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Claude Debussy | PELLEAS ET MELISANDE (halbszenisch)


Angelika Kirchschlager & Simon Keenlyside als Pelleas & Melisande bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen - Osterfestspiele Salzburg (C) 2006 Bernd Uhlig


Claudio Abbado hatte, als er vor paar Jahren Parsifal mit den Berliner Philharmonikern zu einer teil-szenischen konzertanten Aufführung verstylte, den "Orchestergraben" im Scharoun-Bau öffnen lassen. Das galt einmalig als Sensation. Noch nie zuvor in der Geschichte dieses Hauses wurde je auf diese Möglichkeit zurückgegriffen. Und der Klang war überraschend: etwas leiser, dafür aber um so wärmer und kompakter, Töne flossen quasi aus dem Unterholz nach oben zu den überwältigend in ihrer Textverständlichkeit vortragenden Solisten.

Hatte man sich an die divergent tönende Sicht von Simon Rattle nach und nach gewöhnen können, wurde einem spätestens im dritten, allerspätestens jedoch im vierten Akt von Debussys Pelléas et Melisande voll bewusst, wie schöner noch und "günstiger" denn eigentlich eine Verfrachtung der Berliner Philharmoniker hinab ins warmhaltende Holzbett - jenem legendär zu öffnenden "Orchestergraben" - hätte werden können: Allzu aufgebraust-exzentrisch, fast schon aggressiv erfüllte sich dann doch die ganze Pralligkeit und Wucht der exzessivsten, allenfalls an Wagners Tristan angelehnten Stellen dieser insgesamt als markerschütternd zu bezeichnenden Gesamtdarbietung jenes Wunderwerks "voll blauer Dunkelheit".

Welch irrwitzige Handlung: Wird ein Mädchen - niemand weiß, woher es kam und was es von wem wollte; niemand wird es niemals je erfahren - aufgegriffen von den Händen eines depressiven Manns im besten Alter, welcher es dann mit zu sich nach Hause führt. Einem Zuhause, wo die Sonne niemals scheint und wo das Meer vom Schatten hoher Felsen oder tausend Jahre alter Bäume in sich kaltet. Dessen Stiefbruder sich, mehr durch einen bändlerischen Zufall, in das unbekannte Wesen sexuell versteigt. Und wo die aufkeimende (scheinbar) grenzenlose Liebe in die Katastrophe aller Haupt- und Mitbeteiligten einer so gar nicht nachvollziehbaren Verführungswoge schnellt.

Der optische Gesichtspunkt dieser konzertanten Darbietung - wenige Tage vorher waren die Beteiligten bereits im Großen Festspielhaus von Salzburg zu den diesjährigen Osterfestspielen versammelt - wird in vorderlichster Subpräsenz durch Kirchschlager (die Melisande) eingenommen. Sie agiert im gleichen roten Kleid (Kostümentwurf: Fernandez), was sie dann auch Ostern (Inszenierung: Nordey) trug. Die Herren um sie her mehr oder weniger in allgemeinster Fracklaune.


Benebelnd und ergreiflerisch.


Andre Sokolowski - 23. April 2006
ID 2356


PELLEAS ET MELISANDE (Philharmonie Berlin, 21.04.2006)
Mélisande ... Angelika Kirchschlager
Arkel ... Robert Lloyd
Pelléas ... Simon Keenlyside
Golaud ... Laurent Naouri
Geneviève ... Anna Larsson
Yniold ... Solist des Tölzer Knabenchores (aber wer?)
Arzt ... Guillaume Antoine
Mitglieder des Rundfunkchores Berlin
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Sir Simon Rattle
Weiterer Termin: 23. 4. 2006



Infos unter: http://www.berliner-philharmoniker.de

http://www.osterfestspiele-salzburg.at



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