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Premierenkritik

Verpixelt



Die Liebe zu drei Orangen an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Matthias Baus

Bewertung:    



An der Stuttgarter Oper hat ein Wechsel stattgefunden. Die Ära Jossi Wieler ist zu ende gegangen, mit Viktor Schoner hat sich eine deutlich andere Konzeption angemeldet. Das hat sich mit Herzog Blaubarts Burg angekündigt und jetzt mit Prokofjew bestätigt, dessen Oper nunmehr, artikellos (das Russische kennt keine Artikel), Die Liebe zu drei Orangen heißt. Die Inszenierungen von Jossi Wieler und seinem Dramaturgen und Koregisseur Sergio Morabito zeichneten sich durch eine diffizile, manchmal schwer entschlüsselbare Ausdeutung des Librettos, seiner Voraussetzungen und seines Kontextes aus. Sie waren stets das Ergebnis intellektueller Anstrengung, auf die die visuelle Umsetzung folgte.

Bei Axel Ranisch geht die Optik dem Stoff voraus. Der studierte Filmregisseur hatte einen Einfall, und den setzt er in der Liebe zu drei Orangen konsequent durch. Das hat seinen Reiz, und der stürmische Applaus, den er bei der Premiere erntete, zeigt, dass das Publikum die Bevorzugung des Auges gegenüber dem Gehirn durchaus schätzt. Nur: was Ranisch mit Prokofjew macht, hätte er mit fast jeder Oper machen können. Es gibt für just diese Ästhetik bei diesem ohnedies ungewöhnlichen Werk keine zwingende Notwendigkeit.

Ranischs Einfall: das Märchen, das der Italiener Carlo Gozzi im 18. Jahrhundert unter Nutzung der Formensprache der Commedia dell‘arte erfunden und der große russische Theateravantgardist Wsewolod Meyerhold Anfang des 20. Jahrhunderts bearbeitet hat und das in Stuttgart in deutscher Übersetzung mit Ausdrücken wie „Outfit“ gesungen wird, wird in Szene gesetzt als Computerspiel mit Figuren, die einer Playmobil-Sammlung entstiegen scheinen. Das bewegt sich irgendwo zwischen dem Wizard of Oz und Tolkiens Universum, aber nicht filmisch, sondern verpixelt. Das wird durchgehalten, bis Ninetta schließlich eine Orange gebiert. Was es mit den drei Orangen auf sich hat, interessiert Ranisch nicht. Er ist im strengsten Sinne ein Formalist. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber es bedeutet gegenüber Wieler und Morabito einen Wechsel. Dessen muss man sich beim Applaus bewusst sein. Ansonsten endet die Oper in der Beliebigkeit.




Die Liebe zu drei Orangen an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Matthias Baus

Thomas Rothschild - 7. Dezember 2018
ID 11090
DIE LIEBE ZU DREI ORANGEN (Opernhaus, 02.12.2018)
Musikalische Leitung Alejo Pérez
Regie Axel Ranisch
Bühne Saskia Wunsch
Kostüme Bettina Werner, Claudia Irro
Licht Reinhard Traub
Computeranimation Till Nowak
Choreografie Katharina Erlenmaier
Dramaturgie Ingo Gerlach
Chor Manuel Pujol
Besetzung:
Der Kreuz-König/Der Herold ... Goran Jurić
Prinz ... Elmar Gilbertsson
Prinzessin Clarice ... Stine Marie Fischer
Leander ... Shigeo Ishino
Truffaldino ... Daniel Kluge
Pantalone ... Johannes Kammler
Der Zauberer ... Celio Michael Ebbecke
Fata Morgana ... Carole Wilson
Linetta ... Aytaj Shikhalizade
Nicoletta / Smeraldina ... Fiorella Hincapié
Ninetta ... Esther Dierkes
Die Köchin / Farfarello ... Matthew Anchel
Zeremonienmeister ... Christopher Sokolowski
Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart
Premiere an der Staatsoper Stuttgart: 2. Dezember 2018
Weitere Termine: 14., 17., 19.12.2018 // 04., 11.01. / 09., 14., 22.04.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper-stuttgart.de


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