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Wiederaufnahme

Deutschen Oper Berlin / 15. Mai 2005

Aribert Reimann: Das Schloss



Kafka lesen im Schnee

Das Schloss von Aribert Reimann (nach Kafkas letztem Roman) ist - dreizehn Jahre nach seiner Uraufführung - an die Deutsche Oper Berlin zurückgekehrt. Und das einzige Ärgernis dieser sensationellen Großproduktion von Willy Decker (Regie) und Wolfgang Gussmann (Ausstattung) sind ihre selbstzerstörerischen Umbaupausen, denn durch sie werden nicht nur die eisig-schönen Zwischenspiele, die für mich zum musikalisch Einprägsamsten dieser durchkomponierten Partitur gehören, aufs Brutalste abgeschnitten, durchgehauen... und es lässt sich schwerlich vorstellen, ob das im Sinne des Erfinders war; der anwesende Komponist nahm zwar den opulenten Schlussapplaus sichtlich gerührt entgegen; doch ein echter Eingriff in sein Werk, eine Beschädigung aufs Unsensibelste, um es zurückhaltend zu formulieren, dürfte das am Ende schon gewesen sein.



Foto: kranichphoto / Deutsche Oper Berlin


Ansonsten: Diese Inszenierung bringt ein Stimmungsbild herüber, was nicht kongenialer scheinen könnte. So in etwa war mir jedes Mal "zumute", wenn ich Kafka las. Die Farben schwarz und weiß, die Kafkas grauschattige Welt bevölkernden Gestalten wie aus Ton und Erdklumpen geformt. Protagonistisches (Personen / Ort der Handlung) sind bei Decker-Gussmann allenthalben durch die schönen abstehenden Ohren Kafkas (siehe den sich stimmlich fast verausgabenden und in Allem so genialen David Pittmann-Jennings!) oder nebulöser Weise statisch da; das Schloss befindet sich inmitten eines schneebefall'nen riesigen Zylinders, und ein wesentlicher Unterschied zum Buch - hier ist das Schloss partout vorhanden, K. wie Kafka hat es alle Zeit prospektartig parat, es schwebt konkret als Schlossbau in und über ihm - besteht darin, dass es "nur noch" und "lediglich" als instanzielle Oberebene, die mittels eines unendlichen Treppenganges zu erreichen wäre, dient. Und nicht vielmehr lässt sich auch zur Geschichte formulieren: K. ist Landvermesser, und er will sich unterm Schloss als Landvermesser fortverdingen, und er scheitert am Instanzenweg, und K. will daher hoch ins Schloss hinauf und stolpert über Tausende von Mittelsleuten, und er stürzt zum Schluss in eine Fallgrube, die exklusiv für ihn unter dem Schloss längst angelegt gewesen war.

Zum Musikalischen: Gesungen wird auf Höchstniveau! Ute Walther (die Olga der Uraufführung) hat eine der zentralen Frauenrollen, die der Wirtin, übernommen. Ich kenne Ute Walther noch von ihrer Rosenkavalier-Zeit aus Dresden, da hatte ich sie als Octavian, vorher noch als Komponisten (Ariadne auf Naxos), erlebt; damals war sie schon eine der Besten ihres Faches; jetzt und heute ist sie über sich hinausgewachsen, ihre Monologausbrüche gegen K. sind das Beeindruckendste dieses Abends, exzessiver Jubel, und zu Recht, für sie!!

Das Schloss ist noch vier Mal in dieser Spielzeit zu erleben: 19., 25. Mai sowie 3., 8. Juni. Am 25. und 28. September sowie am 1. Oktober kommen dann drei weitere Aufführungen dazu; dann kann man es für schlappe 30 oder 20 EURO (Sonderpreise zu den Tagen der zeitgenössischen Oper) sehen: Unbedingt hingehen!!!!!


Andre Sokolowski - 16. Mai 2005
ID 1892
Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de



 
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