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Feuilleton


31. Januar 2009, Premiere an der Oper Leipzig

DON GIOVANNI

inszeniert von Werner Schroeter


Konstantin Gorny tröstet Jean Broekhuizen dafür, dass er (Don Giovanni) sie (Donna Elvira) eigentlich nicht richtig liebt - Foto (C) Andreas Birkigt

Kalla-Kelche im Kerzenschein

Die Ära Udo Zimmermann war janusköpfig: Denn das A-Gesicht versuchte, Internationalität an Leipzigs Oper zu staffieren; es gab keinen Regisseur von Weltrang, der sich "damals" nicht mal spaßenshalber an der Pleiße blicken lassen ließ - das B-Gesicht war ganz und gar nur biederbürgerliche Fratze; und man zeigte sich (sogar am eignen Hause) nicht gerade traurig, dass der Intendant nach dem Dezennium, dem er hier sehr deutlich seinen Stempel aufzudrücken wusste, endlich dann das Weite suchte... Jetzt, seit ein paar Jahren, ist nun alles wieder völlig anders; das Gewandhaus schmückt sich mit 'nem Weltstar als Kapellmeister; der (Chailly) hatte, wie er kam, erst mal den generellen Ehrgeiz, das Gewandhaus UND die Oper eigenständig, also künstlerisch, zu leiten; davon kam er wieder ab, es war ihm irgendwie zu viel; und nunmehr scheint die Oper Leipzig vor sich hin zu dümpeln, denn sie hat noch/wieder keinen Generalmusikdirektor - und das ändert auch nichts daran, dass sie den Konwitschny chefregiemäßig ans Haus gebunden hat; Peter Konwitschny müsste Indendant sein/werden, um hier eigenständiges Profil zu schaffen. Also halten wir so fest: Nach Leipzig in die Oper ab und an zu fahren, macht "nur" Sinn wegen des dort gastierenden Gewandhausorchesters! / Doch es gibt auch Regisseure, derentwegen man die kleine Reise von Berlin aus unternimmt, zum Beispiel: Werner Schroeter.


Szenenbild aus DON GIOVANNI an der Oper Leipzig - Foto (C) Andreas Birkigt

DON GIOVANNI, dieser etwas schlichtere Gegenentwurf zum FAUST - denn: Faust will wissen wollen; Don Giovanni letztlich liebend leben - , muss im Repertoire wichtiger Opernbühnen fest verankert sein. Hier, in L. E., zierte er (mit der COSI und dem FIGARO) den bis vor ein paar Jahren noch gehegten und gepflegten Da-Ponte-Zyklus des John Dew. Nun gibt es einen neuen DON GIOVANNI, und man holte den Alt-Film-Theater-Star aus Fassbinders und Alexander Kluges Umfeld...

Werner Schroeter hat ein Feeling für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein Beispiel nur: Im Zweiten Akt lässt er Donna Elvira (kongenial gespielt/gesungen von Jean Broekhuizen) auf allen Vieren an die Rampe robben. Sie ist (von Gesamt-Ausstatterin Alberta Barsacq) in die schicksten und die geilsten Fummel eingewickelt worden, also: sie sieht einfach toll aus. Kurze blonde Haarfrisur, trägt eine Sonnen- resp. Lesebrille, muss auf hochhackigen Pumps bzw. barfuß laufen, hat sehr tiefgründige Dekolletés, rundum stimmt alles an ihr, Aussehen UND Stimme... also noch mal:: Robbt auf allen Vieren an die Rampe! Ihre Größe und ihr Selbstbewusstsein wurden oder werden auf das Markerschütterlichste durch die nicht im Eins-zu-Eins erwiderte "Echt-Liebe" des Giovanni, der sie doch nur vögeln wollte/will, nihilisiert. Wer kennt diesen Verlust an Menschenstolz wohl nicht, wenn einseitig geliebt, aber die Liebe nicht erwidert wird...

Ansonsten spielt sich alles meistens dann im Dunkeln ab. Es könnte eine Art von Totenhalle oder Krematorium sein; die weißen Kalla-Kelche an den Wänden schließen schon darauf, auch dieses kreisrunde sowie herab wie hoch zu fahrende Gelass... als wenn ein Sarg mit Inhalt, also das, was still und leise zu verabschieden gedacht gewesen wäre (daher die Idee der Totenhalle), darauf lagerte. Und viele Kerzenleuchter, dreiarmige, werden raus und rein getragen; es sind extra hierfür Kleinstatisten engagiert. Doch sie (die Kerzenleuchter) bringen nicht viel Licht in diesen dunklen, depressiven Raum; auch macht der Zugwind einige der Kerzen immer wieder aus, bevor sie dann von einem der paar Kleinstatisten wieder angezündet werden usf. // Nicht günstig für die Augen oder das Gemüt. Für Schlafdrangige - und das Publikum im Saal, wie ich so sah, bestand doch 50 pro aus Leuten, die die letzten beiden Kriege noch in life er- oder überlebten - einen Grund wohl mehr, die Augen zwischendurch mal zuzuschließen.

Musikalisch hinterließen alle Frauen dieser Aufführung einen besonders starken Eindruck: Allzuvörderst, also hinter der Elvira von Jean Broekhuizen, muss die Doppelspitze Donna Anna eine Ersterwähnung finden, denn: Elaine Alvarez, die erkältet war, musste sich kurzfristig von Malin Byström's Stimme helfen lassen, heißt: die Eine spielte und die Andre sang; es funktionierte gut. Und auch Susanna Andersson (Zerlina) kam sehr lustig an. / Die Männerriege: geht so. // Dirigiert wurde von Sebastien Rouland. Er machte einen durchsichtigen Mozart. Und das Gewandhausorchester Leipzig spielte so wie ihm geheißen wurde: schlank und spritzig.

Viel viel Beifall, keine Buhs.


Hinterließ den markantesten Eindruck am Premierenabend: Jean Broekhuizen als Donna Elvira in dem neuen DON GIOVANNI an der Oper Leipzig - Foto (C) Andreas Birkigt


DON GIOVANNI an der Oper Leipzig (31.01.2009)
Musikalische Leitung: Sébastian Rouland
Inszenierung: Werner Schroeter
Ausstattung: Alberte Barsacq
Besetzung: Konstantin Gorny (Don Giovanni), Malin Byström für Elaine Alvarez (Donna Anna), Tiberius Simu (Don Ottavio), Hidekazur Tsumaya (Komtur), Jean Broekhuizen (Donna Elvira), Tuomas Pursio (Ledporello), Roman Astakhov (Masetto), Susanna Andersson (Zerlina)
Chor und Komparserie der Oper Leipzig
Choreinstudierung: Sören Eckhoff
Gewandhausorchester Leipzig


Andre Sokolowski - red. / 2. Februar 2009 http://www.andre-sokolowski.de
ID 4185

Weitere Infos siehe auch: http://www.oper-leipzig.de





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