch-katholische Fräulein lothring'schen Geblüts hätte gewesen sein können. Fakt bleibt immerhin, dass sie im sog. Hundertjährigen Krieg (zwischen 1337 und 1453) die Franzosen gegen die Engländer und die Burgunder führte... "Durch Verrat wurde sie von den Burgundern gefangen genommen und an die mit ihnen verbündeten Engländer verkauft. Ein Kirchenprozess sollte sie diskreditieren. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchons, der den Engländern nahestand, wurde sie wegen einiger Verstöße gegen die Gesetze der Kirche verurteilt und auf Befehl des Herzogs von Bedford auf dem Marktplatz von Rouen auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt." (Quelle: Wikipedia)

Schiller oder Brecht oder auch Braunfels (s. o.) arbeiteten sich an der nicht frei von etwas Gaga seienden französisch-einverleibten Nationalheldin bestimmend ab; zumeist waren und sind es wahre Werkbrocken, die die Erwähnten da zum Thema Heilige Johanna beisteuerten.

Dass es etwas kleiner und gemütlicher vonstatten gehen kann, wenn man sich "ihrem" Thema nähert, demonstrierte heute Abend Gina Henkel (als Jean d'Arc, Johanna oder Ingrid Bergmann [die Jean d'Arc oder Johanna irgendwann mal früher spielte oder so]) zusammen mit den beiden Musikern Stephan Zunhammer / Christian Wisch in einem neonausgeleuchteten Werkstatt- bzw. Proberaum des Ballhaus Ost im Ostberliner Prenzlberg. Sie bulldozerte über die Verheiligte mit mehr als einem Augenzwinkern - schrillster und markantester ihrer gebotnen Kurzauftritte war dann derart, dass sie einen Dialog zwischen Johanna und einem ihrer Verehrer spielte; Quintessenz in etwa die: 'Ich finde dich zwar ungeheuer heilig und erstaunenswert, doch eigentlich will ich dich bloß nur ficken' (er zu ihr) - - und dabei lachte sich die Henkel (als Verehrer) krumm und schief...

Was Anne Schneider ihrer Hauptakteurin allerdings an Text-Collage insgesamt dann vorschlug, hatte in gewissen Teilen ein zu leichtes Laienspielformat; und wenn die Henkel es nicht so mit Witz und Ironie und ihrer ganzen "komischen" Präsenz dem anwesenden Publikum gegeigt und auch gegeben hätte - schwerlich auszumachen, ob der kurzweilige Abend wirklich dann so kurzweilig gewesen wäre.

Gina Henkel - schon ihres erstaunlichen Gesichtes wegen - sollte für noch Größeres geworben oder angeworben werden; dieser Typ taugt für die Bühne UND den Film!!



Das ist Gina Henkel mit Jeanne d'Arc-Helm - Foto (C) Anna Bergemann


a. so. - 9. Januar 2013
ID 00000006472
BRENNE! MEN DON’T PROTECT YOU ANYMORE (Ballhaus Ost, 09.01.2013)
Mit Gina Henkel
Regie: Anne Schneider
Bühne und Kostüm: Anna Bergemann
Musik: Stephan Zunhammer und Christian Wisch
Eine Produktion von Anne Schneider und Gina Henkel in Kooperation mit dem Ballhaus Ost
Premiere war am 9. Januar 2013
Weitere Termine: 11. / 17. / 19. / 20. 1. 2013


Weitere Infos siehe auch: http://www.ballhausost.de


http://www.andre-sokolowski.de



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