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Feuilleton


1. Juli 2007, Premiere an der Komischen Oper Berlin

DAS LAND DES LÄCHELNS von Franz Lehár

Inszenierung: Peter Konwitschny


Franz Lehar (1870-1948), deutscher Operettenkomponist mit österreichischer Herkunft - auch der \"Führer\" hielt sehr viel auf ihn ...



Konwitschny wollte, dass Choristinnen mit Heiner Müllers HERZSTÜCK dilettieren

Was für'n grauenhaftes Machwerk! welch stupider Unsinn!!

Herzer, Löhner, Léon - so wie es auf dem Besetzungszettel nachzulesen ist - sind die Verbrecher dieser "Geistestat". Eine Geschichte, die an Dumm- und Dreistigkeit unüberbietbar ist:

'ner jungen Wiener Witwe ist nach was Exotischem zumute, sie hat von der Existenz eines chinesischen Gesandten Wind bekommen, trifft ihn und verliebt sich prompt auf Knall und Fall. Dem Angehimmelten gehts nicht viel anders, doch er muss zurück nach Peking, wo man ihn jetzt zum Premierminister machte. Wienerin geht mit. Die beiden heiraten. Doch der Chinese soll den "Traditionen" folgen (4 Gemahlinnen hinzuerwählen, beispielsweise). Das will seine Wienerin nicht dulden. Und ihr vormals Angetrauter, der bislang das Nachseh'n hatte, soll sie retten. Wienerin & Wiener wolln aus China in den Wienerwald zurück. Chinese lässt's nicht zu, kriegt eine Mordabsicht ...
Peter Konwitschny - seine legendäre Dresdner CARDASFÜRSTIN hatte es bemerkenswerter Weise bis in die Gerichtssäle geschafft - versucht auch hier, in diesem hoffnungslosen Fall, dem ungeistigen Ding eine politische Bedeutung aufzuzwängeln. Was natürlich nah gelegen war, den einen Teil der Handlung in das Mao-China umzufunktionieren. Und es treten auch der Reihe nach die größten Diktatoren und Gewaltverbrecher, weltgeschichlich marionettisiert (als Tanz- und Spieleinlage zur Ballettmusik), auf: Hitler, Stalin, Nero usf. Auch ein mit Keule ausgstatteter Neandertaler hüpft da hin und her...


Stilleben im LAND DES LÄCHELNS, inszeniert von Peter Konwitschny an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus


Das Alles bringt viel Turbulenz und Leben in die Bude, und dem Zuschauer tuts sicher gut, ein bisschen kräftig von dem ganzen Schwachsinn abgelenkt zu sein. Und auch dem Zuhörer wird allerhand und "Übergreifendes" geboten:

Heiner Müllers HERZSTÜCK, sicherlich ein singulärer Glücksfall knappst und auf den Punkt gebrachter Kurzhandlung (eine zum Spiel'n verleitbare Metapher, weiter nichts), muss plötzlich, wie aus heiterm Himmel abgefallschirmt, herhalten für einen von Konwitschny so oder wie anders auch vermuteten "Verbindungsstrang" von Lächeln/Puls. Die Chorsolistinnen, die diesen Text dann ungekürzt und überengagiert zum Besten gaben, hätte man im Nachhinein - fiese Idee - befragen sollen, was sie da gerade sprachen und zitierten, und ich wette... nein, wir lassen das!! / Die intellektuelle Überforderung des anwesenden Operettenpublikums war in den auffälligen Krampfesgesten fast schon körperlich zu spüren.
Aber Schluss mit dem Gemäkele, ist alles triste Theorie - lasst uns zum viel Erfreulicheren dieses Abends kommen, der Musik:

Dem guten alten Lehár ist mit seinem Operettenwurf DAS LAND DES LÄCHELNS ein Geniestreich zeitlosesten Ausmaßes geglückt. Kirill Petrenko wollte ihn dann unbedingt als letzte Einstudierung seiner auslaufenden Generalmusikdirektorschaft am Hause in der Behrenstraße (schade, schade, schade!!!) machen. Und er hat ein goldnes Händchen, ausgerechnet dann für ihn: Lehár!
Die Operette, nicht nur die von Lehár, muss und soll als Genre noch viel intensiver rückgeholt, gepflegt und angeboten werden. In der nächsten Spielzeit will Homoki eine neue Fledermaus verfabrizieren. Und zwei Möglichkeiten gibt es für zu machende Regie, und ausgerechnet dann an diesem Haus:

Entweder Kitsch als 100pro, mit aller stückbuchvorgegebnen Opulenz - oder 'nen interpretatorischen Extremfall à la Bieto, Kosky - - alles was dazwischen läge, funktioniert nur halb. Beachten, unbedingt!!

Konwitschny war schon besser.


Andre Sokolowski - red / 2. Juli 2007
ID 3339
www.andre-sokolowski.de


DAS LAND DES LÄCHELNS
Romantische Operette in drei Akten von Franz Lehár
Libretto von Ludwig Herzer und Fritz Löhner nach Viktor Léon


Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierng: Peter Konwitschny
Bhnenbild: Jörg Koßdorff
Kostüme: Michaela Mayer-Michnay
Choreografie: Enno Markwart
Besetzung: Hans-Martin Nau (Graf Ferdinand Lichtenfels), Tatjana Gazdik (Lisa), Tom Erik Lie (Graf Gustav von Pottenstein), Stefan Rügamer (Prinz Sou-Chong), Karen Rettinghaus (Mi), Jens Larsen (Tschang), Peter Renz (Obereunuch), Barbara Stenberger (Excellenz Hardegg) u. v. a.
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
(Choreinstudierung: Robert Heimann / Solo-Violine: Igor Malinovsky)

Premiere an der Komischen Oper Berlin am 1. Juli 2007

Weiter Vorstellungen: 6., 10., 14. und 18. 7. 2007

Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de





 

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