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Poppiges

Triptychon



Der Menschenfeind am Thalia Theater Hamburg | Foto (C) Armin Smailovic

Bewertung:    



Dass die Regisseurin Jette Steckel gern verstärkt Live-Musik und Video in ihren Inszenierungen verwendet, ist bekannt. Für ihre Inszenierung der 1666 uraufgeführten Komödie Der Menschenfeind von Molière hat sie für das THALIA THEATER HAMBURG einen dreigeteilten Abend mit Konzert, Film und Theaterstück entworfen. Die Premiere des sogenannten Triptychons fand im August bei den Salzburger Festspielen statt. Seit September steht die Produktion nun auch auf dem Spielplan des Thalia Theater.

Das Publikum erwarten innerhalb der 2:15 Stunden nacheinander ein Hip-Hop-Konzert mit der Livemusik von Matthias Jakisic an E-Geige und Schlagwerk, den Texten vom Hamburger Musiker UWE und Ole Lagerpusch als rappendem Dichter Oronte. Danach ein schnelles, animiertes Videofilmchen über die Oberflächlichkeit der digitalen Kommunikation per leer tanzenden Kurznachrichtenfeldern und Kotz-Smiley. Und nach etwa 30 Minuten noch das eigentliche Stück von Molière, in dem der Idealist Alceste nach dem moralischen Anspruch lebt, ohne Heuchelei und Lügen auszukommen.

Eine zugegeben recht autistische und sehr provokante Art der kompromisslosen Kommunikation, bei der der selbsternannte „Menschenfeind“ gesellschaftliche Konventionen missachtend bei seinen Mitmenschen eher auf Unverständnis stößt. Er hält jegliches Lob für geheuchelt und spart nicht mit sattem Tadel, als ihn der Dichter Oronte um seine ehrliche Meinung zu einem Stückchen Gereimten bittet. André Szymanski gibt seinen Alceste sehr beredt und entschieden apodiktisch. Kostümbildnerin Pauline Hüners hat ihn in einen braunen Rock mit Jackett gesteckt. Er ist farblich gesehen den anderen Figuren damit klar im Nachteil. Hier trumpft jeder mit eigenem Farbesprit mal zitronengelb, veilchenblau, oberginenviolett, zartrosa oder rosenrot. Alcestes Angebetete Célimene (Maja Schöne) erscheint in hellem Pastellton. In ihrem Gefolge sind die bunten Vögel Acaste (Cino Djavid) und Clitandre (Camill Jammal), zwei eitle Höflinge, und Éliante (Cathérine Seifert), die Cousine von Célimene, die in Alceste verliebt ist und wiederum von dessen Freund Philinte (Barbara Nüsse) geliebt wird.

In einem offen Leuchtkasten (Bühne: Florian Lösche) begegnen sich diese Figuren zum offenen Schlagabtausch über die Fragen nach absoluter Wahrheit oder Heuchelei wie in einer Art Arena, was man sehr gut an der Begegnung der freiheitsliebenden Célimene mit der Moral predigenden Arsinoé (Lisa Hagmeister) erkennen kann. Ein ordentlicher Zickenkrieg, bei dem es durchaus auch körperlich wird. Der Clou des Abends ist, dass ein Teil des Publikums auf einer Tribüne direkt auf der Bühne sitzend das aus nächster Nähe miterleben kann. Aber auch im Saal wird zur Livemusik gerockt. Das Beziehungsdrama, das auch im Stück steckt, kommt dabei nicht zu kurz. Liebesschwüre, Verwünschungen und intrigante Briefe wechseln in hohem Tempo die Besitzer. Der hohe Anspruch nach radikaler Ehrlichkeit steht Alcéste in seiner Eifersucht im Weg und lässt ihn am Ende ebenso scheitern wie die Selbstdarsteller Acaste und Clitandre, denen von den Frauen eine Lektion erteilt wird. Da gibt es noch einen Apell für die Schönheit und Freiheit der Liebe ins Publikum. Was in dieser Art mitreißendem Spiel angekommen sein dürfte. Ansonsten kommt der unterhaltsame Abend inhaltlich nicht so ganz über seinen Eventcharakter hinaus.



Der Menschenfeind am Thalia Theater Hamburg | Foto (C) Armin Smailovic

Stefan Bock - 19. Oktober 2026
ID 16104
DER MENSCHENFEIND (Thalia Theater, 17.10.2026)
Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Komposition und Live-Musik: Matthias Jakisic
Lyrics & Songwriting: UWE
Choreografie: Yohan Stegli
Sounddesign: Mark Badur
Videodesign: Malwine Mangold-Volk und Zaza Rusadze
Lichtdesign: Paulus Vogt und Doria Worden
Dramaturgie: David Heiligers
Besetzung:
Alceste ... André Szymanski
Philinte ... Barbara Nüsse
Oronte ... Ole Lagerpusch
Célimène ... Maja Schöne
Éliante ... Cathérine Seifert
Arsinoé ... Lisa Hagmeister
Acaste ... Cino Djavid
Clitandre ... Camill Jammal
Premiere bei den SALZBURGER FESTSPIELEN: 15.08.2026
Hamburger Premier: 18. September 2026
Weitere Termine: 24., 30.10./ 03., 08.11./ 08., 26.12.2026// 16., 24.02./ 18.03./ 22.04.2027


Weitere Infos siehe auch: https://www.thalia-theater.de


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