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Premierenkritik

5. Oktober 2011, WERKSTATT im Schiller Theater

LAST DESIRE

A TRAGEDY IN ONE ACT MUSIKTHEATER VON LUCIA RONCHETTI


Das ist Valer Barna-Sabadus, der in der Kurzoper Last Desire von Lucia Ronchetti einen der vier maskulinen Salome-Erwarter sang und spielte - Foto (C) Thomas Bartilla


Salome zieht immer :-)

Das ist wieder einmal typisch deutsch:

Dem (deutschen) Bildungsbürger - denkt das Institut - verlangt es eindringlich nach intellektuellen Übersetzungen. Und also - meint das Institut - werden die Hauptverantwortlichen Tina Hartmann / Lucia Ronchetti in die Pflicht genommen, dass sie dann dem (deutschen) Bildungsbürger eine intellektuelle Übersetzung ihres eignen Wurfes Last Desire liefern... Und nur so - beschuldigen wir jetzt das Institut - soll man dann also diesen doppelten Erklärungszwang bzw. diese doppelte Erklärungsnot erklären, die uns Leser so verzweiflerisch in dem Programmheft auffällig geworden ist; oder?

Ein abschließender Blick auf das Libretto (Text nach Oscar Wilde: Salome, in einer Adaption von Tina Hartmann) gibt dann allerdings ernüchternd Aufschluss, dass es sich bei vorliegender Sicht des Stoffs nebst Inhalt mehr um eine krampfige als vielmehr eine heitere, ironische oder sarkastische Beschäftigung mit Salome gehandelt hat - was freilich arg enttäuschte und zu guter Letzt diese von uns eingangs erwähnte Instituts-Attacke auf das (deutsche) Bildungsbürgertum im Nachhinein verständlich werden lässt; obgleich: sehr kompliziert gemacht das Alles.

Aber Salome, behaupten wir, zieht immer! Jeder kennt sie; jeder weiß, dass es in ihr recht schweinisch zugeht; jeder macht sich eine ungefähre Vorstellung vom luderhaften Königskind etc. pp.

Und trotzdem fragen wir uns: Was bewog/bewegt zwei künstlerische Frauen (Lucia Ronchetti ist, im Übrigen, die Komponistin dieser kleinen Oper), dass sie sich dann, und zwar frei von jeder komischen Distanz, mit den verschütteten oder nicht/noch nicht ausgeprägten oder praktizierten Trieben dreier Männer inkl. eines kleinen "unschuldigen" Jungen (Juri Hörster) auseinandersetz(t)en? Wo ist hier der "notwendige Ernst", dass wir begreifen und verstehen, warum Last Desire überhaupt entstehen musste?? Oder sollte es bloß pure Unterhaltung werden???

Wurscht.

Die Attraktion der Aufführung besteht in jedem Fall aus Valer Barna-Sabadus. Er ist ein Counter farinelli'schem Kalibers; und allein von seinem Aussehen und seiner Ausstrahlung die Sünde selbst! Hört man ihn obendrein, stellt sich die Frage, ob sich überhaupt eine Beschäftigung mit Salome noch weiter lohnte - denn auch Narraboth, der junge Syrer, hätte Stoff genug fürn gutes Stück geboten.

Markus Hollops Bass durchbebte eindrucksvoll die WERKSTATT.

Yuta Nishiyama zauberte mit seiner Bratsche.

Harry Lyth war für die Einstudierung zuständig.

Und Elmar Supp führte Regie.

Stückdauer: keine 45 min



Last Desire in der WERKSTATT im Schiller Theater - Foto (C) Thomas Bartilla


Andre Sokolowski - 6. Oktober 2011
ID 00000005418
LAST DESIRE (Deutsche Staatsoper Berlin / WERKSTATT im Schiller Theater, 05.10.2011)
Musikalische Leitung | Einstudierung: Harry Lyth
Inszenierung: Elmar Supp
Ausstattung: Esther Dandani
Licht: Irene Selka
Foto | Video: Thomas Zengerle
Live-Elektronik: Thomas Seelig
Dramaturgie: Katharina Winkler
Besetzung:
Ein junger Mann, der junge Syrer | Herodias ... Valer Barna-Sabadus
Ein reifer Mann | Herod | die Stimme Jochanaans ... Markus Hollop
Ein Mann ... Yuta Nishiyama
Premiere war am 5. Oktober 2011
Weitere Termine: 7., 9., 12., 13., 15., 22., 23. 10. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.luciaronchetti.com



 

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