Empor
kriechende
Schatten
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Antigone von Sophokles - am Schauspiel Frankfurt | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Bewertung:
Normen geraten miteinander in Konflikt, eine Ordnung scheint schicksalhaft verletzt. Die antike Tragödie Antigone von Sophokles von ca. 441 v.Chr. wirft grundlegende Gewissensfragen auf. Selen Karas Frankfurter Inszenierung zeigt in schemenhaften, intensiven und kraftvollen Bildern gesellschaftliche und familiäre Konstrukte ohne Sicherheit. Das sparsame, aber effektvoll mit monumentalen Lichtröhren und Wandelementen ausgestattete Bühnenbild von Lydia Merkel passt zu den dezenten, schwarzen Kostümen von Anna Maria Schories. Auch männliche Akteure treten in langen Kleidern auf. Alle Figuren tragen weißblonde Langhaarperücken.
Antigone (Annie Nowak) übertritt ein Gebot des Herrschers Kreon (Arash Nayebbandi). Sie besteht darauf, ihren Bruder Polyneikes, der als Landesverräter gilt, zu bestatten. Sie wird von Kreon und dem Chor angehört. Antigone verteidigt sich unnachgiebig dafür, dass sie das System Kreons unterlaufen hat. Sie begehrt auf, doch ihre Handlungsräume sind begrenzt. Insbesondere das Innenleben und der Konflikt Antigones berühren. Annie Nowak schreitet als Antigone in einer Zerrissenheit, verloren und suchend, sichtlich beeinträchtigt mit Gehhilfen, dahin.
Ismene (Tanja Merlin Graf) zeigt sich solidarisch mit ihrer Schwester Antigone, wird jedoch von dieser vor Kreon gedemütigt. Eindringlich leisten Miguel Klein Medina in der Rolle des Haimon, Sohn Kreons und Verlobter der Antigone, und Michael Schütz als blinder Seher Teiresias, der im Sinne des Wohles des Volkes spricht, Überzeugungsarbeit. Sie setzen sich in starken Auftritten für das Schicksal Antigones ein. Kreon, der Korruption und Verrat wittert, hält an dem Todesurteil über Antigone zunächst fest. In der isolierten Einzelhaft, lebendig in einer Höhle eingemauert, begegnet Antigone der Geist ihrer verstorbenen Mutter Iokaste (Katharina Linder). Es wird die vielschichtige Bindung der beiden wirkungsvoll und intim beleuchtet. Kreon hingegen beginnt zu zweifeln, wird unsicher und schwankt in seinem Urteil über Antigone. Er befragt sein Gewissen hinsichtlich ihrer Bestrafung. In der Schlussszene leuchten von der Bühnendecke fallende Flocken von Staub oder Schnee im sterilen Geschehen.
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Inhaltlich scheint das Publikum von der mit 75-minütiger Spielzeit kurzweiligen Produktion mitunter überfordert. Die schwer zu fassenden, dicht vorgetragenen Worte werden oft direkt nach vorne zum Publikum hin gesprochen. Sie sind selten leicht zu mögen oder zu verstehen, eröffnen jedoch wirkungsvoll existentielle Fragen. Die Übersetzung der antiken Tragödie durch Simon Werle wurde um Texte aus dem Drama Ich, Antigone (2024) von Anna Gschnitzer erweitert. Musikalische Einsprengsel, wie wiederholt von verschiedenen Akteuren gesungene Tonfolgen einer bekannten Melodie, beleben langatmige, altertümlich anmutende Verse.
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Antigone am Schauspiel Frankfurt | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Ansgar Skoda - 17. Januar 2026 ID 15654
ANTIGONE (Schauspiel Frankfurt, 14.01.2026)
von Sophokles
Regie: Selen Kara
Bühne: Lydia Merkel
Kostüme: Anna Maria Schories
Musik: Torsten Kindermann und Uğur Köse
Dramaturgie: Alexander Leiffheidt
Licht: Marcel Heyde
Mit: Annie Nowak, Arash Nayebbandi, Miguel Klein Medina, Michael Schütz, Katharina Linder und Tanja Merlin Graf
Premiere war am 20. September 2025.
Weitere Termine: 29.01./ 01., 13., 20., 28.02.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspielfrankfurt.de
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