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AUTORENTHEATERTAGE BERLIN 2013


12. Juni 2013, AUTORENTHEATERTAGE BERLIN

SCHATTEN (EURYDIKE SAGT)

von Elfriede Jelinek


Liebe machte hin und wieder dämlich, wenn sie nicht erwidert würde wie das die Verliebten wollten - ja und eigentlich ist/wird sie daher wohl auch meistens einseitig "verstanden". Es fängt an mit Liebeskummer, und es steigerte sich ungünstigstenfalls in eine sog. Liebeskrankheit; und was lesen wir hierüber: "Die Liebeskrankheit ist eine durch unerfüllte Liebe verursachte körperliche Krankheit" oder so [s. Wikipedia]


* * *


Elfriede Jelinek - in Sachen Liebesdinge seit Jahrzehnten eine desentimentalisierende und also mahnende Instanz - legt der Eurydike, als die sie gleichsam in dem Riesenmonologstück Schatten autorial hervorlukt, diese Worte in den Mund: "Das Größte aber ist, nicht geliebt zu werden und nicht zu lieben." Und so steht es also Rot auf Schwarz als knallhaft rausfiltriertes Motto und Zitat auf dem Programmbuchdeckel zu der Wiener Burgtheater-Erstaufführung ihres schon im Juni letzten Jahres in der Philharmonie Essen von Johanna Wokalek ur-aufgesprochnen Textes.

Burgtheaterchef Matthias Hartmann hatte inszeniert und die Eurydike mit Elisabeth Augustin, Brigitta Furgler, Sabine Haupt, Alexandra Henkel, Katharina Lorenz, Christiane von Poelnitz und Yohanna Schwertfeger versiebenfacht. Hinzu bestimmte er den Schauspieler und Sänger Lucas Gregorowicz, dass der dann versinnbildlichend diesen Orpheus, der ja allgemein-bekannter Maßen das Eurydike-Pendant ist, mimte; und der sang dann auch gleich vor Beginn der Aufführung sowas wie 'Kummer, Tränen, sie ist nicht mehr da' o. s. ä. - was nichts andres heißen sollte als dass er (ein Künstler, der er nun mal ist) seinen Phantomschmerz durch Gesang und also künstlerische Kreativität zu kompensieren in der Lage wäre... Letzten Endes wurden, in DEM Kontext, die Versiebenfachten zur persönlichkeits- und seelenlosen Mädchenhorde, die den Sänger kreischend-kreißend anhimmelten und der Umwelt derart nervend auf die Ketten gingen!

Hochgenial (so wie die Jelinek'sche Vorlage) zudem dann diese szenische Idee hier:

Puppenspieler Nikolaus Habjan saß etwas links vor offner Bühne und hantierte rechterseits mit einem physisch-lebensgroßen Konterfei Elfriede Jelineks, die über ihrem Typoskript, welches sie aufgeschlagen auf den Knieen hielt, der hinter oder neben ihr ablaufenden Performance beiwohnte und unablässig ihre Lesebrille auf- und absetzte oder mit ihren Haaren spielte; alles Das bewerkstelligte Habjan dann mit seiner linken Hand. Und besser noch: Er streute dann von sich aus passende Zitate (die die Jelinek als Kommentierende des eignen Textes zu erkennen gaben) mittels seiner eignen Stimme, die dem Jelinek'schen Sound nicht unähnlich klang, ein. So schien unsre Autorin höchstpersönlich mit vor Ort!

Ringsum im Publikum erkenn- und spürbar, dass die radikalen Aussagen der österreichischen Nobelpreisträgerin auch dieses Mal nicht jeder Mann, vor allem aber nicht jeder Frau Sache waren.

Aber Jelinek hat trotzdem immer Recht!!




Schatten (Eurydike sagt) von Elfriede Jelinek - Fotoquelle: Burgtheater Wien (C) Reinhard Werner



Bewertung:    


Andre Sokolowski - 13. Juni 2013
ID 6841
SCHATTEN (EURYDIKE SAGT) / Deutsches Theater Berlin, 12.06.2013
Regie: Matthias Hartmann
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Tina Kloempken
Musik: Karsten Riedel und Lucas Gregorowicz
Dramaturgie: Amely Joana Haag
Besetzung:
Elisabeth Augustin, Brigitta Furgler, Sabine Haupt, Alexandra Henkel, Katharina Lorenz, Christiane von Poelnitz, Yohanna Schwertfeger, Lucas Gregorowicz und der Puppenspieler Nikolaus Habjan
Erstaufführung der Theaterfassung am Burgtheater Wien (Akademietheater) war am 17. Januar 2013
Gastspiel des Burgtheaters Wien zu den AUTORENTHEATERTAGEN BERLIN


Weitere Infos siehe auch: http://www.burgtheater.at


http://www.andre-sokolowski.de



 

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