Kosmische Weiten in den Schatten gestellt
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Bewertung:
Die Freiheitsstatue wehrt sich gegen Trump und hält sich die Ohren zu. Ein Dschinn entfleucht Aladins Wunderlampe. Schnecken bewegen sich langsam auf die Arche Noah zu. Dann ist da noch ein Heißluftballon gestrandet, um in wenigen Tagen um die Welt zu segeln. Mit ihren Körperbewegungen werfen Tänzer Schatten, die Illusionen erzeugen und so Geschichten erzählen.
Auf der Bonner Opernbühne entstehen auf einer zentral positionierten Leinwand Naturbilder aus Silhouetten. Die Darsteller agieren dabei verborgen hinter der lichtdurchlässigen Projektionsfläche. Komplex greifen visuelle Effekte, Schattentanz und Akrobatik ineinander. Flinker Fingereinsatz verkörpert flatternde Vögel, zusammengekauerte Rücken gestalten Elefanten, Nilpferde oder Wale. Die Haarzöpfe der Akteurinnen werden zu Tierschwänzen.
Während ihrer Show Moving Shadows: On Fire kombiniert das Kölner Ensemble Die Mobilés eine dynamische Lichtführung, Körperbeherrschung und ausgewählte Requisiten. Die acht Künstler treten oft aktiv auf den Lichtstrahl zu oder begeben sich in die Tiefe des Raumes. Größe, Schärfe und Formen der Schatten verändern sich dadurch. Die Schattenwürfe wirken dabei oft fast plastisch und dreidimensional. Mitunter erglimmen Lichter und Lampen hinter der Leinwand.
Während des Events wird nicht gesprochen. Die fortwährende Interaktion der Darsteller wird durch einen atmosphärisch abwechslungsreichen Musik-Mix erweitert, der die Phantasie der Zuschauenden anregt. Neben bekannten Schlagern wie „Heal the World“ von Michael Jackson oder Helene Fischers „Atemlos“ klingen auch weniger bekannte Melodien oder Songs wie „Frisör“ von Thomas D. wirkungsvoll an: „Haare, Haare, den ganzen Tag Haare“.
Pulsierende Bewegungen formen unmittelbar und präzise unerwartete Szenerien. Mitunter werden in originellen Wendungen auch unaufgeregt humorvolle Schelmengeschichten erzählt. Die Abläufe, in denen sich die fünf Frauen und drei Männer bewegen, funktionieren und harmonieren. In einem faszinierenden Bilderbogen feiern die Schattenwürfe die Schönheit von Tieren, Orten und Dingen. Gesten lassen dabei vielfältige Facetten durchscheinen.
Die Show, ein vom Bonner Kleinkunst-Theater Springmaus veranstaltetes Gastspiel, ist über Generationen und Grenzen hinweg verständlich. Die Künstler präsentieren gegen Ende diskret, wie die faszinierende Bildermixtur live arrangiert wird. Ein anregender Abend voller visueller Gags und punktgenauer Dynamik.
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Moving Shadows - On Fire | Foto © Michaela Koehler-Schaer
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Ansgar Skoda - 2. April 2026 ID 15786
Weitere Infos siehe auch: https://www.mobile-theater.de
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