Der Zauberer
von Öz
von Akın Emanuel Şipal
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Bewertung:
Fußball und Theater schließen sich nicht unbedingt aus. Erst recht nicht während einer laufenden Fußball-Weltmeisterschaft. Das DT hat schon früher immer wieder Fußballspiele bei den AUTOR:INNENTHEATERTAGEN in der Bar übertragen. Aber ob nun Peng! Peng! Boateng!, wie eine erfolgreiche Produktion im Berliner Heimathafen hieß, oder das Stück Der Zauberer von Öz - Eine Fußballtragödie von Akın Emanuel Şipal (35), mit dem das Theater Bremen bei den diesjährigen ATT gastiert, migrantische Geschichten über bekannte Fußballstars ziehen das Publikum an, besonders, wenn diese so umstritten wie der 1988 in Gelsenkirchen geborene Mesut Özil sind. Vom FC Schalke über Werder Bremen bis zu Real Madrid und Arsenal London verlief die Karriere des türkischstämmigen Ballzauberers. Aber vor allem Fotos mit Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Erdogan brachten dem 92-maligen deutschen Nationalspieler, der 2014 mit Deutschland in Brasilien auch Weltmeister wurde, schlechte Presse und so einige Shitstorms ein. Ein Fußballspieler mit Nähe zu den Mächtigen der Politik, da dürfte Özil nicht der einzige sein. Nur das es mit Erdogan wohl der falsche war, was Özil neben einem Tattoo der rechtsextremen Grauen Wölfe und dem Teilen einer Landkarte auf X, auf der Israel durchgestrichen und durch Palästina ersetzt wurde, in der deutschen Presse und sozialen Medien gewaltig auf den Fuß fiel.
Der Absturz begann 2018 nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde bei der WM in Russland. Vor allem Mesut Özil stand bei ehemaligen deutschen Nationalspielern und Fußballexperten heftig in der Kritik. Özil erklärte seinen Rücktritt und zog sich nach Istanbul zurück, wo er noch für türkische Vereine kickte, bis er Erdogans AKP beitrat. „My job is a football player and not a politician“, ist eine Aussage Özils. Aber vor allem warf er den Deutschen Rassismus vor und dass er unter die Räder „des Streitwagens der Migrationspolitik“ geraten sei. Das und mehr kann man auch im Stück des in Essen geborenen Akın Emanuel Şipal hören. Der ehemalige Gorki-Schauspieler Aram Tafreshian hat es als bunte, lautstarke Fußballkomödie in Bremen, einem Wirkungsort Özils, uraufgeführt. Das ziemlich große Stück-Ensemble ist dabei relativ divers aufgestellt was Alter, Geschlecht und migrantischen Hintergrund betrifft. Wer allerdings nicht besonders fußballaffin ist, dürfte etwas Problem haben, inhaltlich zu folgen.
Das Stück besteht zum größten Teil aus Traumsequenzen, in denen dem Stück-Mesut historische und aktuelle Fußballgrößen wie die legendären Ernst Kuzorra und Ernst Szepan aus der Schalker Blütezeit während des Nationalsozialismus oder die türkischen Nationalspieler Yildiray Bastürk und die Altintop-Brüder begegnen und ihm gute Ratschläge erteilen, oder Vorwürfe machen. „Europa will uns immer ficken, Mesut.“ Der Abend beginnt aber mit einem erklärenden Exkurs von Live-Musikerin Ella Olivia Bender Semerci in die Regeln der Fotografie. Die Abseitsregel wird dankenswerterweise nicht erklärt, was den Spaß auch für fußballferne Schichten des Bildungsbürgertums erträglich machen dürfte. Von den Anfängen in der Schalker Fußballjugend über die ersten Erfolge in Bremen bis zu den von seinem Vater eingefädelten Verträgen mit Real Madrid und Arsenal London kann das Publikum den Werdegang des Fußballspielers auf der von Susanne Brendel als grünes Maisfeld (siehe Zauberer von Oz) gestalteten Bühne verfolgen. Viele Szenen werden auch mit kleinen Legomännchen vor Livekamera gespielt und auf eine Videoleinwand übertragen. Eine ironische Medienschlacht plus goldenem Bambi für Integration.
Manola Bertling überzeugt hier immer wieder als Vater und Berater, schwäbelnder Jogi Löw oder als Blechmann mit einem betrunkenen Lothar Matthäus als feiger Löwe im Schlepptau. Besonders die deutschen Fußballstars wie Uli Hoeneß, Stefan Effenberg, Mario Basler, Mats Hummels oder das „germanische Riesenbaby“ Manuel Neuer bekommen hier ihr Fett weg. Dem nicht genug bedient sich der Autor neben dem Märchenklassiker von Lyman Frank Baum auch noch bei Joanne K. Rowlings Harry Potter und lässt einen Goethe über den Islam schwadronieren. Dass der Fußballer Özil als Medienstar und -opfer zugleich auch immer eine positive wie negative Projektionsfigur war, klärt sich am Ende der recht chaotisch auseinanderfasernden Inszenierung in einer Parabel von zwei ungleichen türkischen Zwillingsschwestern. Da hat man dann aber eigentlich innerlich schon irgendwie weggezappt. Doch der Ball ist rund, und das Tor hat vier Ecken. Und irgendwie muss das zusammenkommen, oder so ähnlich.
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Die Zauberer von Öz am Theater Bremen | Foto (C) Jörg Landsberg
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Stefan Bock - 19. Juni 2026 ID 15911
DER ZAUBERER VON ÖZ (DT-Kammerspiele, 16.06.2026)
Eine Fußballtragödie von Akın Emanuel Şipal
Regie: Aram Tafreshian
Bühne und Kostüme: Susanne Brendel
Video: Rafael Ossami Saidy
Licht: Joachim Grindel
Musik: Ella Olivia Bender Semerci
Dramaturgie: Lea Goebel und Franziska Benack
Outside Eye: Marianne Seidler
Mit: Martin Baum, Manolo Bertling, Judith Goldberg, Lisa Guth, Sofia Iordanskaya, Ruben Sabel, Ella Olivia Bender Semerci, Seyrane Durdu, Kardelen Basnak, Arian Bünnagel, Yelda Dinc, Navin Felgendreher, Rainer Steinhaus, Asya Utku, Sumeyra Uygun, Bernd Wellbrock und Hans Gerog Ehmke
UA am Theater Bremen: 16. Oktober 2025
Gastspiel zu den Autor:innentheatertagen 2026
Weitere Infos siehe auch: https://theaterbremen.de
Post an Stefan Bock
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