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Premierenkritik

Wenn alte

Männer streiten


Christoph von Dohnányi hatte "künstlerische Differenzen mit dem Regisseur Hans Neuenfels" und dirigierte daher nicht die neue SALOME der Staatsoper Unter den Linden


Ausrine Stundyte in der Titelrolle der neuen Salome an der Staatsoper Unter den Linden | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Eine Institution wie die Staatsoper Unter den Linden - immerhin das erste Haus am Platz - speist ihren Weltruf sicherlich (auch) durch Vermittlung großer Dirigentennamen. Nötig hätte sie das, und solange Daniel Barenboim noch hier in Amt und Würde ist, selbstredend nicht; aber verkehrt kann es wahrscheinlich auch nicht sein. Im Fall der längst schon überfällig gewes'nen neuen Salome - die Harry Kupfer-Inszenierung aus dem Jahre 1979 (letztmals live vor fast genau vier Jahren im Schiller Theater, der "damaligen" Ausweichspielstätte der Staatsoper, erlebt) hatte sehr respektabel die Jahrtausendwende überstanden; als sie "damals" wiederaufgenommen wurde, dirigierte Zubin Mehta und wurde sogleich, aber natürlich nicht nur wegen dieser Salome, als Ehrendirigent der Staatsoper berufen. Könnte also sein, dass er sich so bei der Gelegenheit womöglich eine neue Salome, die er vielleicht sehr gern noch einmal dirigiert hätte, zu wünschen traute, und tatsächlich: Er war dann, quasi als Erste Wahl, für das Premierendirigat der neuen Salome (Regie: Hans Neuenfels) im grundsanierten Haus bestimmt. Nun ist er leider krank geworden, und die Staatsoper wurde in ihrer Umbesetzungsnot mit Christoph von Dohnányi fündig - dieser hätte auch mit ihr dann sein Orchestergraben-Debüt Unter den Linden geben wollen; warum nicht?!

Aber es kam letztendlich doch wieder ganz anders:



"Christoph von Dohnányi hat die Leitung der Staatsoper Unter den Linden gebeten, ihn von seinem Dirigat der SALOME (Premiere am 4. März 2018) zu entbinden. Als Gründe gab er künstlerische Differenzen mit dem Regisseur Hans Neuenfels an.

Gleichzeitig empfahl er die musikalische Leitung des Abends seinem Assistenten Thomas Guggeis zu übertragen, der die letzte Vorstellung am 17. März ohnehin regulär dirigieren sollte. Thomas Guggeis hat bereits die Generalprobe dieser Aufführung am 1. März 2018 dirigiert. Er ist seit der Saison 2016/17 Assistent von Daniel Barenboim und Korrepetitor der Staatsoper."


(Quelle: Pressemitteilung der Staatsoper Unter den Linden v. 2. März 2018)


*

Zum Musikalischen:

Die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte [Kundry in Parsifal, 2012; Marietta in Die tote Stadt, 2013; Judith in Herzog Blaubarts Burg, 2015; Carlotta in Die Gezeichneten, 2018] sang die Titelrolle. Ihre lautglockenen Höhen hörten sich passabel an, je mehr sie allerdings "nach unten" ging, verlor die Stimme beinah unhörbar an Kraft, und an ihr Timbre insgesamt musste sich manches Ohr gewöhnen; unklar blieb jedoch, woher/warum die Buhs beim Schlussapplaus gegen sie prasseln mussten.

Thomas J. Mayer (als Jochanaan) und Gerhard Siegel (als Herodes) hinterließen einen formidabelen und plattenreifen Doppeleindruck, wie sie ihre beiden Rollen sangen und auch spielten!!

Sonst konnte vom sängerischen Personal aus wenig aufregend Erwähnenswertes in Erinnerung verbleiben.

Was das Szenische betrifft:

Ich kann mich nicht entsinnen, jemals je eine so derart unsinnlich-sterile Salome-Betrachtungsweise vorgesetzt sprich zugemutet bekommen zu haben! Im stupiden Schwarz-Weiß-Grau verlief der langweilige Abend und vermeinte durch ein läppisch-zwischenruferisches "Wilde is coming" hochbesonders intellektuell bzw. dramaturgisch weiterführend also aufgelockert gewesen zu sein - worauf wir, rein gedanklich, hingelenkt sein sollten, war, dass Salome sowie Jochanaan als Marionetten des sie ausgedacht habenden Dichters Oscar (den hier Christian Natter still und leise aber immerhin mit zwei sehr auffälligen Weißhoden zu mimen hatte) hirnhaft existierten; selbst der sogenannte Tanz der sieben Schleier wurde dererlei verkopft, und apropos: Kurz nach der Auserwählten-Köpfung rollte justament eine Palette mit sage und schreibe 42 abgetrennten Gips-Köpfen heran - was das nun wiederum bedeuten sollte?

* *

Resümee des Ganzen:

Regisseur Hans Neuenfels (76) und Dirigent Christoph von Dohnányi (88) hatten "künstlerisch" - bei Salome - einen Dissens und kamen sodurch "unversöhnlich" auseinander. Was konkret den Alte-Männer-Streit verursacht haben könnte [denn die Installierung eines Phallus-Käfigs auf der so wie meistens völlig überambitionierten Bühne Reinhard von der Thannens kann es nicht im Ernst gewesen sein], wird man als rezipierendes und also völlig unbeteiligtes Partikel nie denn zu erfahren kriegen - ist uns auch, um ehrlich sein zu wollen, piepegal. Die SängerInnen sangen so und so ganz gut, die Staatskapelle Berlin klang wie nicht anders zu erwarten wunderbar, und der Premierenretter Thomas Guggeis (24) dirigierte unter rampenlichtiger Beobachtung und heimste (vollkommen zurecht) den größten Beifall dieses eigentlichen Pleiteabends ein.

Man darf halt nie zu viel verlangen.




Salome an der Staatsoper Unter den Linden | Foto (C) Monika Rittershaus

Andre Sokolowski - 5. März 2018
ID 10569
SALOME (Staatsoper Unter den Linden, 04.03.2018)
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Hans Neuenfels
Bühnenbild und Kostüme: Reinhard von der Thannen
Choreografie: Sommer Ulrickson
Licht: Stefan Bolliger
Dramaturgie: Henry Arnold und Roman Reeger
Besetzung:
Herodes ... Gerhard Siegel
Herodias ... Marina Prudenskaya
Salome ... Ausrine Stundyte
Jochanaan ... Thomas J. Mayer
Narraboth ... Nikolai Schukoff
Page der Herodias ... Annika Schlicht
Erster Jude ... Dietmar Kerschbaum
Zweiter Jude ... Michael Smallwood
Dritter Jude ... Linard Vrielink
Vierter Jude ... Andrés Moreno García
Fünfter Jude ... David Oštrek
Erster Nazarener ... Adam Kutny
Zweiter Nazarener ... Ulf Dirk Mädler
Erster Soldat ... Arttu Kataja
Zweiter Soldat ... Dominic Barberi
Ein Cappadocier ... David Oštrek
Ein Sklave ... Corinna Scheurle
Oscar Wilde ... Christian Natter
Wachen ... Ernesto Amico, Allen Boxer, Nikos Fragkou, Jonathan Heck, Maximilian Reisinger und Tom-Veit Weber
Staatskapelle Berlin
Premiere war am 4. März 2018.
Weitere Termine: 08., 10., 14., 17.03.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

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Inszenierungen von Hans Neuenfels an der Staatsoper Unter den Linden:

La Finta Giardiniera - Die Pforten der Liebe

Ariadne auf Naxos



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