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Feuilleton


Oper Köln, 17. Mai 2007

Billy Budd

von Benjamin Britten


Douglas Nasrawi, Miljenko Turk | © Klaus Lefebvre, www.theaterphotos.de

Der Raum, den ein Schiff bietet, ist beengt. Da bleiben Konflikte nicht aus, besonders, wenn ein striktes Regiment herrscht, wie es auf dem Kriegsschiff mit dem Namen „Indomitable“ der Fall ist. Ständig wittern die Offiziere die Gefahr einer Meuterei und sorgen dafür, dass der Großteil der Mannschaft mit Knüppeln in Schach gehalten wird. Nur der Kapitän steht bei allen hoch im Ansehen, sein strategisches Geschick im Kampf gegen die verhassten Franzosen wird allgemein bewundert. Dennoch kann auch dieser gewissermaßen über alles erhabene Kapitän Edward Fairfax Vere nicht verhindern, dass auf seinem Schiff ein junger, stotternder Matrose einer Intrige zum Opfer fällt und hingerichtet wird.

Billy Budd, eben jener Matrose, ist die Verkörperung des freundlichen, fröhlichen und guten Menschen – weshalb er die Aggression seine Vorgesetzten John Claggart auf sich zieht. Dieser beschuldigt ihn der Anstiftung zur Meuterei. Vere durchschaut die fälschliche Anschuldigung, aber als Budd Claggart mit einem Fausthieb tötet, haben die Offiziere des Schiffs keine andere Möglichkeit, als Budd nach dem Kriegsrecht zum Tod durch den Strang zu verurteilen.


Anthony Sandle, Musa Nkuna, Miljenko Turk | © Klaus Lefebvre, www.theaterphotos.de


In Willy Deckers Inszenierung und Wolfgang Gussmanns Ausstattung, jetzt wieder an der Oper Köln zu sehen, spielen sich alle diese Geschehnisse auf weißgestrichenen Planken ab, die in der Bühnenmitte vom Zuschauer weg zum Bug zusammenlaufen. Von oben ist der Ausguck zu hören, aber nicht zu sehen. Ebenso wenig sieht man den Feind, dem das Kriegsschiff im immer dichter werdenden Nebel nachsetzt. Dafür bauen sich die Männer vis-à-vis zum Publikum auf und schwenken bedrohlich ihre Flaggen. Dunkle Wände können heruntergelassen werden und versperren den Ausblick auf Bug und Horizont. Die Bühne fällt zum Publikum hin etwas ab, die Besatzung muss sich also immer auf einer Schräge bewegen. Die Kapitänskajüte ist karg: ein paar Stühle, ein Tisch und zwei gekreuzte Flaggen an der Wand.

Decker und sein Ausstatter aktualisieren des Stück nicht. Die Handlung spielt 1797 während des englisch-französischen Seekriegs und dementsprechend tragen die Beteiligten auf der Bühne historische Uniformen. Die Kostüme erleichtern zudem die Zuordnung der Figuren: Billy Budd trägt als einziger einen strahlend weißen Matrosenanzug, während alle anderen eher praktisches Blaugrau oder dunkle bzw. weißblaue Uniform tragen. Claggert kommt in schwarzer Uniform daher. Die Farbzuteilung ist also recht eindeutig. Markant ist auch die Lichtführung von Hans Toelstedt: Häufig ist es düster, vor allem, wenn es um den Kapitän geht. Er wird oft nur von einem Scheinwerfer von der Seite beleuchtet, so dass sein Gesicht immer teilweise im Dunkeln ist. Auch ist seine Kajüte dunkel und wird erst dann heller, wenn andere sie betreten.


Dieter Schweikart, Samuel Youn, Andrew Collis, Douglas Nasrawi | © Klaus Lefebvre, www.theaterphotos.de


Aus dem gut aufgelegten Ensemble ist Johannes von Duisburgs John Claggart hervorzuheben. Er macht sowohl optisch als auch stimmlich mit seinem wohlklingenden Bass-Bariton eine gute Figur. Überzeugend ringt er mit eine Weile sich, bevor er zu dem Schluss kommt, dass er Billy Budd vernichten muss. Miljenko Turk zeigt sein ganzes Können in seiner sehr bewegenden Abschiedsarie, die er ganz für sich allein gefesselt im Schiffsrumpf singt. Das Orchester unter Enrico Dovico präsentierte sich bei der besuchten Aufführung gut disponiert. Eigentlich unverständlich, dass diese Oper, die so wunderbare Musik zu bieten hat, sich beim Publikum offensichtlich keiner großen Beliebtheit erfreut – zumindest waren Parkett und Ränge des Kölner Opernhaus am Abend der besuchten Vorstellung nicht besonders gut gefüllt.
Bei alledem muss jedoch auch angemerkt werden, dass die Wiederaufnahme etwas sorgfältiger hätte gearbeitet werden können. Da streckt ein aufgegriffener Kaufmann im ersten Akt schon mal vorsorglich die Arme nach hinten, weil er gleich abgeführt werden soll, aber es findet sich zunächst niemand, der diese Arme ergreifen will. Vor allem zu Beginn wirken viele Szenen von Mannschaft und Anpeitschern nicht sonderlich bedrohlich, weil die Präzision der Schläge fehlt bzw. es am Timing mangelt. Auffällig ist auch der häufige Blickkontakt zum Dirigenten bei allen Beteiligten. Eher Künstlerpech ist es da wohl, dass die rechte vordere Seitentür gerne wieder zufällt, nachdem Douglas Nasrawi, der Edward Fairfax Vere dieser Inszenierung, sie geöffnet hat. Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil hinter ihr der einzige Scheinwerfer steht, der in diesem Moment Licht auf die Bühne wirft.


Karoline Bendig - red / 17. Mai 2007
ID 3230
Billy Budd
Benjamin Britten

Oper in zwei Akten

Text von Edward Morgan Forster und Eric John Crozier
nach einer Erzählung von Herman Melville
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Enrico Dovico
Inszenierung: Willy Decker
Bühne und Kostüme: Wolfgang Gussmann
Chor: Andrew Ollivant
Licht: Hans Toelstede

Edward Fairfax Vere: Douglas Nasrawi
Billy Budd: Miljenko Turk
John Claggart: Johannes von Duisburg
Mr. Redburn: Samuel Youn
Mr. Flint: Andrew Collis
Leutnant Ratcliff: Dieter Schweikart
Red Whiskers: Johannes Preißinger
Donald: Julian Krüper
Dansker: Ulrich Hielscher
Der Neuling: Musa Nkuna
Squeak: Martin Finke
Mr. Bosun: Orlando Mason
1. Maat: David Pichlmaier
2. Maat: Raphael Schwarzer
Maintop: Andrés Felipe Orozco-Martínez
Freund des Neulings: Anthony Sandle
Arthur Jones: Werner Sindemann

Wiederaufnahme am 05.05.2007, weitere Termine am: 17., 19., 25., 27. Mai

Weitere Infos siehe auch: http://www.buehnenkoeln.de/buehnenlite/operlite/index.htm





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