Launiges
Sommertheater
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Bewertung:
Das freie Potsdamer THEATER POETENPACK besteht seit 1999. Seit 2016 bespielt es auch jedes Jahr im Juli mit seinem vielfältigen Repertoire aus Eigenproduktionen das historische Heckentheater am Neuen Palais im Park Sanssouci. In diesem Jahr steht mal nicht Shakespeare oder Molière, aber mit Anton Tschechows Der Kirschgarten dennoch ein bekannter Klassiker des internationalen Theaterkanons auf dem Programm. Die Inszenierung besorgte Andreas Hueck, der künstlerische Leiter des THEATERS POETENPACK.
Tschechows 1903 als Komödie geschriebenes Stück spiegelt uns eine Gesellschaft am Rande des Wandels, dem sich der russische Landadel, versunken in Erinnerungen an eine vergangene Zeit, permanent verweigert und am Ende vom aufkommenden Bürgertum abgelöst wird. Sinnbild dafür ist der titelgebende Kirschgarten, den die aus Paris zurückkehrende, hochverschuldete Gutsbesitzerin Ranjéwskaja bei einer Zwangsversteigerung an den reichen Kaufmann Lopachin verliert. Der ehemalige Sohn eines Leibeigenen lässt den Kirschgarten kurzerhand abholzen, um dort Ferienhäuser für Leute aus der Stadt zu errichten.
Regisseur Hueck hat das Stückpersonal auf neun tragende Rollen verkürzt, Der Musiker Arne Assmann begleitet den Abend mal schwungvoll, mal melancholisch an der Gitarre und dem Akkordeon. Da träumt das Ensemble auch mal bei fast 40° C im Schatten von „einem Land, wo immer Frühling ist“. Der Song der deutschen Singer-Songwriterin Soffi bricht hier vor der Pause die vorherrschende Melancholie auf, auch wenn sich zum Ende hin der Himmel wieder merklich verdüstert. Wie ein drohender Gewitterguss liegt die bevorstehende Versteigerung des Kirschgartens in der Luft. Die Ranjéwskaja (Gundi-Anna Schick) und ihr Bruder Gajew (Teo Vadersen) ignorieren ein ums andere Mal die Warnungen und Vorschläge Lopachins (Stefan Wilde). Ein Schlagabtausch, der nie ganz auf Augenhöhe abläuft und doch den späteren Sieger schon ahnen lässt. „Die Macht des Geldes zeigt sich als resistente Konstante.“
Der Tschechow-Plot wird hier leicht gekürzt sauber vom Blatt gespielt. Auch Gajews Lobrede auf einen hundertjährigen Bücherschrank (hier eine Truhe) darf nicht fehlen. Man lebt auf dem Gut noch ganz in der Vergangenheit und hängt an alten Besitztümern. Und auch der alte Diner Firs (Willi Händler) spricht viel von früher, obwohl ihm keiner mehr zuhören will. Kurzzeitig aufgewühlt wird das Geschehen durch den Dauerstudenten Trofimow (Eneko Sanz), der der Ranjéwskaja und ihrer Entourage vorwirft, „Internierte im Haus des Wohlstands“ zu sein. Die ihn liebende Anja (Alexandra Maria Johannknecht) schlägt sich auf seine Seite, findet aber ebenso wie ihre Schwester Warja (Marie Luise Stahl) nicht ihr Glück in der Liebe. Die Diskussion über Ideale, andere Lebenskonzepte und ob es sich noch zu kämpfen lohnt, wird von der ständigen Sorge ums Geld übertönt. Da werden 200 Rubel, um die der junge Diener Jascha (Max Kroll) die Ranjéwskaja anbettelt, schon Grund zu Missvergnügen. Eher sorglos bewegt sich dagegen die Gouvernante Scharlótta (Mirja Henking) mit Tanz und Zaubertricks durch den Abend.
Die auf einer Terrasse angelegte Bühne im Heckentheater ist nach hinten offen ins Grüne und von Janet Kirsten mit mehreren offenstehenden Türen ausgestattet worden. Nach der Pause teilt sich die Bühne in die Feiergesellschaft hinter den Türen und einen Vorraum mit Tischen, an denen die fast endlosen Diskussionen um die ungewisse Zukunft und die Versteigerung des Kirschgartens weitergehen. Die Nachricht des Verkaufs an Lopachin schlägt dann wie der Blitz des aufkommenden Hitzegewitters ein. Wer erleben will, ob am Ende die Axt oder die Kettensäge (laut einem rbb-Vorbericht) angesetzt wird, hat noch bis Ende Juli Zeit, den sehr schön gelegenen Ort des Heckentheaters im Park Sanssouci zu besuchen.
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Der Kirschgarten mit dem Theater Poetenpack aus Potsdam | Foto (C) Anna Mydia
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Stefan Bock - 29. Juni 2026 ID 15926
DER KIRSCHGARTEN (Heckentheater Potsdam am Neuen Palais, 27.06.2026)
Regie: Andreas Hueck
Regieassistenz: Claudia Manthey
Dramaturgie: Willi Händler und Leonie Rinze
Bühnenbild und Kostüme: Janet Kirsten
Musik: Arne Assmann
Mit: Gundi-Anna Schick, Alexandra Maria Johannknecht, Marie Luise Stahl, Teo Vadersen / Ralph Sählbrandt, Stefan Wilde, Eneko Sanz, Mirja Henking, Max Kroll, Willi Händler und Arne Assmann
Premiere in Potsdam war am 25. Juni 2026.
Weitere Termine: 02.-04., 23.-26, 30., 31.07./ 01.08.2026 (im Heckentheater Potsdam), 05.-09., 12.-16.08.2026 (im Garten der Möllenvogtei Magdeburg)
Eine Produktion des THEATERS POETENPACK
Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-poetenpack.de
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