Kunst, Fotografie & Neue Medien
Musik
Literatur
Theater
Filme, Kino & TV
Kultur, Geschichte & Wissenschaft
Poltitk, Gesellschaft & Umwelt
 
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
 
Veranstaltungskalender
Ausschreibungen

Websponsoring?


KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Feuilleton


1. Juni 2008, Premiere an der Deutschen Staatsoper Berlin

Händels BELSHAZZAR

Mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin

Dirigent: René Jacobs

Bejun Mehta gibt den Perserkönig Cyrus in dem an der Deutschen Staatsoper Berlin szenisch gebotnen Händel-Oratorium BELSHAZZAR - Foto (C) Monika Rittershaus



Entrümpelungen?!

Fiel mir, gleich als Erstes, noch bevor dann überhaupt der Vorhang, hinter dem sich zu Beginn ein paar der Mitwirkenden aus dem Dunkel-Off der Ouvertüre abverabschiedeten, richtig hoch gehoben worden war, der Name Christoph Schlingensief spontaner Weise ein - zu Recht, wie ich nach Abverlauf dieser drei quälend langweiligen Stunden insistieren musste, denn: Es hätte eines Regisseurs seines Kalibers irgendhin bedurft, der diesem babylonischen und überanspruchsvollen Stücktext habhaft hätte werden müssen, mittels (Schlingensief'scher) Bilderfluten, beispielsweise, oder mittels irgendetwas anderem... aber auf jeden Fall nicht so, so derart hilf- und leblos, wie es Christof Nel mit Händels BELSHAZZAR zu tun versuchte und woran die Produktion, vom Optischen gesehen, so grandios wie überraschend scheiterte!

Im - so wie stets - superb gestalteten Programmbuch liest es sich an eingehender Stelle so: "Den Handlungsrahmen bildet nun in der Tat der Übergang der Weltherrschaft von den Babyloniern zu den Persern. Die Nacht des Festmahls ist die Nacht, in der Babylon von Kyros erobert wird. Diese Eroberung ist zugleich eine Befreiung. Die Juden werden aus der fünfzigjährigen babylonischen Gefangenschaft und das babylonische Volk von einem Tyrannen befreit. So mag sich wohl auch George W. Bush seine Rolle im Irak gedacht haben. " (Jan Assmann)


Szenenoptik aus der Deutschen Staatsoper Berlin: Denn Kenneth Tarver muss als BELSHAZZAR sehr böse Augen machen, dass er seine Feinde hübsch erschrickt, allein der RIAS Kammerchor zeigt sich von diesen plumpen Gesten nicht sehr groß beeindruckt, und obgleich er gestisch freilich nur so tut... - Foto (C) Monika Rittershaus


Trefflich beschrieben und sehr zeitgemäß geschlossen - - aber leider leider nichts, aber auch überhaupt nichts dann, von alledem in der so gestisch herbemühten Aufführung von Nel (Regie) mit Aeschlimann & Walter (Ausstattung); es sieht halt allzu dürftig, um nicht gar zu sagen dümmlich aus, wenn Belshazzar mit großen bösen Augen und 'nem Hackebeilchen hin und her und hoch und runter läuft, ein paar gelenkige Statisten Handräder an seiner Seite schlagen und der Chor bedeutsam mit den Händen wedelt...
Apropos der Chor (konkret der RIAS Kammerchor): Der ließ das Ganze, wenigstens dann, nicht zur absouten Pleite werden, denn: Es ist "nicht nur" eine seit Jahren und Jahrzehnten schon im sog. Alten Fach perfekt agierende Gesangs- sondern sogar - was hier, in Ansätzen dann allerdings nur, spürbar wurde - Spielvereinigung. Mit andern Worten: Können nicht nur singen, sondern auch - wenn man sie richtig ließe - spielen!

René Jacobs leitete die Akademie fü Alte Musik Berlin.

* * *


Und über diesen BELSHAZZAR, worüber man, sobald er (hoffentlich) bald wieder abgesetzt sein würde, keinen Satz mehr spricht, gibt es weit Spannenderes aus der Lindenoper gegenwärtig zu berichten:

Die Ereignisse - bishin zum Umbau, der 2010 endlich beginnt - scheinen sich aufgeheizt zu überschlagen. Exintendant Mussbach hat bereits das Weite gesucht, Ronald H. Adler ist als "Zwischenlösung" (Operndirektor) installiert, Barenboim ist mit der Staatskapelle auf Lateinamerikatournee, Klaus Roth hat den Architekturwettbewerb um den neuen Zuschauersaal gewonnen, Opernstiftungschef Rosinski (& GMD Barenboim) wollen ihn = den neuen Roth-Saal, Opernförderkreis, Senatsmitglieder sowie andre einflussreiche Mäzenaten woll'n ihn nicht; und sie verwechseln permanent den von der DDR in ihrem Sinn historisierten Umbau (Paulik-Lösung 1951) mit dem Knobelsdorff'schen Original... auf dass es einem schwindlig würde.


Merke!! Wer sich d i e Gelegenheit - ein neuer Saal im alten Bau - entgehen lässt, dem ist fürwahr nicht mehr zu helfen. Wenn ihr Altmod'ler es weiterhin "historisch" haben wollt - in Potsdam, ein paar Kilometer nur von hier entfernt, gibt es das Schlosstheater im Neuen Palais, zum Beispiel. Da geht hin und lasst euch puttig inspirieren.

Fakt: Berlin kriegte mit diesem Saalneubau einen der schönsten, funktionierendsten und idealst klingenden Opernsäle dieser Welt!!!


Andre Sokolowski - red / 3. Juni 2008
ID 00000003863
www.andre-sokolowski.de
oder Linie:

Händels BELSHAZZAR - an der Berliner Lindenoper

Musikalische Leitung: René Jacobs
Inszenierung: Christof Nel
Bühnenbild: Roland Aeschlimann
Kostüme: Bettina Walter
Personen und ihre Darsteller:
Belshazzar ... Kenneth Tarver
Nitocris ... Rosemary Joshua
Cyrus ... Bejun Mehta
Daniel ... Kristina Hammarström
Gobryas ... Neal Davies
Akademie für Alte Musik Berlin
RIAS-Kammerchor

Premiere an der Deutschen Staatsoper Berlin: 1. Juni 2008

Nächste Vorstellungen: 03. | 06. | 07. | 10. Juni 2008

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de





THEATER Inhalt:

Kurzmeldungen 2012
News und Infos

Porträts

Interviews

Feuilleton
Rezensionen u. a.

Rosinenpicken
Glossen zu Theater & Musik von Andre Sokolowski


Aktuelle Veranstaltung:
Leipzig: Gruppenvorstellung der Juniorcompany 11. Juni 2012

Veranstaltungs-Kalender
Termine können auch selbst hinzugefügt werden!


Aktuelle Ausschreibung:
div.: Kultur- Ausschreibungen & Fortbildungsangebote

Ausschreibungen
Termine können auch selbst hinzugefügt werden!


[Home] [Kunst] [Musik] [Literatur] [Theater] [Celluloid] [Extra] [Panorama] [Veranstaltungskalender] [Ausschreibungen]

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 2000-2012 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign & -programierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de