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Musical

Von Männerliebe und Mascara – La Cage aux Folles in der Berliner Bar jeder Vernunft



© Stefan Fähler

Im Musical wird’s immer dann spannend, wenn das bunte Karussell an Fahrt verliert und man die kleinen Risse im Lack der Pferdchen sehen kann. Höchst anrührend können solche Augenblicke sein. Und entlarvend. Weil sie zeigen, wie schön unperfekt das ganze Leben ist – selbst auf der Bühne. Die Melancholie ist das Pfund, mit dem die heit’re Muse wuchern kann: Eine Tiefe im vermeintlich Flachen. Zaza ist so ein altes Zirkuspferd, welches im La Cage aux Folles emsig seine Runden dreht. Sie legt ein bisschen mehr Mascara auf, auch um zu vertuschen, dass der Lack schon lange ab ist. Zaza heißt eigentlich Albin und lebt seit vielen Jahren mit Georges zusammen, dem Clubbesitzer. Zwei Männer, richtig - so what? Damit lockt man doch in Berlin - und nicht nur hier - keine Katze mehr hinterm Ofen vor. Glücklicherweise hat sich die Bar jeder Vernunft für den Regisseur Bernd Mottl entschieden. Und dieser schafft Momente, die einem regelrecht ans Herz greifen…

Wenn man das Spiegelzelt betritt, ist man quasi schon drin, im Käfig voller Narren. Bühnenbildner Friedrich Eggert hat sich neben der verlängerten Showbühne auch ein goldenes Vogelbauer einfallen lassen, in welchem das Publikum Platz nimmt. Zunächst denkt man: Mmmh, wäre die Produktion im deutlich größeren Tipi nicht besser aufgehoben? Dann aber treten Peter Rühring und Hannes Fischer auf - und man zieht diese Frage sofort wieder zurück. Die beiden geben zwei wirklich bezaubernde Partner ab. Und man sieht eben alles: jede Schweißperle, jede hoch rutschende Augenbraue, ja, selbst jedes kleine Zucken um die Mundwinkel. Die Regie hat aus Georges und Albin ein zusammen alt gewordenes Homopärchen gemacht, das sich nichts mehr beweisen muss, dem Harmonie und Zärtlichkeit das Wichtigste im Leben ist. Großartig etwa die Szene, wenn beide in einem Penis-Schwan einander Händchen halten.

Auch die übrige Besetzung kann sich sehen lassen: Sebastian Stert ist ein smarter Jean-Michel; Nell Pietrzyk wandelt sich als Anne vom Backfisch zur selbstbewussten Braut; Jacqueline Macaulay tanzt sich als Marie Dindon gewissermaßen frei; Romanus Fuhrmann gibt den Edouard Dindon als cholerischen Moralapostel; der Jacob von Fausto Israel ist die personifizierte Lebensfreude, und die Cagelles Chantal (Johannes Brüssau), Hanna (Christoph Jonas), Mercedes (Vanni Viscusi) und Phaedra (Jurriaan Bles) besorgen uns die nötige Dosis an schriller Erotik. Die beste Röhre des Abends gehört freilich der eifrig strahlenden und als Jaqueline völlig unterforderten Carry Sass. Mit Hammondorgel, Schlagwerk, Bässen spielen Jo Roloff und seine Jungs, was das Zeug hält.




La Cage aux Folles in der Bar jeder Vernunft - Foto (C) Adrienne Gerhäuser



Bewertung:    

Heiko Schon - 15. März 2014
ID 7674
LA CAGE AUX FOLLES (Bar jeder Vernunft, 12.3.2014)
Musikalische Leitung und Arrangements: Johannes Roloff
Musikalische Einstudierung: Matthias Binner
Regie: Bernd Mottl
Choreographie: Otto Pichler
Bühnenbild: Friedrich Eggert
Kostümbild: Falk Bauer
Maske: Timo Pfaff
Dramaturgie: Jutta von den Driesch
Besetzung:
Georges … Peter Rühring
Albin/Zaza … Hannes Fischer
Jean-Michel … Sebastian Stert
Marie Dindon … Jacqueline Macaulay
Edouard Dindon … Romanus Fuhrmann
Anne … Nell Pietrzyk
Jacob … Fausto Israel
Jaqueline … Carry Sass
Chantal … Johannes Brüssau
Hanna … Christoph Jonas
Mercedes … Vanni Viscusi
Phaedra … Jurriaan Bles
Premiere war am 1. März 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.bar-jeder-vernunft.de


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