INVASOR (Garn Theater Berlin), 17. Mai 2006,
Paul M Waschkau seziert Antonin Artaud
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Antonin Artaud (1896-1948)
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Inflationäres Aus-sich-raus-Ergehen
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Mindestens neun Leute wollen diesen Abend Paul M Waschkau's Lesung zum 110. Jubiläum Antonin Artaud's erleben. Alle sitzen oder stehen sie, ganz brav so was wie 'ne Erwartungshaltung unaufdringlich voreinander demonstrierend, in dem einen Kellerteil - welcher durch seine handwerksmalerische Ausgestaltung fast wie eine Art Gewölbe runterwirkt - , während im anderen, getrennt durch einen schwarzen Vorhang, zwischenzeitlich lautlos Vorbereitendes geschieht... Soeben war ein hoch geschossner, schlachsig durch die Eisentür von draußen eintretender und so nett wie milde zu den Wartenden herbeilächelnder Paul M (Marke guter großer Junge, völlig unbestimmbar was sein scheinhaft jugendliches Alter anbelangte) aufgefallen, hatte sich sofort hinter den schwarzen Vorhang abverdünnisiert, und ziemlich lange war von jenem nichts, aber auch gar nichts in dem Nebenkeller zu vernehmen; und der Vorhang tut sich öffnen, und die Neun - es kamen dann noch drei Verspäter - nehmen auf den Holzklappstühlen Platz.
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PAUL M WASCHKAU, Dichter und schreibender Reiter mit starkem Hang zu dramatischen Texten (auch von Texten der Extremdichter Artaud, Rimbaud, Nietzsche) lebte längere Zeit in Paris, Buenos Aires, New York und bereiste mehrmonatig Patagonia, Chile, Uruguay, Peru sowie Mexiko und Belize. Residiert seit 1987 in Berlin
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Ist er ein Rezitierer? Deklamierer?? Vortragskünstler???
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| Eine akustische wie optisch diesen seinen Urton fortbegleitende Metamorphose seiner selbst wird für die Paul M Hörenden wie Sehenden zum unvergesslichen Erlebnis: Waschkau ist, ganz freilich, hier der eigentliche Dramenheld einer von ihm in loser Aneinanderreihung des "Zitatenschatzes" eines die Theaterzunft im Allgemeinen bis zum heutigen Erstaunen faszinierenden, wenn auch nicht immer und in jedem Falle bis zum letzten Weisheitsschlusse überzeugenden Theatertheoretikers und Dichters aufgezeigten Phänomenisierung dergestalt, dass progesellschaftliches Etablieren, nicht nur als Autor oder als Künstler, wortschwalliger Plattitüdenmumpiz sind... solange das System, in dem wir derzeit leben, nicht in grundlegender Weise anders oder besser wird. Zwischen der Staats- sowie vom Staat getragnen und geförderten Kultur und ihren durchgeschleppten resp. an den Rand gedrückten Liza Doolittles klaffen die Gräben. Reich und Arm, beschienen und beschattet, "groß" und "klein".
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| Ja! dieser Mann ist, nicht nur von der Stimme her, von einer fast schon sexuellen Ausstrahlung, die's fast unmöglich macht, sich geistig (körperlich) nach dieser artifiziellen Orgie simultanester Verlautbarung von ihm letztendlich wieder loszureißen.
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Andre Sokolowski - red / 18. Mai 2006 ID 2401
www.andre-sokolowski.de
Werke von Paul M Waschkau:
Einzelveröffentlichungen u.a.
- "Hyänenherz/Traum eines Kamikazefliegers" - Chaotenmonolog
Pathos Transport , ISSN 1433-4518, Berlin 2001 "archangelsk/träume aus titan" - romatisches fragment
ISBN 3-933149-18-5, Druckhaus Galrev, Berlin 1999
- "Das Fest der Schakale" - Hetz-Traum-Drama; Pathos Transport 3
ISSN 1433-4518, Berlin 1999
- "Geschoss in die Zeit" - spezielle Poesie - edition alaska
ISSN 1437-0506, Berlin 1999"
- "aus der Wüste" - poesie/texte - edition archangelsk/Zeitschrift
ISSN 0947-6997, Berlin 1996
CDs
- "Die Frage stellt sich" (Artaud/Texte/Sounds) - Berlin 2002
- "archangelsk/träume aus titan" (archangelsk/texte/sounds) - Berlin 2001
- "MorgenRöten" (Textvertonungen & Filmsounds) - Berlin 2000
Zeitschriftenprojekte / Mitherausgeber
- MINERVA - Zeitschrift für Notwehr und Philosophie, Berlin 1987 - 91
- Schafott Drammat - Magazin für Zeitverdichtung, Visisektion, Störfälle, Berlin 1991
- archangelk / Zeitschrift für Poesie und Visionen, Berlin / St. Petersburg 1994 - 98
Hörspiele / Kompositionen
- "Bei lebendigem Leibe" - München 1996
- "Maschinentode" - Berlin 1989
- "Die Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen" - Berlin 1989
Weitere Infos siehe auch: http://www.garn-theater.de
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