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Feuilleton


23. Mai 2007, Ensemble Öffentliche Leben

GLÜCK IST NICHT IMMER LUSTIG III

Von Arno Kleinofen


Szene aus GLÜCK IST NICHT IMMER LUSTIG - Foto (C) Michael Wüstenberg



Mama rastet aus - sie muss ins Heim!!

Maria Baton sieht zum Umfalln gut aus, und sie spielt (verkörpert!) ihre Rolle so als wäre sie tatsächlich eine von den allgemeinen Unbilln zwischenmenschlichen Zusammenlebens - "alte" Kinder pflegen ihre alt-älteren Eltern bis zu(m) Tode - infiziert Betroffene, denn: Scheinbar ist es wirklich wie es ist::

Die Menschen hier - und wohl gemerkt: im allerschönsten Abendland, noch mehr dann freilich in dem meer- und bergumgebnen Landschaftsschutzgebiet der BRD (hier gibts nun mal die meisten und die besten Apotheken dieser Welt) - sind oder werden viel zu alt zum Leben oder Weiterleben. Folglich gibts zu viel von ihnen, und sie lasten der Gesellschaft unbarmherzig auf dem Geldsack. Man versucht ja schon, durch Anhebung des Rentenalters, diesen unsre vorwitzige Jugend so bedrohten allgemeinen Schönheitsfehler forschlings zu kaschieren... also wenn die Alten länger, quasi bis zum Kollabieren arbeiten etc. pp. (absurde Vorstellung! natürlich geht es um was gänzlich anderes - sie sollen erst mit 70 oder 80 oder 90 ausbezahlte Rente kriegen, und bis dahin... vieles klärt sich auch, rein biologisch, wie von selbst; so fiespragmatisch funktioniert die menschverachtende sozialpolitisch-motivierte Vorzeige-Gesellschaft hierzulande).
Doch zurück zur Baton:

Sie ist eine megageile Mordsaktrice! Spricht und spielt, wie eine aus sich raus stakkierende und sich mit Wort- und Satzgeschwülsten fasthin übergeben wollende zartbittre Gliederpuppe, Teile aus dem Shakespeare-LEAR. Das führt zu der regielich ausgedachten Grundkonstellation von Arno Kleinofen, der richtig gehend meinte: Früher war es wohl nicht anders als wie heute, oder:: König Lear mit seinen 2, 3 Töchtern, hiervon zwei als Monster, eine "nur" als Mensch, also::: Wer kriegt das väterliche Erbe? wer von diesen drei Stück Tochter ist dem Vater seine liebste?? wer pflegt ihn in Würde unters Grab???

Dieser Bezug zu heute - eigentliches Stück das aufzuzeigen Aufgabe gewesen war und wäre - ist ja klar und kommt, nach meiner privatimen Sehe-Sicht, wie folgt so her:
Die Mutter (Baton) lebt mit ihren beiden Töchtern (Doro Schwarte, der "guten" / Daniela Zaehl, der "nicht so guten") in 'ner viel zu kleinen Einraumwohnung. Alle gehn sich mordsmäßig auf die Klitoris. Das Erschwerendste bei Allem allerdings: Die Mutter, eine einstmals fleischfressende Pflanze, leidet an der Hochdemenz, aber sie leidet umso leidenschaftlich-lustvoller als man es je für möglich hält. D. h. es schwingen sexualpolitische Gegebenheiten aus dem längst vergangnen Früher unbarmherzig durch die Zimmerchen, die Mutter ist und bleibt die Dominierende, das Zentrum allen Handelns, und obwohl sie scheinbar nur noch kapitalsten Schwachsinn (hält sich halt für König Lear) verbreitet - - - ihre Töchter sind es langsam Leid; der Zinnsarg steht bereit; die Frage ist nur noch: Wer von den beiden Töchterkindern haut die Alte mit dem Hammer tot? oder - wenn's nicht zu teuer wäre - ab mit ihr ins Pflegeheim!

(Ich habe in den letzten Jahren oft von Leuten, auch von Freunden aus dem engsten Kreis, zynischst verlauten hören: Früher, also unterm Führer, gabs doch diese andern Möglichkeiten... und sie meinten schon Euthanasie.)
GLÜCK IST NICHT IMMER LUSTIG heißt das Stück dann insgesamt. Und außer den Zitaten aus dem KÖNIG LEAR bestand es hauptsächlicher Weise aus diversen (dramaturgisch losen) Interview-Passagen, die für Kleinofen, welcher in mühevoll-akribischer Recherche mit Seniorinnen aus dem Berliner Wedding ins Gespräch gekommen war, recht "nutzenswert" für seine Aussage erschienen. Hat auch funktioniert. Obgleich die Schwerkraft ungünstig noch mehr zum LEAR als zu den schönen aufschlussreichen GLÜCK-Texten gerichtet war . . .

Phänomenale Bühne von Sybille Jagfeld: Alles spielt auf 'nem quadratisch eingefassten Beet mit lauter Frühkartoffeln; und ich dachte erst, es wären
Kieselsteine.
Ines Eck (Verfasserin der legendären STEPPENWOLFIDYLLEN) hatte aus den ihr so üppig vorliegenden Interviews für Arno Kleinofen 'ne knappe Sprech-Fassung als Angebot gemacht.

Sehr sehens- und sehr hörenswert.


Andre Sokolowski - red / 24. Mai 2007
ID 3244
www.andre-sokolowski.de



GLÜCK IST NICHT IMMER LUSTIG III
die deutschen sind im pflegeheim

nach texten weddinger seniorinnen in der bearbeitung von ines eck
und in anlehnung an shakespeares KÖNIG LEAR

Inszenierung: Arno Kleinofen
(Co-Regie: Daniel August Mai)
Bühne / Kostümbild: Sybille Jagfeld
Technik: Rainer Matthes
Musik: Attila Szibi, Hans-Jürgen Simon, Stefan Schwarz
Medien: Hans-Jürgen Simon
Video / Fotografie: Ines Eck & Thorsten Kulick

Es spielen: Maria Baton, Doro Schwarte, Daniela Zaehl und Christel Lehmann a. G.

Eine Produktion des Ensembles Öffentliche Leben

Premiere war am 23. Mai 2007 in der Theaterbar Berlin (www.theaterbar.de)

Nächste Vorstellungen: 24. und 28. Mai 2007

Weitere Infos siehe auch: http://www.textlandschaft.de





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