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MERCEDES-Stück von Thomas Brasch (1945-2001) hatte am Samstagabend im BE Premiere - sowieso steht der November ganz im Zeichen des 10. Todestags des allzu früh verstorbnen Dichters





Ein kleines, knapp was über eine Stunde dauerndes Paar-Dialog-Stück Thomas Braschs, des vor knapp 10 Jahren verstorbnen Dichters mit der unruhigen und seine künstlerische Kreativität so permanent beflügelt habenden Biografie, hatte jetzt Philip Tiedemann für das BE - fast 30 Jahre nach der Zürcher Uraufführung (Regie: Matthias Langhoff) - im Pavillon reanimiert. Es heißt Mercedes, und in ihm passiert nicht viel:

Zwei Leutchen (Mann und Frau) erklären sich ihr derzeitiges Allgemeinsozialsein, reden oder plappern aber eigentlich die meiste Zeit der Dialoge/Monologe aneinander vorbei, was selbstverständlich überhaupt nicht weiter stört; denn heutzutage ist es wohl "viel schlimmer" mit der ganzen Quatscherei, also "im wahren Leben" als vielleicht vor 30 Jahren oder so... Auf jeden Fall erfahren wir, dass es dann auch bereits vor 30 Jahren Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenhilfe gab oder gegeben haben muss; und Sakko (Dieter Montag) hat dann also seine alte Arbeit als ein Auto-Überführer oder so verloren, und die krümelige Abfindung von 7.000 DM wäre auch so gut wie aufgebraucht - bei Oi (Swetlana Schönfeld) sieht es irgendwie dann bisschen anders aus; angeblich klaut sie ab und zu im Supermarkt bzw. nimmt Saunierenden aus deren Umkleidekabinen Kleingeld weg. Und der Mercedesstern schwebt quasi als Megaklischee der großwinzigen Wunschvorstellungen der Deutschen allgemein und im Besonderen. Ja und das Alles klingt fürwahr nicht sonderlich interessant, auf jeden Fall nicht heute, oder heute überhaupt nicht mehr - - man muss schon kräftig gähnen, um den vielen (sprachlich freilich gut gemachten) Plappermüll zu kompensieren. [Allerliebst: Rolf Hochhuth, der dann auch in der Premiere war, verließ nach gut zwei Dritteln Stückverlauf die Spielstätte total genervt.] Bei einer beiläufigen Publikumsbetrachtung fiel dann ohnehin eine gewisse familiäre Untersichgemischtheit auf; meist Leute aus der Brasch-Generation, und viele Ehemalige und Heutige, die mit dem Brasch so dies und das zu tun hatten und haben - ja, es gab und gibt so gut wie keine künstlerischen Größen, die den Jubilar nicht schätzten oder kannten; Brasch hatte sich beispielsweise auch als Filmer sehr erfolgreich ausprobiert; also man kannte und man kennt sich sehr sehr lange schon.

Und was das Schauspielernde in Mercedes anbelangt - es gibt natürlich keinen Grund zu dahingehender Kritik! Aber womöglich fehlte es dem auch nicht mehr so jungen Regisseur an etwas Rücksichtnahme oder Mitgefühl, denn: Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum er die Schönfeld derart durch die Serpentinen seines Bühnenbildes (das ihm Norbert Bellen zimmerte) hetzen und jagen lässt, dass man als Zuschauer am liebsten um die körperliche Unversehrheit der Diseuse hätte bangen wollen.

Fazit: So ein in die Jahre gekommenes und also altmodisch gewordnes Stückchen taugte wahrlich nur noch fürs Archiv.

*

Das mit Devotionalien (s. Zettelwirtschaft in der üppig ausgestatteten Programmmappe zum kleinen Jubiläum Brasch's) reichlich einhergehende Mini-Festival hat außer dem Mercedes auch noch Anderes und viel viel mehr vom/übern Dichter anzubieten.

Einfach mal in den BE-Spielplan hineinschauen und hin gehen!!

Andre Sokolowski - 6. November 2011
ID 00000005466
MERCEDES (Berliner Ensemble, 05.11.2011)
Regie: Philip Tiedemann
Ausstattung: Norbert Bellen
Besetzung:
Sakko ... Dieter Montag
Oi ... Swetlana Schönfeld
Premiere war am 5. November 2011
Weitere Termine: 9. und 22. 11. 2011



Siehe auch:
http://www.berliner-ensemble.de





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