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Premierenkritik

Die gelebte

Koloratur



Il viaggio a Reims an der Deutschen Oper Berlin | Foto (C) Thomas Aurin

Bewertung:    



Il viaggio a Reims [zu deutsch: Die Reise nach Reims] zählt wahrlich nicht zu den am meisten gespielten Werken des italienischen Opern-Vielschreibers Gioacchino Rossini (1792-1868) - belegen lässt sich das schon mal daran, dass (beispielsweise) erst im letzten Jahr, 192 Jahre nach der Uraufführung in Paris, die überfällige Berliner Erstdarbietung an der Universität der Künste war; aber auch außerhalb der deutschen Hauptstadt würde es ganz sicherlich nicht leicht fallen, fünf unter permanentem Koloraturzwang stehende weiblichen Hauptrollen (als Beispiel nur) so mir nichts dir nichts zu besetzen; das mit inflationärer Schwerelosigkeit sich seifenblasig hochschaukelnde Opus führt sogar bei zuhörenden Profis zu der kopfschüttelnden Annahme, das Manches des hier Abzusingenden, vom Stimmtechnischen her, unmachbar wäre.

Für die Deutsche Oper Berlin mitnichten ein Problem! Sie demonstrierte gestern Abend wieder einmal, wo der Hammer der drei miteinander konkurierenden Berliner Stiftungs-Häuser hängt - so eine exemplarische Besetzung wie die gestrige muss erst einmal gefunden sein; und (Sensation!) das "Personal" stammt überwiegend aus dem eigenen Ensemble resp. aus verheißungsvollen, unverbrauchten Stipendiatinnen und Stipendiaten aus dem In- und Ausland.

Kurz zur Handlung:



"Ganz Europa scheint im Hotel zur Goldenen Lilie versammelt zu sein, um sich auf den Weg zur Krönung Karls X. nach Reims zu machen. Doch es kommt anders als geplant: Die zusammengewürfelte Reisegesellschaft wird es nicht mehr rechtzeitig nach Reims schaffen. Also entscheidet man, nach Paris zurückzufahren und dort den neuen König gebührend zu empfangen, aber nicht ohne zuvor im Hotel das freudige Ereignis zu feiern."

(Quelle: deutscheoperberlin.de)


Regisseur Jan Bosse, Bühnenbildner Stéphane Laimé, Kostümdesignerin Kathrin Plath und Videokünstlerin Meika Dresenkamp siedeln das explodierende Absurdtheater in 'nem lazarettartigen Wartehallenumfeld an, und physische Versehrtseinsmale sucht man hier vergeblich, weil die Personnage v.a. psychisch nicht so ganz im Takt zu seien scheint; ja, die Behausung hat daher auch was von Irrenanstaltmäßigem - selbstredend für die First Class statt das allgemeine Fußvolk reserviert. Mit andern Worten ausgedrückt: Was treibt die Gutbetuchten an, sich vorbehaltlich der geplanten Krönungsfeier-Gruppenexkursion einer zuvorigen Zusammenrottung auszusetzen à la "Keine Feier ohne Meier" oder so?

Die Inszenierung ist von überbordendem Geschick und visueller Hochprofessionalität; und punktuell wie plötzlich wird mitunter Manches, was zuvor als Individuelles also einzeln sichtbar war, in endlosschleifiger Manier nach hinten auf die überdimensionale Videowand multipliziert. Einfach genial gemacht!

*

Die Sängerinnen Elena Tsallagova (als Corinna), Vasilisa Berzhanskaya (als Marchesa Melibea), Siobhan Stagg (als Contessa di Folleville), Hulkar Sabirova (als Madama Cortese) oder Meechot Marrero (als Modestina) waren für das eingangs schon erwähnte Bewältigungpotenzial in puncto ausgelebt-belebter Koloratur zuständig - aber auch die Herren der Schöpfung brillierten allesamt in ihren Einzel- oder Gruppenauftritten: Gideon Poppe (als Cavaliere Belfiore), David Portillo (als Il Conte di Libenskof), Mikheil Kiria (als Lord Sidney), Davide Luciano (als Don Profondo), Philipp Jekal (als Barone di Trombonok), Dong-Hwan Lee (als Don Alvaro) oder Sam Roberts-Smith (als Don Prudenzio) und Juan de Dios Mateos (als Zefirino).

Personenführungen: vom Allerfeinsten!

Situationskomik: aufs Ungezügeltste!

Ensemblegeist ergo -zusammenspiel: perfekt!!!!!

* *

Früher standen fast alle Rossini-Produktionen an der DOB unter der musikalischen Leitung von Altmeister Alberto Zedda († 6. März 2017 in Pesaro); Reims war sicher auch mit ihm geplant gewesen.

Gioacomo Sagripanti dirigierte nunmehr die Premiere. Das rossinierfahrene Orchester der Deutschen Oper Berlin schien etwas über-aufgestellt; somit klang es auch (und nach unserem Dafürhalten) um einen Deut zu laut - aber das nur am Rand bemerkt.

Anna Garzuly-Wahlgren absolvierte ihren großen Soloflöten-Bühnenauftritt mittenmang.

Fazit im Ganzen:

Extrawurf der Sonderklasse.




Rossini´s Il viaggio a Reims an der Deutschen Oper Berlin | Foto (C) Thomas Aurin

Andre Sokolowski - 16. Juni 2018 (2)
ID 10757
IL VIAGGIO A REIMS (Deutsche Oper Berlin, 15.06.2018)
Musikalische Leitung: Giacomo Sagripanti
Inszenierung: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Licht: Kevin Sock
Video: Meika Dresenkamp
Dramaturgie: Lars Gebhardt
Mir: Elena Tsallagova, Vasilisa Berzhanskaya, Siobhan Stagg, Hulkar Sabirova, Gideon Poppe, David Portillo, Mikheil Kiria, Davide Luciano, Philipp Jekal, Dong-Hwan Lee, Sam Roberts-Smith, Juan de Dios Mateos, Alexandra Ionis, Meechot Marrero, Davia Bouley und Byung Gil Kim
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Premiere war am 15. Juni 2018.
Weitere Termine: 22., 24., 30.06. / 05.07.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

Konzertkritiken

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Il viaggio a Reims (UdK Berlin, 06.07.2017)



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