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Ballett-Kritik

7. Dezember 2008 - Uraufführung des Staatsballetts Berlin

CARAVAGGIO



Gestyltes Stilleben frei nach dem Caravaggio, der dem gleichnamigen Tanzstück Mauro Bigonzettis eine Art von Vorbild war - Foto (C) Enrico Nawrath



Von den Sternen in die Gosse?


Nichts von dem (s. o.) - und statt dessen bloß ein riesengroßer, meistens leerer Bilderrahmen. In ihm selbst, dem (meistens) leeren Bilderrahmen, manches Mal paar stilisierte "Nachbildungen" der den Choreografen für sein Tanzstück inspiriert habenden Caravaggio'schen Gemälde; hart am Kitsch gebaut, mitunter mitten drin!!

Aber das Grauenhafteste an diesem altbackenen Abend - einer Vorstellung wie für "Seniorentunten" (wie ein namhafter, zu meiner Rechten sich befunden habender Ballettkritiker süfisant bemerken ließ) - war die zu hörende Musik "nach Claudio Monteverdi".

Dass mir keine Missverständnisse hier aufkommen: Denn an der Staatskapelle Berlin lag es sicher nicht, nein, die spielte "herrlich-klassisch" und war, wie gewohnt, die allerfeinste Sahne dieser Vorstellung dann überhaupt - doch was ihr hier, also in ihrem eignen Haus, von Komponist Bruno Moretti vorgesetzt war, halte ich für eine weihnachtsmarktig anmutende Zumutung der absoluten Sonderklasse.

Hält man es für möglich? Hatte hier nicht in den letzten vier, fünf Jahren ein die internationale Fachwelt schier in Atem haltender Zyklus von Monteverdi-Opern seine spielerische Heimstatt, hier an diesem Hause: Staatsoper Unter den Linden?? War es nicht der "Altmeister" des Genres, René Jacobs, der der Monteverdi'schen Musik mit seinen Produktionen durch die "alten" Truppen, also der Akademie für Alte Musik Berlin zum Beispiel, interpretatorisch Maßstäbe, wie man so sagt, verliehen hatte???

Und dann so was hier:

Im Stile einer Leopold Stokowski-artigen Verkitschung nachweislicher Weise alter, um nicht gar zu sagen "ältester" Musik, kommt uns der Komponist Bruno Moretti so des Weges, um der Staatskapelle diesen süß-gefällig, schwülstig-abgeschmackten Notenbrei auf ihre Notenpulte hinzutuben. Was für ein anachronistisches Debakel!!!

Warum konnte sich der Choreograf - heißt Mauro Bigonzetti - nicht etwa auf die Originalmusik zurückbereichern lassen? Warum dieser völlig sinnlos scheinende Kompositionsauftrag (es war doch einer, oder??)???

Fragen über Fragen, die wahrscheinlich bis ins Ökonomische der Anstalt Staatsballett Berlin gereichen könnten, oder etwa nicht?????

Mit Caravaggio also ist das Tanzstück überschrieben.

Aber weder "Stern" noch "Gosse" kommen in der reich bebilderten Geschichte um den Maler mit der zwielichtigen Vita (soll sogar als Totschläger bekannt sein) vor.

Und Vladimir Malakhov - der Startänzer und Intendant des Staatsballetts Berlin - kommt zwar sehr gut in seinen sparsamen Bewegungen herüber; doch man kann nicht deuten, wen er eigentlich nun richtig spielt: ob Caravaggio oder/und Ranuccio (Caravaggios Liebsten); höchstwahrscheinlich beides, ist schon klar, doch die uns vorgeführte Handlung tut das keinesfalls, und logisch ganz zu allerletzt, entschlüsseln... also wenn man es nicht vorher, bildungsbürgerhaftig, weiß.

Getanzt wird freilich durchweg gut, um nicht zu sagen exklusiv-brillant.

Schöne Momente auch: Der allerschönste und mich fast zu Tränen aufgewühlt habende - dieses Pas de trois kurz vor der Pause; eine zeitlose Geschichte, so: Ein Paar, er/sie, welches sich liebt; ein Dritter leidet sehr darunter, weil er sie/ihn ebenfalls dann liebt; aber der Eine ist vom Anderen bereits besetzt; was tun? Melancholie und Trauer. Und zu dritt erlitten. Wie das wahre Leben halt so spielt.

Gigantisch war der Jubel für die Tänzer.

Ein besonders überengagierter Enthusiast im vorgeschrittnen Alter warf dann eimerweise Blumen aus der Richtung der Proszenniumsloge auf die Bühne, und man fragte sich besorgt: wer war denn das? War das nicht etwa Vierthaler??

Natürlich nicht.


Andre Sokolowski - 8. Dezember 2008
ID 4131

CARAVAGGIO (Staatsoper Unter den Linden, 07.12.2008)
Choreografie: Mauro Bigonzetti
Bühne und Licht: Carlo Cerri
Kostüme: Kristopher Millar & Louis Swandale
Besetzung: Vladimir Malakhov, Polina Semionova, Beatrice Knop, Mikhail Kaniskin, Dmitry Semionov, Elisa Carrillo Cabrera, Shoko Nakamura, Michael Banzhaf, Leonard Jakovina u. v. a.
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Paul Connelly
Uraufführung war am 7. Dezember 2008
Weitere Termine: 9., 12., 13., 15. + 26. 12. 2008 | 3. 1.; 16., 19. + 23. 4. 2009

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsballett-berlin.de




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