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Feuilleton


Komische Oper Berlin, 5. Juni 2006,

LA TRAVIATA

von Giuseppe Verdi


Elaine Ortiz Arandez (Violetta)



Schwindsüchte

Es geht um furchtbar Schreckliches in dieser Oper: Eine Frau ist schwindsüchtig. Zur damaligen Zeit unheilbar. Aber viel viel schlimmer noch. Sie ist in einen Mann verliebt, der sie von heut' auf morgen (diesmal nicht aus Mutter-, sondern Vatereinfluss) in den Orkus stößt; eine Beeinflussungsgeschichte niederer und eigentlich mehr unbedeutenderer Art als man sich denken könnte, denn es geht hier lediglich um eine Wiederherstellung des sogenannten guten Rufs des Sohns aus gutem Hause, denn Germont, Alfredos Zeuger, kann und will es nicht verwinden, dass sein eigen Fleisch und Blut mit einer hergelaufnen Kurtisane draußen rummacht, während sich die Nachbarschaft im heimatlichen Dorf um diese angelegenheitliche Pikanterie die kollektive Zunge wetzt; Alfredos Schwester, eine Namenlose, müsste das dann alles rufmordmäßig ausbaden. Nachteil Provinz. Und Violetta - unsre schwindsüchtig singende Schöne - lässt sich, schwächelnd wie sie nun mal ist, vom Schwiegervaterteufel unterkriegen, und sie leidet grauenvoll und stirbt an wahnsinnigem Husten.
Harry Kupfer hatte LA TRAVIATA 1994 inszeniert. Seit 88 Vorstellungen hält sie sich mit unverminderter Beliebtheit und Präsenz am Hause in der Behrenstraße, und Noemi Nadelmann, seine Premierenvioletta - freilich sang sie dann nicht alle 87 Mal, da wär sie heute tot - trägt sicherlich die Hauptschuld an der Hitverdächtigkeit dieser bejahrten Produktion. Nun kam es aber, anlässlich der Wiedereinstudierung, vor, dass Nadelmann nicht singen mochte oder konnte. Ja, ihr Arzt hätte es ihr verboten, ließ die Intendanz vor Vorstellungsbeginn verlauten, und man sagte, dass Frau Nadelmann zwar stummfilmmäßig spielen würde, aber singen nicht. Für sie, für Nadelmann, sänge Elaine Ortiz Arandes von der Seite (an der untersten Proszenniumsloge stehend) aus. Und wie sie sang!!
Elaine Ortiz Arandes - über sie kann nur im Internet etwas gefunden werden - stammt aus Puerto Rico, hat in ihrem Land Musik studiert und ist zunächst durch Liederabende bekannt geworden; sie nahm heimatliche zeitgenössige Musik auf Platte auf, sang auch Barock und debütierte bald am ansässigen Opernhaus. Dann war sie die Gewinnerin des Bruno-Walter-Preises an der MET und siedelte nach Deutschland über. Krefeld, Mönchengladbach waren erste Auftrittsorte. 1988 folgte München (Gärtnerplatztheater), wo sie, affenzahnartiger Weise, fast das ganze Repertoire der Lyrischen-Dramatischen herauf-/heruntersang: Susanne, Gilda, Micaela, Violetta usw. usf. Es sprach sich wie in Windeseile rum, und sie fing an in Österreich, in Frankreich, in den Niederlanden, in den USA, in Japan zu gastieren.
Hatte man den Intendanten übersehen? Falls er also nicht bei diesem "Zwischenfall" in seinem Haus zugegen war, sei es ihm hiermit deutlich zugetragen: Was für'n Glücksfall für die Inszenierung! Eine Stimme wie aus einer andern Welt; wie sie die leisen Töne der Dahinsiechenden in die absolute Höhe treibt, ist unvergleichlich. Engagieren, heute noch!!


a. so.
ID 2438
Komische Oper Berlin, 5. Juni 2006

LA TRAVIATA von Giuseppe Verdi

Musikalische Leitung: Markus Poschner
Inszenierung: Harry Kupfer
Bühnenbild: Hans Schavernoch
Kostüme: Reinhard Heinrich
Besetzung: Noemi Nadelmann/Elaine Ortiz Arandes (Violetta), Marc Heller (Alfred), Anton Keremidtchiev (Germont) u. a.
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin

Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de






 
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