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Premierenkritik

7. März 2014 - Theater im Bauturm, Köln

GEHEN

von Thomas Bernhard / für die Bühne bearbeitet von Rüdiger Pape


Bildquelle (C) https://www.facebook.com/TheaterBauturm


Von der Faszination des Denkens beim Gehen

Gehen und Denken hängen enger zusammen, als man gemeinhin denkt. Davon sind zumindest Oehler und der Erzähler überzeugt, zwei merkwürdige Figuren aus Thomas Bernhards Erzählung Gehen, die Regisseur Rüdiger Pape am Kölner Theater im Bauturm für die Bühne adaptiert hat. Allerdings befördern sich Gehen und Denken nicht unbedingt gegenseitig – das hält Oehler aber nicht davon ab, sich bei einem gemeinsamen Gang mit dem Erzähler nahezu monologisch über Gott und die Welt zu äußern. Dabei kreisen die Bernhard'schen Sprach- und Gedankenbandwürmer vor allem um eine weitere Figur namens Karrer, die verrückt geworden ist. Und das im Beisein von Oehler in einem Hosenladen, in dem er über schüttere Stellen in Hosen, die ihm gezeigt werden, verzweifelt.

Für die Skurrilität der Erzählung von Thomas Bernhard haben Regisseur Pape und sein Team eine schöne Ausdrucksform gefunden: Die Bühne ist von einer ovalen, grauen und mehr als mannshohen Konstruktion, die den bespielbaren Bereich verkleinert, eingefasst. In ihr läuft Lisa Sophie Kusz als Erzähler streng ihre Runden, während Regina Welz als Oehler in der Mitte auf einem Stuhl sitzt. Die beiden sind irgendwie aus der Zeit gefallen, wirken eher wie Clowns als wie Denker: Kusz trägt eine beeindruckende Haartolle auf dem Kopf, Welz’ Haare stehen zu allen Seiten ab und ihr ist eine beeindruckende Augenbraue geschminkt. Kusz schreitet streng choreografiert ihre Runden ab, verrenkt sich bei dem Versuch, auf den Boden zu kommen. Welz imitiert Gehbewegungen im Sitzen, schiebt die Schultern energisch nach vorne und setzt die Füße bestimmt auf. Das ist alles sehr formal, entfaltet im Zusammenspiel mit den Texttiraden von Thomas Bernhard aber eine schöne Bühnenwirkung, der man als Zuschauer immer wieder gerne zusieht.

Aber nicht nur die Verrücktheit von Oehlers früherem Weggefährten Karrer ist Thema der Unterhaltung, die hauptsächlich von Oehler bestritten wird. Und an manchen Stellen wird es richtig scharf: Oehler stößt Tiraden gegen Kinder aus, dann übt er scharfe Kritik am österreichischen Staat, in dem die besten Köpfe gezwungen sind, Selbstmord zu begehen, oder verrückt zu werden. Durch minimale Mimik macht Kusz als Erzähler dabei deutlich, dass sie an der einen oder anderen Stelle nicht zustimmt. Überhaupt grenzen sich beide Figuren schon zu Beginn deutlich voneinander ab: Es herrscht Uneinigkeit darüber, welche Handschuhe und welche Art von Hut man zum Gehen tragen soll. Von beiden Figuren verkörpert Kusz diejenige, die noch lernen muss, nicht so selbstsicher im vermeintlichen Leben steht wie Oehler. Dieser dagegen vertritt in der Darstellung von Regina Welz unbeirrt seine Meinung, schreitet stürmisch voran, auch wenn die Darstellerin sitzt.

Gehen ist kein Spaziergang, weder bei Bernhard noch bei Pape. Der Abend lebt neben der konsequenten Inszenierung von Rüdiger Pape und der liebevollen Ausstattung vor allem von seinen beiden exzellenten Darstellerinnen. So gab es nach anderthalb Stunden begeisterten Beifall, den sich Kusz und Welz redlich verdient haben.




Bildquelle (C) https://www.facebook.com/TheaterBauturm



Bewertung:    

Karoline Bendig - 9. März 2014
ID 7660
GEHEN (Theater im Bauturm, 07.03.2014)
Inszenierung: Rüdiger Pape
Bühne: Flavia Schwedler
Kostüme: Regina Rösing
Musik: Achim Fink
Mit: Regina Welz und Lisa Sophie Kusz
Premiere war am 7. März 2014
Weitere Termine: 13. + 26. 3. 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.theaterimbauturm.de


Post an Karoline Bendig



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