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Premierenkritik

Bei Ibsens ROSMERSHOLM wurde in Reihe 19 hinter mir im Doppelpack geschnarcht - der Regisseur Leander Haußmann meldete sich in der Volksbühne Berlin zurück





Es kann gut möglich sein, dass Ibsens Rosmersholm einstmals sogar eines der Lieblingsstücke Sigmund Freuds gewesen war. In dem von Carola Cohen-Friedlaender redaktionell verantworteten und von Daniel Josefsohn (mit den genial gemachten Großporträtaufnahmen der fünf Schauspieler) perfekt gestalteten Programmheft der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz werden wir - nachlesend - auf die obige Vermutung eingeschworen; denn da heißt's lt. Freud: "'Rosmersholm' ist das höchste Kunstwerk der Gattung, welche diese alltägliche Phantasie der Mädchen behandelt. Es wird eine tragische Dichtung durch den Zusatz, daß dem Tagtraum der Heldin die ganz entsprechende Wirklichkeit in ihrer Vorgeschichte vorausgegangen ist." Und für den Unkundigen dieses zeitlich überlangen und mit Textbrei überquollenen Theaterstückes in vier Akten mag das vorstehend Zitierte auch nicht weiter einleuchten - ihm (diesem Unkundigen) würde es am Schluss genau wie mir (dem Unkundigen) lustlos Leid gewesen sein, dieses fast 4stündige und schier endlos scheinende Gequatsche auf der Bühne zu ertragen resp. aushalten zu wollen; aber alle hielten irgendwie dann tapfer durch. Und allenthalben in der Reihe 19 hinter mir wurde im Doppelpack - ein wohlbetagtes Pärchen, das wie die zwei bis ins Heute überlebt habenden Hedda Gabler & Baumeister Solness ausgesehen hatten - selbstbewusst als wie erbarmungslos geschnarcht...

Was wollte/will ich damit sagen?

Dass ich ratlos war und bin, dass mir der Haußmann (Inszenierung) nicht vermitteln konnte, was ich hier und heut' mit Ibsens Rosmersholm beginnen sollte! Das Großbürgerliche scheint demnach zukünftig in der Castorf-Walhall spielplanbeispielgebend angesagt?

Nein, dieser Generaleinwand bedeutet freilich nicht, dass ich mich nicht besonders an der schauspielernden Kunst von Margit Carstensen (Haushälterin auf Rosmersholm), Ralf Dittrich (Rosmers Schwager), Uwe Dag Berlin (Brendel) und Axel Wandtke (Mortensgard) erfreuen und begeistern hätte können. Insbesondere Annika Kuhl (Rebecca West) lief stellenweise außerordentlich zu Höchstform auf; und ich verweise demgemäß auf ihren obsessiven Ausbruch à la Ist-der-Teufel-jetzt-in-sie-geritten-oder-was!!! Und Peter Lohmeyer (Johannes Rosmers) wollte oder konnte seiner unabsichtlich oder absichtlich zur Schau getragenen Schnarchhaftigkeit nur seltenst mimisch widersprechen.

Uli Hanisch, der Parfüm-Film-Ausstatter, erzauberte ein fulminantes Riesentreppenhaus und ließ sich weitere und überraschende Details (Beates Herrgottswinkel mit den Altarkerzen, loderndes Kaminfeuer, illuminierter Kleiderschrank etc. pp.) einfallen.

Vom Premierenapplaus her zu urteilen würde ich dann summa summarum sagen: Geht so.


Andre Sokolowski - 17. September 2011
ID 5385
ROSMERSHOLM (Volksbühne Berlin, 16.09.2011)
Regie: Leander Haußmann
Bühne: Uli Hanisch
Kostüme: Doris Haußmann
Licht: Torsten König
Dramaturgie: Carola Cohen Friedlaender
Mit: Peter Lohmeyer (Johannes Rosmers, Eigentümer von Rosmersholm, ehemals Oberpfarrer), Annika Kuhl (Rebekka West, im Hause Rosmers), Ralf Dittrich (Rektor Kroll, Rosmers Schwager), Uwe Dag Berlin (Ulrik Brendel), Axel Wandtke (Peder Mortensgard) und Margit Carstensen (Madam Helseth, Haushälterin auf Rosmersholm)
Premiere war am 16. September 2011
Weitere Termine: 17., 24., 25. 9. / 7., 13., 21. 10. 2011



Siehe auch:
http://www.volksbuehne-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



 

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