Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Feuilleton


21. November 2009, Premiere an der Deutschen Staatsoper Berlin

DIE FLEDERMAUS

dirigiert von Zubin Mehta


Christine Schäfer ist nicht tot zu kriegen - hier als die Adele in der neuen FLEDERMAUS an der Deutschen Staatsoper Berlin - - Foto (C) Ruth Walz

Rosalindes Schlussgiekser

Silvana Dussmann (Rosalinde) hat's schon drauf: Bei ihrem großen Cardas (Rosalindes Hauptauftritt im Zweiten Akt der FLEDERMAUS von Johann Strauß) verspürt der Hörer zwar die allergrößte Sorge, dass sie ihren rechten Ton, also nach anfänglicher Schieflage, um Gottes Willen wieder finden möge - macht sie ja dann auch - , doch insgesamt, also wenn man sich ihr gesamtes Aufgetretensein, in Gänze sozusagen, quasi aufaddierend, in Erinnerung benimmt, wird offensichtlich, dass sie doch ein echtes Ur-Weib, eine richtig bigge Mega-Rosalinde ist; sie kommt vor allem freilich auch als Sprecherin sehr mutterwitzig rüber; und ihr abschließlicher Giekser, also wenn dann Chor, Orchester und das ganze Zu-um-Volk in "Jubelnd wird Champagner der Erste sie genannt!" einfallend und sehr hochergüssig jubiliern, gerät zu einem tinnitusschrillernden Korkenknall...
Wie überhaupt der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin G-Punkt-Genauigkeit in alt bewährter Harmonie und Eintracht sektlaunig versprüht.

Und - sowieso und überdies - eine sich selbst mal wieder übertreffende und lichtalbhaftig musizierende Staatskapelle Berlin zu hören ist; sie wird, erstmals vom Graben aus, durch Zubin Mehta frohgelaunt geleitet.

Sonst noch irgendwen Besonderes vergessen?

Florian Hoffmann (Dr. Blind) versucht sich lustig und gelungen im "Charakterfach".

Christine Schäfer spielt und singt noch immer so, als wenn Adele (aktuelles Beispiel) eine ihrer ersten oder besten Rollen wäre; höhensicher, also im Prinzip, ja und obzwar ihr anzumerken ist, dass sie ein bisschen mehr als früher "kämpfen" muss, dass ihr ihre Koloraturen perlig-leicht gelingen...

Und Michael Mertens (Frosch) macht eine Ein-Mann-Show, die sich gewaschen hat.

Die Anderen; nun, geht so. (Der Orlofsky von Stella Grigorian klingt wie permanenter Schluckauf.)

*

Christian Pade und Oliver Binder haben eine neue Dialogfassung zur FLEDERMAUS gemacht. Sie witzelt ziemlich dröge. Sucht bemüht nach schmunzlerischen Querverweisen zur Finanzkrise. Und ist doch, also letzten Endes, eigentlich der letzte Husten...

Auch die Produktion an sich - Pade hatte Regievollmacht, und Alexander Lintl schuf die Ausstattung - hat ruhmentfernten Eindruck. Ist, trotz schrillster Farben und Gebäude, unmerklicher Weise ohngesichtig. Lax und lau in ihrem "unbeabsichtigten" Dünnpfiff.


MS Schrittmacher nennt sich die 13köpfige sympathische Tanztruppe von Martin Stiefermann, die der neuen FLEDERMAUS an der Deutschen Staatsoper Berlin konterkarierenden Schwung verleiht - Foto (C) Ruth Walz


Allenthalben kommt die fremdkörpernde Truppe MS Schrittmacher von Martin Stiefermann (Choreografie) gut oder nicht gut an, weil: Sie vermag am Besten zu vermitteln, wie stinklangweilig es ist, wenn junge Leute auf ein Hypo-Bank-Fest gehen oder quasi dorthin eingeladen worden sind; sie kehren justament die ungezog'nen Straßenkids mit Punkfrisuren raus; sie werden von den Bank-Fuzzies, die ihr finalestes Betriebsvergnügen zelebrieren, altersspeichelnd "aufgenommen" und "betatscht", ja und es ist schon offensichtlich, dass den ungezog'nen Straßenkids mit Punkfrisuren diese ganze Biederscheiße überhaupt nicht liegt, also sie tun dann so, als ob sie zu paar Polkas tanzen und sich einem vorgeprägten Pflegeheim-Geschmack dann anzugleichen mühen, doch in Wahrheit würden sie am Liebsten das Gesindel abfickender Weise in den Orkus wünschen... / War das abschließende Buhgewitter nun ein Beispiel'chen intolerantesten Befindens allgemeinster Güte in dem Paulicksaal? ich denke schon.

Fazit: Es macht nicht großen Sinn, das FLEDERMAUS-Stück immer wieder neuig zu erfinden. Denn es funktioniert ausschließlich nur im Aufzeigen des "Altbewährten", also zwischen Hilde Güden, Köth/Kmentt/Karajan sowie Hans Moser; Homoki - obgleich in unserm Forum unlängst hierfür abgemahnt - hat wohl die ungleich funktionierendere FLEDERMAUS im Hause nebenan, Komische Oper, handwerklich vollbracht... nur so mal als Vergleich.


Andre Sokolowski - red / 22. November 2009
ID 4464
www.andre-sokolowski.de



DIE FLEDERMAUS an der Deutschen Staatsoper Berlin (Premiere am 21.11.09)
Musikalische Leitung: Zubin Mehta
Inszenierung: Christian Pade
Bühnenbild | Kostüme: Alexander Lintl
Choreographie: Martin Stiefermann
Besetzung: Martin Gantner (Gabriel von Eisenstein), Silvana Dussmann (Rosalinde), Jochen Schmeckenbecher (Frank), Stella Grigorian (Prinz Orlofsky), Stephan Rügamer (Alfred), Roman Trekel (Dr. Falke), Florian Hoffmann (Dr. Blind), Christine Schäfer (Adele), Helene Grass (Ida) und Michael Maertens (Frosch)
Tanzkompanie MS Schrittmacher
http://www.msschrittmacher.de
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin
(Choreinstudierung: Eberhard Friedrich)
Staatskapelle Berlin


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de





 

THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ANTHOLOGIE

AUTORENTHEATERTAGE BERLIN

BAYREUTHER FESTSPIELE

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KRITIKEN

PORTRÄTS

PROMOTION

ROSINENPICKEN
Glossen zu Theater & Musik von Andre Sokolowski

TANZ IM AUGUST

THEATERTREFFEN

URAUFFÜHRUNGEN

WIENER FESTWOCHEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal



Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2016 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de