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Rosinenpicken (37)


29. / 30. Juni 2008 - Deutsche Oper Berlin / Staatsoper Unter den Linden

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER / DER TÜRKE IN ITALIEN


Die Spielzeiten an den Berliner Opernhäusern neigen sich dem Ende. Einzige Konstante (wenn man zynisch werden will) war wieder mal die "kleinste" unter den Geschwistern; die Komische Oper - Opernhaus des Jahres 2007 - trumpfte letzterdings mit einem flatterfroh und fetziglich dahingerotzten Kiss me Kate von Porter auf; alles in Butter! / Bei den andern beiden wurden Handtücher geschmissen, und nicht irgendwelche Hinterbänkler suchten so das Weite, sondern: Mussbach, Intendant der Staatsoper, sowie Palumbo, GMD der Deutschen Oper - - eigentliche und nicht minder dröge Highlights einer abgelaufenen Saison. Aber es gab auch selbstverständlich künstlerisch Herausragendes anzumelden, beispielsweise: An der Staatsoper wurde die Phaedra Henze's welturaufgeführt; und an der Deutschen Oper gab es die Jean d'Arc von Braunfels... beides Meilensteine und an sich schon buchenswert, nicht nur für die Betriebschronik.

Zu den zwei letzten neuen Produktionen im Gestift:



Johan Reuter als DER FLIEGENDE HOLLÄNDER in der Neuinszenierung von Tatjana Gürbaca an der Deutschen Oper Berlin - Foto (C) Matthias Horn



DER FLIEGENDE HOLLÄNDER.

Gürbaca inszenierte ihn als böses Börsengleichnis, nicht ganz schlüssig, aber mit bemerkenswerter Zwischen- als wie Endlösung. Ja und wann hat man je durch wen das Folgende nachzisiliert bekommen: Es ist eine Dreiecksstory zwischen Erik, Senta und dem Holländer. Der Angetraute weiß sich keinen Rat mehr mit der Liebsten. Senta ist, und Erik weiß das schon "seit ewig", etwas gaga, denn sie spinnt sich ihren Märchenprinzen mädchenhaft zusammen, dennoch liebt er sie. Sie haben auch ein Baby; Resultat eines Verkehrsunfalls, mehr nicht. Und schließlich kommt ein Handelsreisender des Weges, hat rein zufällig das gleiche Outfit wie der Märchenprinz in Sentas Tagtraum. Senta knallt jetzt völlig durch, und Erik (Deflorant und Kindsvater in einem) ist für sie nur noch ein Haufen Scheiße. Sie will diesen Handelsreisenden, den Märchenprinzen. Doch der will sie nicht/nicht mehr, sobald er Eriks Existenz begreift. Und Holländer (selbiger Handelsreisender und Sentas Märchenprinz in einem) wundert sich nicht schlecht über die Amokläufe, die mit einem Schlag geschehen: Senta wird zur Halsaufschlitzerin mit Schere; erst kommt Erik an die Reihe, dann sie selbst, und schließlich greift es über. Alle anwesenden Damen tun's ihr nach und metzeln sich dahin... Nicht schlecht, Frau Specht!! // Klink's Erik sowie Merbeth's Senta heben sich als Traumpaar sehr sehr deutlich vom Ensemble ab. Chor und Orchester sind nicht ganz synchron. Lacombe lässt die Musik ohne Charakter, ohne Seele spielen.




Verwirrte Akteure der Deutschen Staatsoper Berlin in einem noch verwirrenderen Spiel, das sich DER TÜRKE IN ITALIEN nennt und aus Rossinis Notenfeder stammt - Foto (C) Monika Rittershaus


IL TURCAIN ITALIA (DER TÜRKE IN ITALIEN).

Von den hunderttausend Opern, die der hyperfleißig komponierende Rossini aus sich griffelte, sind nicht zu Unrecht grade mal ein halbes Dutzend spielbar; meistens (oder immer) sind sie komisch, und von daher schon mit außerordentlicher Vorsicht zu genießen; ja, so vielen ungereimten Blödsinn, wie Rossinis Librettisten nach und nach verbrachen, kann und will sich heut' kein Schwein mehr vorstellen - nichts desto Trotz agieren hin und wieder Leute, die es absolut dann besser wissen wollen: Alden ist so einer; und er hat der Lindenoper jetzt eine Regiearbeit vermacht, die sinnlos ist wie dieses Stück an sich. Steinberg & Shiff verpassten diesem dreisten Unterfangen eine Ausstattung, die sich wohl sehen lassen kann, aber von ihren Kosten her - man sieht dann schon, was "gut und teuer" ist - in keiner Relation zur hinlänglich missglückten Stückedeutung steht; wer mehr zum Inhaltlichen lesen und erfahren will, kann dieses mittels deutscher Übertitelungen tun; vielleicht bereichert es den Einen oder Anderen; dann stünde es sehr quer mit einer schlechtlaunigen Meinung, niemand weiß. /// Solche Verausgrabungen taugten als CD-Einspielung oder unterhaltsames Konzert. Als dementsprechend dienlicher als dienlich könnte (konnte!) sich die Staatskapelle exklusiv beweisen; und Carydis sieht nicht nur toll aus, sondern er dirigiert auch so. Superb!!! Aus der Besetzungsliste sollen Brownlee, Kammerloher hergehoben sein; und Schäfer scheint mit ihrer Rolle stimmlich etwas überfordert, ist halt nicht ihr Fach, und dennoch kommt sie gut herüber: eine Erzschauspielerin.



Andre Sokolowski - 1. Juli 2008
ID 00000003911



DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Wagner am 29.06.08 (Deutsche Oper)
Musikalische Leitung: Jacques Lacombe
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühnenbild: Gisbert Jäke
Kostüme: Silke Willrett und Marc Weeger
Besetzung: Reinhard Hagen (Daland), Matthias Klink (Erik), Paul Kaufmann (Steuermann), Ricara Merbeth (Senta), Johan Reuter (Holländer) und Liane Keegan (Mary)
Chor und Statisterie der Deutschen Oper Berlin
(Choreinstudierung: William Spaulding)
Orchester der Deutschen Oper Berlin
http://www.deutscheoperberlin.de


IL TURCO IN ITALIA von Rossini am 30.06.08 (Staatsoper)
Musikalische Leitung: Constantinos Carydis
Inszenierung: David Alden
Bühnenbild: Paul Steinberg
Kostüme: Buki Shiff
Besetzung: Francesco Facini (Selim), Christine Schäfer (Donna Fiorilla), Renato Girolami (Don Geronio), Lawrence Brownlee (Don Narciso), Alfredo Daza (Prosdocimo), Katharina Kammerloher (Zaida) und Florian Hoffmann (Albazar)
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin
(Choreinstudierung: Beate Vollack)
Staatskapelle Berlin
http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de




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