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Treppen

von rosalie



Elisabet Strid als Salome an der Oper Leipzig | Foto (C) Kirsten Nijhof

Bewertung:    



Das letzte Bühnenbild der Künstlerin rosalie (1953-2017), die vor Kurzem völlig unerwartet starb, ist das für Salome (in der Regie von Aron Stiehl), mit dem die Oper Leipzig ihre nun zu Ende gehende Saison aufs Triumphaleste beschloss. Den Handlungsort des ungestümen Einakters vom jugendlichen Strauss, jenen "Palast zur Zeit der Regierung von Herodes II. Antipas", hat sie als nirgendher und nirgendhin gedachtes und zumeist pastellfarbenes Treppen-Freischwebe-Gespinst [s. Foto unten] ersonnen; und so vom Gefühl her meint man schon, dass alle Wege, die auf diesen Treppenstufen absolviert sein würden, mehr dann Richtung Unterwelt, wo ja noch weiter unten die Zisterne mit dem eingekerkerten Propheten sein sollte, zur Irre führten.

Dieses "Tal" brutalster Lüste und Verrichtungen wird nach und nach dann freilich vom gesamten Personal der letztlich in ihm Handelnden bevölkert und besetzt - als ziemlich Erste lauerte und lauert daher auch die voll-antiautoritär als wildes Jungtier vom Oheim (Herodes) aufgezogene Herodias-Tochter Salome auf die von ihr seit Langem schon ergeiferte Erscheinung des ausschließlich nur als Leib und Lustobjekt begriffenen Jochanaan...

Neben dem tollen Bühnenbild ragt insbesondere der sogenannte Tanz der sieben Schleier, der vom Choreografen Ramses Sigl als ein pantomimisch-tänzerisches Mausefallen-Spiel - dem Hamlet'schen Theater im Theater, wo der junge Däne letztlich seine eigne Mutter der Ermorderung seines Vaters überführte, beinahe zum Verwechseln ähnlich - ausgestaltet wurde, in die Runde: Sigl lässt hier Vater, Mutter, Kind einschließlich Vaterbruder (also Kindesoheim) hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs der in drei diversen Altersstufen sich Entpuppenden stationenhaft agieren - das wirft allerdings dann schon ein eindeutiges Licht auf Salome's Dekurs.

*

Sopranistin Elisabeth Strid, die (was wir schon bei ihrer Siegfried-Brünnhilde vor fast zwei Jahren konstatierten), in den Höhen hell und leuchtend klingt, scheint in der Tat als sängerisches Ideal für diese Durchhaltepartie parat zu stehen; ihr Geschauspielertes überzeugt hinzu.

Kein Wunder auch, dass sie dem Bariton Tuomas Pursio in obsessiver Selbstvergessenheit verfällt - der Finne sieht nicht nur gut aus, nein, er vermag sie auch vorzüglich durch Gesang zu überzeugen und infolge "hinzurichten".

Und Michael Weinius (als Herodes) tut durch seine tenorale als wie körperliche Fülle stark beeindrucken, während Karin Lovelius (als Herodias) relativ, v.a. aber stimmlich, abfällt - - unwillkürlich kommt einem sofort, nur zum Vegleich, Herodias-Vorgängerin Anja Silja, die die Rolle 1994 an der Oper Leipzig sang und spielte, in Erinnerung; Legende halt.

Ulf Schirmer weiß das Dauerexpressive der Musik recht gut zu ordnen und zu bündeln, und das Gewandhausorchester macht einen unantastbar-professionellen Job.




Salome an der Oper Leipzig - mit dem Bühnenbild von rosalie | Foto (C) Kirsten Nijhof

Andre Sokolowski - 26. Juni 2017
ID 10111
SALOME (Oper Leipzig, 25.06.2017)
Musikalische Leitung: Ulf Schirmer
Inszenierung: Aron Stiehl
Bühne und Kostüme: rosalie (†)
Künstlerischer Mitarbeiter von rosalie: Thomas Jürgens
Dramaturgie: Elisabeth Kühne
Besetzung:
Herodes ... Michael Weinius
Herodias ... Karin Lovelius
Salome ... Elisabet Strid
Jochanaan ... Tuomas Pursio
Narraboth ... Sergei Pisarev
Ein Page der Herodias ... Sandra Maxheimer
1. Jude ... Rouwen Huther
2. Jude ... Patrick Vogel
3. Jude ... Tyler Clarke
4. Jude ... Martin Petzold
5. Jude ... Sejong Chang
1. Nazarener ... Julian Orlishausen
2. Nazarener ... David Fischer
1. Soldat ... Christian Tschelebiew
2. Soldat ... Jürgen Kurth
Ein Kappadozier ... Artur Mateusz Garbas
Ein Sklave ... Sandra Fechner
Komparserie
Gewandhausorchester Leipzig
Premiere war am 17. Juni 2017.
Weitere Termine: 25.06. / 14., 20.10. / 16.12.2017 // 10.03.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.oper-leipzig.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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