6. September 2007, Uraufführung an der Deutschen Staatsoper Berlin
PHAEDRA
Konzertoper in zwei Teilen Text von Christian Lehnert Musik von Hans Werner Henze
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Hans Werner Henze hat bei Wagenbach ein Werkbuch zu PHAEDRA – uraufgeführt am 6. September 2007 an der Deutschen Staatsoper Berlin - herausgebracht. Es ist in der schönen roten Salto-Reihe erschienen und kostet 13,90 EURO, ISBN 9783803112477
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Hippolyt verschmäht die große Liebe (Phaedra), übersteht den Rachetod als Waldgott - nützt ihm aber auch nix, weil: Er weiß von da ab nicht mehr, wer er war und ist und wird ...
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So gings halt früher zu: Zur Strafe, weil Herr A Frau B nicht liebte wie sie ihn dann umgekehrt (Frau B Herrn A) geliebt hatte, wurde von gottgöttlicher Seite aus so eine Art von Strafgericht veranstaltet, ein donnerlichtes einprägsames Mordsexempel. Freilich "angerufner" Maßen. Denn die Götter mischten sich sehr unlustig in Menschen- oder Halbmenschangelegenheiten. Und so kam’s wie folglich, Gott Poseidon lässt den Minotauros wiedeauferstehen, und als den die Pferde des Herrn A erwittern, scheuen sie im allerhöchstmöglichen Schreckensgrad, auf dass der Reiter stürzt und schleift und sich’s Genicke bricht. Ab in den Orkus ...
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Zwei zum Verwechseln aussehende Damen drangsalierten den in Liebesdingen völlig unwilligen Hippolyt in Henzes PHAEDRA, hier im Bild Maria Riccarda Wesseling (als Phaedra) und Marlis Petersen (als Aphrodite) - Foto (C) Ruth Walz
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Christian Lehnert dichtet für Hans Werner Henze eine neuartige und sehr wortblumige Adaption des alten PHAEDRA-Stoffes. Und besonders daran ist, dass Hippolyt (der Liebe-Nichtertrager) außer von der Phaedra, seiner ihm verfallnen Stiefmutter, hinzu dann noch von Aphrodite, die man ja im Allgemeinen als die Liebesgöttin schlechterdings im Hinterstübchen hat, "geliebt", um nicht zu sagen penetriert wird. Kann nicht gut gehen - nein nein, in diesem ein-, will sagen zweiseitigen Aufprallakt gewiss dann nicht!! / Nachdem der Arme, viele Jahre später, aus dem Totenreich nach Nemi, einer allerliebsten Haingegend Italiens, rückberufen worden war, und dies erfolgte sehr modern und fast wie eine Frankensteinische Zusammenstückelung, ist freilich alles plötzlich furchtbar anders. Denn der liebesuntollige Held kann sich an nichts und keinen mehr erinnern; und da sollte auch nicht täuschen, dass er die als Vögelchen zurückmetamorphierte Phaedra, einer bösen Laune nur gehorchend, diesmal "richtig" vögelt ... so war’s jedenfalls bei Peter Mussbachs öden Inszenierung dann zu sehen.
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So stellte sich der Raumkünstler Olafur Eliasson die Zusammenstückelung des Hippolyt in Henzes PHAEDRA vor, durch spielerische Spiegeleien hübsch ins Bild gesetzt - Foto (C) Ruth Walz
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Also: Henze's PHAEDRA wurde an der Deutschen Staatsoper Berlin uraufgeführt - - nach der LEONCE UND LENA von Paul Dessau (28 Jahre her) vielleicht die wohl bedeutendste der Uraufführungen an diesem Haus seither. Ein Staatsereignis, auch. Ja! Henze huldigt mittels generösem Winken sowie einer Hand-aufs-Herz-Pose dem für ihn sichtlich unbegreiflich vorkommenden Seh- und Hörvolk "unter ihm" (unter der kleinen Königsloge), das ihm so vorm eigentlichen Spielbeginn standing-ovations-aufgelegt das schönste Vorschusslorbeerkränzchen darreicht; man war längst durch eine indiskrete Presse über Henze's schwere Krankheit, den Verlust des langjährigen Freundes und die Folgekrise informiert gewesen, allgemeinste Menschenrührung machte sich daher jetzt breit.
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Es ist ein zeitloses und diesseitiges Stück. Zweiteilig. Und dem zweiten Teil merkt man dann schon das anderweitig Bruchartige im Vergleich zum ersten an; und zwischen beiden sollte dem Vernehmen nach über 1 Jahr gelegen haben.
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Als "Konzertoper" ist Henze's Opus von ihm selber angezeigt. Das will und kann nichts anderes besagen, als dass seinem Schöpfer weniger denn eine Vollversion des Optisch-Szenischen als vielmehr eine des "rein" Musikalisch-Interpretatorischen vorschwebte - Simon Rattle oder Ingo Metzmacher, zum Beispiel, könnten PHAEDRA baldigst im Scharoun-Bau ausprobieren ... auch dass man sich dann von all den fürchterlichen Überflüssigkeiten quer durch die "Gewerke" (Raum: Eliasson / Kleidung: Skodzig / Lichtgestaltung: Freese), die dem schüchtern-leisen Alterswerk an diesem Abend sehr zuungut kamen, nachträglich hinwegerinnern kann.
Exorbitantes Singen, Musizieren!! (Alle Namen s. u.)
Henze's PHAEDRA bleibt.
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Andre Sokolowski - red / 8. September 2007 ID 3426
www.andre-sokolowski.de
PHAEDRA
Konzertoper in zwei Akten
Text von Christian Lehnert
Musik von Hans Werner Henze
Musikalische Leitung: Michael Boder
Inszenierung: Peter Mussbach
Raum: Olafur Eliasson
Kostüme: Bernd Skodzig
Licht: Olaf Freese
Besetzung: Maria Riccarda Wesseling (Phaedra), Marlis Petersen (Aphrodite), John Mark Ainsley (Hippolyt), Axel Köhler (Artemis) und Lauri Vasar (Minotauros)
Ensemble Modern
Kompositionsauftrag und Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden, des Théâtre Royal de la Monnaie Bruxelles, der Wiener Festwochen, der Alten Oper Frankfurt und der Berliner Festspiele (musikfest berlin 07)
Uraufführung an der Deutschen Staatsoper Berlin am 6. September 2007
Nächste Vorstellungen: 08. | 09. | 10. September 2007
Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de
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