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Komische Oper Berlin, Premiere am 28. Mai 2006

DER GOLDENE HAHN

Ein reines Märchen von Nikolai A. Rimski-Korsakow
Libretto von Wladimir I. Belski

Deutsche Nachdichtung von Reinhold Andert und Werner Hintze

Carsten Sabrowski (Zar Dodon) lässt sich von Valentina Farcas (Königin von Schemacha) ins Südseereich entführen. Oder nehmen beide Drogen?? - Foto (C) Komische Oper Berlin



Ha(h)nebüchenes

Was hat Andreas Homoki dazu bewogen, Rimski-Korsakows DER GOLDENE HAHN auf die Bühne der Komischen Oper Berlin zu bringen? Im neuesten Programmheft lässt er es uns wissen. DER GOLDENE HAHN nämlich wäre "eine wunderbare Parabel auf die zeitlose Dreifaltigkeit von Dummheit, Faulheit und Eitelkeit". Allein, der Plot des Werkleins ist von völlig anderem, viel nichtssagenderem Kaliber als erwartet:
Ein Zar Dodon kriegt von einem Astrologen einen goldnen Hahn geschenkt. Der kräht ihm bei Gefahr was vor. Die Schlachten gehn verloren, und die beiden Zarensöhne gehen dabei drauf. Und eine Königin von Schemacha fällt in Zar Dodons Lande ein, erklärt sie für erobert. Doch der Astrologe, jener Goldhahnschenker, fordert selbige im Nu für sich als Preis... obwohl das Alles so am Anfang der Geschichte gar nicht ausgemacht gewesen war.
Homokis Inszenierung (Ausstattung von Hartmut Meyer / Mechthild Seipel) kann das Blödmachende dieses Letztlingswerks von Rimski-Korsakow nicht aus dem Wege räumen. Auch verschleiern nicht. Auch nicht - nein, ausgerechnet auch nicht - mittels einer deutschen "Neudeutung" des Belski'schen Librettos = "unsre Lage ist gefährlich, und der Hahn kräht unaufhörlich", "ja, das Kräh'n berechtigt, unsre Feinde sind sehr mächtig", "wozu haben wir Geschütze, also her mit der Haubitze", "nichts zu hören, nur die blöden Leute stören" haben sich Ex-Liedermacher Reinhold Andert und der ihn im Dramaturgischen womöglich unterstützt habende Werner Hintze einfalln lassen - um ein paar der Beispiele neudeutschen Knittelverstums diesbezüglich anzubringen. Nein, das war und ist nicht hilfreich, einem Werk Bedeutung zu verleihen, das es eigentlich nicht hat.
Gesungen wird sehr unterschiedlich. Wohl am überzeugendsten von Valentina Farcas (Königin von Schemacha). Diane Pilcher (als Amelfa) und James Creswell (General Polkan) klingen recht ordentlich. Carsten Sabrowski (Zar) klingt auch recht ordentlich, obgleich sein Ton ein bisschen flacher als bei allen andern ist. Jochen Kowalski (Astrologe) letzterdings verblüfft ganz desaströs: der Ex-Star Harry Kupfers scheint am Ende seiner Stimmkraft angelangt zu sein.
Nicht unkritisch sehen wir Michail Jurowski dirigieren; der vorauseilende resp. hinterherhinkende Chor gerät ihm hin und wieder aus dem Auge. Das Orchester allerdings spielt gut wie eh und je.

Verstörender Gesamteindruck.


Andre Sokolowski - red. / 31. Mai 2006
ID 2427
www.andre-sokolowski.de


Premiere an der Komische Oper Berlin am 28. Mai 2006

DER GOLDENE HAHN
Ein reines Märchen von Nikolai A. Rimski-Korsakow
Libretto von Wladimir I. Belski
Deutsche Nachdichtung von Reinhold Andert und Werner Hintze

Musikalische Leitung: Michail Jurowski
Inszenierung: Andreas Homoki
Bühnenbild: Hartmut Meyer
Kostüme: Mechthild Seipel

Premierenbesetzung:
Zar Dodon ... Carsten Sabrowski
Prinz Gwidon ... Thomas Ebenstein
Prinz Afron ... Nanco de Vries
General Polkan ... James Creswell
Amelfa ... Diane Pilcher
Der Astrologe ... Jochen Kowalski
Die Königin von Schemacha ... Valentina Farcas
Die Stimme des goldenen Hahns ... Mirka Wagner

Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
(Choreinstudierung: Robert Heimann)


Nächste Vorstellungen am 3., 9., 11., 24. Juni sowie am 8., 19. Juli 2006

Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de






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