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Besprechung


Neuinszenierung an der Deutschen Staatsoper Berlin - 26. Dezember 2007

DON GIOVANNI von da Ponte/Mozart



Großes Staunen an der schwarzen Wand: Zerlina und Elvira und Matteo und Ottavio hätten allzu gern gewusst, was sie hier sollen! Szene aus dem neuen DON GIOVANNI an der Deutschen Staatsoper Berlin - Foto (C) Ruth Walz

Komparsen spielen Mussbachs Tunichtgute

Im Programmbuch der Deutschen Staatsoper Berlin zum neuen DON GIOVANNI wird sein Vorgänger (Regie von Thomas Langhoff) gar nicht erst/nicht mehr erwähnt; dabei hatte er guten Dienst getan, mit ihm brillierte Daniel Barenboim, als es noch "seine" Mozart-Feste über Pfingsten gab, selbst Bartoli (Donna Elvira) war da mehr als einmal zu erleben. Bis zur Wende gabs ja auch dann noch den Vor-Vorgänger (inszeniert von Berghaus); warum der dann nicht/nicht mehr gepflegt oder gehalten wurde... Rätsel über Rätsel.

Jetzt also der "neue" (durch den Intendanten höchstpersönlich):

Peter Mussbach hat sich selbst als Bühnenbildner sowie Regisseur mit DON GIOVANNI aktuell am Haus Unter den Linden hergestellt, und zwar auf eine grauenvolle Art und mit stupider Intellektualität. Es ist, das nebenbei erwähnt, auch bloß der Aufguss seiner Produktion, die vor zwei Jahren am Teatro alla Scala di Milano stattgegeben worden war. Drei monolithisch anmutende schwarze Wände werden hin und her geschoben. Vor, zwischen und hinter ihnen tauchen dann die handelnden Personen sowie jede Menge Randfiguren auf. Auch eine Vespa darf entlang- oder vorbeigerollert werden. Alles grau-in-grau, sehr wenig Licht, und die Kostüme hübsch designet in Hellschwarz, Leder und gestreift oder im frühjahrshellen Dunkelweiß, Seniorenbeige; soziale Rangordnungen oder Individualgeschmäcke: eine Nullanzeige. Keiner weiß (und will es auch nicht wissen), warum diese Menschen mit den als ein Grüppchen Tunichtgute in die Szenerie gestellten Dutzenden Komparsen in dem neuen DON GIOVANNI vor, zwischen und hinter den drei monolothisch anmutenden schwarzen Wänden so bedeutungsvoll agieren müssen; und das Sexualthematische an diesem Stück - es ist nicht weniger als Mozarts und daPontes Gegen- oder gar Alternativentwurf zum Fauststoff - geht hier völlig vor die Binsen. Schluss- und Schlüsselszene, da wo Don Giovanni seine (sexuelle) Lebensungezügeltheit bereuen und verlassen soll, dieses natürlich überhaupt nicht willens ist zu tun, weswegen er von Mozart und daPonte, schmunzelnd freilich, Höllengeistern übergeben wurde: eine Kammerjägerszene. Völlig unklar auch, dass Barenboim sich diese Sichtweise von seinem Intendanten überhaupt erst bieten lässt; seit MACBETH oder TRAVIATA ist dem Mussbach nichts/nichts Dienliches in Sachen Opernanimierungen mehr eingefallen; wenn man keine Lust zum Inszenieren hat, dann sollte man die Sache einfach andern Leuten zum Sichausprobieren weitergeben...


Leporello guckt sich die Elvira an: Und Hanno Müller-Brachmann sang, Annette Dasch war in der Weihnachts-Festvorstellung krank, für sie - hier leider nicht in Bild - sprang Adriana Damato aus Italien ein und war grandios. - - Foto (C) Ruth Walz

Musikalisch eine Festtagsbratenwonne:

Barenboim spielt DON GIOVANNI sehr sehr vollmundig und gut gewürzt und mit sehr ungeschminkter Emotion! Ein Baucherlebnis. (Und so ungefähr klang er auch schon bei Otmar Suitner; siehe Berghaus!) Ja, die Staatskapelle kennt sich mit GIOVANNI bestens aus. Fakt ist: Wer ihn so hörte, will ihn nicht mehr anders haben. Ohnehin ist er das singulär(st)e Ausnahmswerk unter den Mozartopern, nicht nur wegen seines philosophischen Gewichts.

Anna Samuil, Adriana Damato, Sylvia Schwartz: das kongeniale Frauentrio; keine jeweils besser (oder schlechter) als die andere - so 'ne Besetzung muss man erst mal finden!!!

Pavol Breslik (als Ottavio) wird wohl nicht mehr lange "nur so" als Ensemblemitglied an der Staatsoper zu halten sein; er fliegt mit Engelsflügeln allen irgendwie davon: ein Gottgeschenk ihn hier zu hören!

Arttu Kataja (Matteo), Christof Fischesser (Komtur), Hanno Müller-Brachmann (Leporello), René Pape (Don Giovanni): allerbestens und sehr außerordentlich im Dienst.

Großjubel für die Ausführenden.

Lang anhaltendes Sentenz-Reminiszens-Vergnügen.

Freude auch auf Daniel Barenboim, wenn er zum Osterfest Prokofjew dirigiert.



DON GIOVANNI an der Deutschen Staatsoper Berlin

Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung und Bühnenbild: Peter Mussbach
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer
Besetzung: René Pape (Don Giovanni), Anna Smuil (Donna Anna), Pavol Breslik (Don Ottavio), Christof Fischesser (Komtur), Adriana Damato (Dona Elvira), Hanno Müller-Brachmann (Leporello), Arttu Kataja (Masetto) und Sylvia Schwartz (Zerlina)
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin
Choreinstudierung: Eberhard Friedrich
Staatskapelle Berlin

Eine Koproduktion mit der Mailänder Scala

Premiere an der Deutschen Staatsoper Berlin war am 15. Dezember 2007.

Nächste Vorstellungen: 29.12.07 sowie 16. | 18. | 25. | 27. | 30.04. und 11.05.08



Andre Sokolowski - red. / 27. Dezember 2007 - http://www.andre-sokolowski.de
ID 00000003632

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de





 
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