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Feuilleton


23. September 2007, Premiere an der Komischen Oper Berlin

DIE FLEDERMAUS

Regie: Andreas Homoki


Wer hier wen besetzt, wird sich noch zeigen! Günter Papendell als Dr. Falke (links) bestimmt auf das Bestimmtste Karolina Gumos als Orlofsky (rechts), auch wenn sie hier den Anschein macht, der König aller Weine selbst zu sein. So oder ähnlich bleibt es nachzuprüfen in der jüngsten Inszenierung von Strauß-FLEDERMAUS an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus

Orlofsky ist 'ne Rättin

Im Voraus: DIE FLEDERMAUS des Harry Kupfer war und ist natürlich nicht zu toppen. Verve und Resolutheit und vor allem gute "neue" Dialoge (Textfassung von Genzel/Kupfer) zeichneten sie aus, erhielten ihr die unbedingte Frischnis die es braucht, um sich an diesem unsäglichen Operettenschinken rezipientendösig nicht zu überfressen oder gar zu übergeben. Vor noch nicht einmal drei Monaten sah man sie hier an diesem Haus das allerletzte Mal; da liefen längst die ersten Pröbchen für den jubiläumsspielzeitlichen Neuerguss... Die Frage also muss gestellt sein: Warum eine "neue" FLEDERMAUS, wenn doch die "alte" - sicherlich nicht nur nach meiner hundsgemeinen Singelsicht - die ungleich "bessere" im legendiven Nahhinein zu werden drohte?


60 Jahre Komische Oper Berlin! Und Gun-Brit Barkmin macht als Rosalinde einen dominanten Eindruck, aber nicht auf Christoph Späth, welcher als Alfred spielerisch und stimmlich auch nicht grad von schlechten Eltern ist - Foto (C) Monika Rittershaus


Intendantenregisseur Homoki - selbst, als er noch jung & schön war, Assistent bei Kupfer - kann selbstredend, freilich nicht in jedem Fall, als außerordentlich begabt, um nicht zu sagen schier begnadet gelten. Seine absolute Stärke ist Personenführung, ist im ganz besonders Krassen auch der choreografisch-handwerkliche Umgang mit dem Chor; ich wünschte mir ja schon seit Hunderten von Jahren, dass er endlich mal die MEISTERSINGER macht, ja, apropos, d a s wär es doch gewesen, dass er "die", also als echten Jubiläumshit im Hause an der Behrenstraße, glückhaft hergwuchtet haben würde, und obwohl "die" auch dann schon von Kupfer (auch dann sicher viel viel "besser") zum Vergleich gestanden haben würden. O, es ist schon schwer, mit solchen Ahnenflüchen irgendwie zurecht zu kommen; permanent und überall bedrängen einen diese Geister, und man wird sie irgendwie nur los, indem man alle Spuren um sie her beseitigt. Kinder, ist das Alles kindisch!! Und dabei gibt es so viele andre schöne Scheißhausoperetten, die man prächtigst hätte aus sich pressen können.

+ + +

Diesmal ist nichts Gegenstrichiges zu sehen. Die "Veränderungen" liegen im Detail. Der Bühnenaufbau Wolfgang Gussmann's im konformem Stück-Ambiente, nur dass Ballsaal und Gefängnis sozusagen weggestrichen sind, und Alles - also auch die Ballsaal- und Gefängnisszenen - privatesk als Party in der Wohnung Eisensteins erfolgen. Dramaturgisch macht die Sache unbedingten Sinn und ist auch einleuchtend wie klar:: Denn Dr. Falke, der sich für 'nen fiesen Partyspaß (er war als Fledermaus verkleidet stockbesoffen und zudem noch öffentlicher Weise ausgesetzt gewesen) an den alten Saufkumpanen Eisenstein jetzt rächen will, ist Cheforganisator/Strippenzieher dieses szenisch an- und ausgedachten Plottes insgesamt. Er holt sich von den leichten Tanzbärmausi's, "Ratten" auch genannt, ein ganz besonders dümmlich-radebrecht'sches Uroriginal, steckt es in Hosen, setzt ihm eine Schapka auf und... fertig ist der Prinz Orlofsky. Jener also, der 'nen Ball veranstaltet, und alle gehn dahin, auch Eisenstein, und Eisenstein wird kräftig an der Nase rumgeführt von allen Anderen, so auch von seiner eignen Frau etc. pp.

Die Aufführung gewinnt durch ihre Darsteller, allen voran Klaus Kuttler, der als Eisenstein vor allem komödiantisch (stolpert ständig und fällt dauernd auf das Schnauzerle) brilliert. So ungefähr auch Martin Winkler, der als Knastdirektor Frank die meiste Zeit auf allen Vieren hin- und herzurobben denkt, ein Brülleranblick über alle Stunden weg. Den manifestesten der Stimmeindrücke lieferte Natalie Karl, ihre Adele kann als hoffnungsvoller Vorbote für eine kehlkopfexzessiv sich im Artistischen bewegende Strauss-Zerbinetta gelten... wenn sie die mal nicht schon längst im eignen Repertoire auf Halde hat. Dagegen nahm sich Gun-Brit Barkmin's Rosalinde wie der aufbegehrlich hochgekäute Pressbrei einer Pellkartoffel aus, es klang fürwahr nicht herzlich. Christoph Späth als Alfred: Nonplusultra eines zweckdienlichen Operetten-Star-Tenors! / Dann dieses unerträglich langatmige und so endlos-sinnlos scheinende Gequatsche am Beginn des dritten Aufzugs. Warum streicht man diese sprechblasige Scheiße (Dialoge Frosch mit Frank) nicht einfach weg und schiebt stattdessen irgend etwas Schweinisches oder Frivoles ein, also was fürs Gemüt; mal nur so als Idee.
Und Markus Poschner, neuer GMD in Bremen, lässt sehr laut und schmissig musizieren. Ist zwar nix von Wiener Charme zu spüren, aber hält halt wacher als man denkt...

Die nächste FLEDERMAUS wünsche ich mir von Neuenfels.


Andre Sokolowski - red / 24. September 2007
ID 3450
Die "neue" Jubiläums-FLEDERMAUS an der Komischen Oper Berlin (im 60. Jahr ihres Bestehens)

Musikalische Leitung: Markus Poschner
Inszenierung: Andreas Homoki
Ausstattung: Wolfgang Gussmann
Besetzung: Klaus Kuttler (Eisenstein), Gun-Brit Barkmin (Rosalinde), Martin Winkler (Frank), Karolina Gumos (Orlofsky), Christoph Späth (Alfred), Günter Papendell (Dr. Falke), Thomas Ebenstein (Dr. Blind), Natalie Karl (Adele), Ida (Saskia Krispin), Peter Renz (Frosch)
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
(Choreinstudierung: Robert Heimann)
Orchester der Komischen Oper Berlin

Premiere an der Komischen Oper Berlin am 23. September 2007

Nächste Vorstellungen: 25. / 30. 9., 6. / 14. 10., 2. / 17. / 28. 11., 4. / 13. / 14. / 18. / 23. / 25. / 31. 12. 2007 sowie am 13. 1. und 27. 7 2008

Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-brlin.de





 
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