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Tanz


Trauer tanzen



Delay the Sadness von und mit Sharon Eyal Dance | Foto © Vitali Akimov

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Acht Tänzer in hautfarbenen Trikots schreiten synchron mit kleinen, kurzen und zackigen Bewegungen über die Bühne des Kölner Schauspielhauses. Zeigefinger ihrer erhobenen Hände sind gestreckt, wie ein ritueller Verweis. Sie spreizen die Finger weit voneinander ab. Zeitweise lässt sich die dicht beieinander agierende Formation wie ein einziger wogender Organismus wahrnehmen. Eine Akteurin fällt aus der Reihe. Sie greift sich an den Hals und hält ihre Hand über den Mund, eine schmerzvolle Geste des Erstickens oder Innehaltens. Wellenartige Synthesizer-Strukturen und hämmernde Beats weiten sich unerbittlich aus. Verwobene Chorgesänge und solistische Gesangseinlagen treiben hypnotisch das Geschehen an.

In ihrer etwa 55-minütigen Choreografie Delay the Sadness (uraufgeführt 2025 bei der RUHRTRIENNALE) arbeitet die Choreografin Sharon Eyal mit einer tranceartigen Bewegungssprache zu elektronischer Musik von dem Produzenten und DJ Josef Laimon. Die heute 55-jährige Eyal widmete das Stück ihrer Mutter Adina, die 2023 verstarb, und thematisiert Verlust und Erinnerung. Die Trauerarbeit spiegelt sich in einer verletzlichen und zugleich technisch präzisen Körpersprache wider.

Das Ensemble bewegt sich über weite Strecken biegsam auf Zehenspitzen mit tief gebeugten Knien und einem stark nach vorne gelehnten Oberkörper. Dies verleiht den Figuren eine besondere Fragilität. Das Vokabular greift animalische Elemente und skulpturale Posen auf. Die Abläufe changieren zwischen Kontrolliertheit und Ausbrüchen, etwa wenn sich Duette aus der Formation lösen. Im Hintergrund pulsiert im Halbdunkel die restliche Gruppe. Lichtdesigner Alon Cohen arbeitet stark mit Helligkeitsstufen und Kontrasten aus absolutem Schwarz und harten Spotlights. Die Tänzer tauchen mitunter aus dem Dunkel auf, was als ein Erinnern und Vergessen gedeutet werden kann.

Paare kreisen zwar physisch intim umeinander, erscheinen gleichzeitig aber auch distanziert. Eine Gestik des gegenseitigen Stützens, Haltens und Dialogs deutet eine emotionale Aufgeladenheit an. Tänzer legen ihre Köpfe auf angewinkelte Arme, was das Tragen einer gegenseitigen Last symbolisiert. Zwischen dem repetitiven Flattern der Arme und dem starren Stützen des weiblichen Rückens durch männliche Partner entfaltet sich ein Totentanz, der den Moment des Abschieds und die einhergehende Bitternis physisch greifbar macht. Solisten reihen sich bald wieder in die Menge ein. Mit technischer Präzision übersetzt Eyal den Schmerz über das Vergänglichsein in eine kraftvolle, berührende Ästhetik.



Delay the Sadness von und mit Sharon Eyal Dance | Foto © Vitali Akimov

Ansgar Skoda - 29. Oktober 2026
ID 16118
https://www.sharoneyaldance.com/en/home


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