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Romanische Nacht 2016 | St. Maria im Kapitol, Köln

Mittsommernachtgang voller Klanglichter



Solisten, Concerto con Anima und Bach-Verein Köln bei der Romanischen Nacht im kleeblattförmigen Chor | Foto (C) Ansgar Skoda

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Die Basilika Sankt Maria im Kapitol gilt als eines der architektonisch ungewöhnlichsten Bauwerke des 11. Jahrhunderts, so Jürgen Kaiser im opulenten Prachtband Die großen romanischen Kirchen in Köln (Greven Verlag, 2013). In Kölns größter romanischer Basilika können u.a. römische Bauteile und Spolien, ein Dreikonchenchor mit Säulenumgang, die größten Krypta des Rheinlands und die einzige erhaltene Holztür der deutschen Romantik mit Reliefs bewundert werden. Seit 1988 widmet sich ein jährliches Festival den elf romanischen Kirchen in Köln, der ROMANISCHE SOMMER. Am letzten Freitag fand das diesjährige Festival mit der Romanische Nacht in der Kapitolskirche seinen Höhepunkt.

* * *

Bis Mitternacht wurde musikalischer Facettenreichtum geboten. Allen Stücken gemein war der Bezug auf das Thema des diesjährigen Festivals: „Wege – Hören durch Raum und Zeit“. In warmen Farben wurde die imposante Architektur der Kirchenräume im Wechselspiel von Licht und Schatten beleuchtet. Auch die Kompositionen flirrten in hypnotischen Klangfarben und wurden von den auftretenden Künstlern ausdrucksstark mit Spannungsmomenten, strahlend-schwebenden Koloraturen oder formschönen Nuancen interpretiert.

Unter dem Titel "Lasset uns mit Jesus ziehen" eröffneten gegen 20 Uhr der Organist Edgar Krapp und die Mezzosopranistin Ingeborg Danz mit Kompositionen von Bach, Schubert, Max Reger und Arvo Pärt den Abend. Danz‘ Gesang erfüllte den Kirchenraum mit schwungvoll-schwebender Leichtigkeit und stand im wirkungsvollen Kontrast zur klangvoll-bebenden Schwere von Krapps Orgelspiel. Insbesondere die Performance einer Arvo Pärt-Komposition klang lange nach. Ihr lag ein Gedicht des schottischen Lyrikers Robert Burns zugrunde, das Heimatlosigkeit und die Sehnsucht nach einem Zuhause beschreibt: „My heart's in the Highlands, my heart is not here,/ My heart's in the Highlands, a-chasing the deer;/ Chasing the wild-deer, and following the roe,/ My heart's in the Highlands, wherever I go.”

Der zweite Programmpunkt des Abends war eine Jazz-Uraufführung, One in Four – Trajektorien für Quartett vom 1988 geborenen Komponisten David Heiß. Der aus der Physik stammende Begriff „Trajektorie“ bezeichnet eine Raumkurve und wurde hier freier als Entwicklungspfad gedeutet. Sängerin Filippa Gojo, Saxophonist Salim Javaid, Posaunist Moritz Wesp und Bassist David Helm improvisierten gekonnt in einer vierteiligen Komposition und eröffnen dabei überraschende akustische Eindrücke im Kirchenraum. Zunächst zuordbare Melodien und Klanglandschaften überlagerten sich, verzweigten sich und lösten sich spannungsvoll sphärisch auf, um neue Melodien zuzulassen. Die Besetzungen wechselten, und die vier Künstler, die ihre Auftragsarbeit für den ROMANISCHEN SOMMER zusammen mit der Jazzabteilung der Hochschule für Musik und Tanz Köln entwickelten, spielten auch mal als Duo oder Trio.

Gegen 22 Uhr traten fünf männliche Solisten zusammen mit dem Orchester Concerto Con Anima und dem Chor des Bach-Vereins Köln unter der Leitung von Thomas Neuhoff auf, um in "Teach me, O Lord, the way of thy statutes" englische Psalmvertonungen des 17. Jahrhunderts zu Gehör zu bringen. Countertenor Magid El-Bushra löste mit seinem schillernd-leichtem Solo bei Teach me, O Lord vom englischen Komponisten William Byrd gleich zu Beginn ein Gänsehaut-Feeling aus. Er setzt auch später mit ergreifenden Solos bei den dargebotenen Kompositionen von Orlando Gibbons über John Blow bis hin zu Henry Purcell wirkungsvolle Akzente. Auch die Tenöre Andreas Post und Scott Wellstead sowie die Bassstimmen Maximiliam Haschemis und Frederik Schauhoffs überzeugten mit kraftvoller Modulation und Stimmführung beim eindrucksvollen Durchschreiten anglikanischer Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts, das sich auf Kompositionen der Spätrenaissance bis hin zum Barock und im Psalter besungene Wege konzentrierte.

Abgeschlossen wurde der Abend unter dem Titel "Kosmische und irdische Zeit". Gegen 23 Uhr trat das E-MEX-Ensemble zusammen mit der österreichischen Jazzsängerin Filippa Gojo auf, um Neue Musik von Thomas Taxus Beck, Michel van der Aa, Gary Verkade, György Ligeti und Improvisationen zu performen. Das E-MEX-Ensemble - bestehend aus Flötistin Evelin Degen, Oboistin Anja Schmiel, Klarinettist Joachim Striepens, Trompetenspieler Markus Schwind und Organist Matthias Geuting – stimmte sich instrumental spannungsvoll aufeinander ab, während Gojo mit ihren Improvisationen vielfältige Assoziationen wachrief. Es entstanden polyphone Klangkonstellationen. Töne verharrten, wurden gedehnt, übernommen oder durch klangliche Bewegungen ausgelotet. Insbesondere das krachende Volumina von György Ligeti, ein Schlüsselwerk moderner Orgelkompositionen, hallte lange nach.



E-Mex-Ensemble und Sängerin Filippa Gojo (dritte von links) beim Abschlussapplaus | Foto (C) Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 26. Juni 2016
ID 9406
Wie jedes Jahr war der Konzertabend in der ehemaligen Damenstiftskirche gut besucht, und manchmal mussten Zuhörer sich mit Stehplätzen begnügen. Es entfaltete sich in der romanischen Kirche wieder eine besondere Atmosphäre. Den Zuschauern war es erlaubt, sich auch während des Konzertes in der Kirche leise zu bewegen, was ganz besondere Perspektiven und Raumeindrücke ermöglichte. Oft war es auch erholsam, sich von den Kirchenbänken für kurze Augenblicke zu lösen. Auch für das leibliche Wohl war im Kreuzgang wieder gesorgt. Im Wesentlichen fanden die Darbietungen hinter dem Lettner statt, was für die im Mittelschiff sitzenden Besucher alles etwas zu sehr in die Ferne rückte. Leider war die diesjährige Romanische Nacht - anders als in den Vorjahren [s. Romanische Nacht 2015] - bereits um Mitternacht zu Ende; hier hätten sich einige sitzfeste Stammbesucher einen weiteren Programmpunkt für die Zeit nach Mitternacht gewünscht.

Weitere Infos siehe auch: http://www.romanischer-sommer.de


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



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